Der Sommer der Kunst

Ernst Corinth 01.07.2007

Ein Fall für kampferprobte Diskursritter

Dies wird nicht der Sommer Liebe, dafür ist es sowieso zu feucht und kalt. Sondern der der Kunst. Gleich vier große Ausstellungen hoffen auf Besucher: die Documenta in Kassel, Made in Germany in Hannover, das Skulpturen Projekt in Münster und nicht zuletzt die Biennale in Venedig. Angesichts dieses prall verregneten Kunstsommers setzen auch wir uns mal mit großer Kunst auseinander (Wozu gibt es denn sonst das Sommerloch?).

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Da der Jargon der Kunstkenner jedoch schwer verständlich ist und man als kleiner Schreiberling über wortgewaltige Kunstkritiker nur ehrfurchtsvoll staunen kann, bedienen wir uns dafür der Buergelmaschine, die die Macher der Zeitschrift für komische Literatur – Exot online gestellt haben. Dazu schreiben sie:

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Das erfährt derzeit auch Roger Martin Buergel, der einen Riesenhaufen Kunst, 1001 Chinesen und ein Reisfeld nach Kassel geholt hat und den Kram jetzt erklären muss, weil er leichtfertig "Dialog mit den Besuchern" in sein Ausstellungskonzept geschrieben hat.

Um den Kurator der Documenta 12, also Buergel, zu entlasten, haben sie einen Generator online gestellt, der Aussagen des Ausstellungsleiters und des kunstsinnigen Feuilletons so geschickt mischt, dass jeder zum Kunstkenner wird.

Wer will, kann auf die Seite ein Bild hochladen, ihm einen Namen geben, und schon wird selbst das unsinnigste Objekt zum Kunstobjekt. Da hat beispielsweise die Künstlerin Charlott Lindner ein Frauenporträt veröffentlich mit dem provokant hintersinnigen Titel "Diese Frau sucht einen Mann". Das lässt sich allerdings nur schwer verifizieren, aber künstlerisch interpretieren. Und das übernimmt die Buergelmaschine:

Mit einer kommunitaristischen Idee verlangt Charlott Lindner, die Korrespondenz von Formen und Themen zu reduzieren und die in sich kreisende Gegenwart als poetische Fermate zugänglich zu machen. Verbindungslinie zur Moderne als unserer Antike der auf Gemälden von Cézanne basierenden Arbeit "diese Frau sucht einen Mann" ist der Rätselcharakter der Kunst.

Rätselcharakter der Kunst – das zergeht auf der Zunge. Schön gesagt! Neben Charlott Lindner findet man auch andere prominente Vertreter der Postmoderne. Beispielsweise Lakritz, ein Künstler, der mit Zahlenreihen arbeitet, die er auf Papierfetzen schreibt. Sein Werk heißt "Hausaufgaben für die UFO-Schule", und dazu meint die Buergelmaschine:

Mit einfachen Geräten wie Spaten oder Hacke glaubt Lakritz, einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel zu ermöglichen und apokalyptische Aspekte als logomorphen Ausdruck für Gleichgewichtsbalance jenseits rationalen Verstehens verständlich zu machen.

Das ist fürwahr Kunstkritik vom Feinsten. Schnell noch eine Arbeit eines Außenseiters des etablierten Kunstbetriebs: dieter bohlen (man beachte die moderne Kleinschreibung!) mit dem Titel "nora". Wir erfahren:

In der Krise der Arbeitsgesellschaft versucht dieter bohlen, den gemeinsamen Horizont für die Menschheit zu verhindern und eigene Wahrnehmungsgewohnheiten als verzopften bildungsbürgerlichen Ballast in Beziehung zu setzen. Das Spannungsfeld von Konvention und Imagination der ebenso düsteren wie schwülstigen Arbeit "nora" ist die Herkunft der Form.

Und zum Schluss Meister Buergel höchstpersönlich, der sich an dieser Netzausstellung mit einem Selbstporträt beteiligt hat. Ganz schon mutig der Mann! Darüber heißt es dann:

In naiver Überschätzung des Projektes der Moderne trachtet roger m. buergel, neue Wahrnehmungen zu überführen und apokalyptische Aspekte als Disziplin, mit der man Andersheit lernen kann, vergessen zu machen. Ästhetisches Theorem der an Martin Heideggers Programm der Destruktion der Metaphysik anschließenden Arbeit "selbstporträt" ist Präzision kombiniert mit Großzügigkeit.

Besser lässt sich dies wirklich nicht mehr interpretieren. Oder mit den Worten des leider in Vergessenheit geratenen Sprachmetaphysikers Karl Pfalzheimer: Es kommt nicht darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt!

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25605/1.html
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