Roboter mit Elektroschockwaffe

Florian Rötzer 09.07.2007

Taser will Roboter mit seinen nichttödlichen Waffensystemen anbieten und senkt so die Einsatzschwelle für autonome Kampfroboter

Elektroschockwaffen werden als weniger tödliche Waffen mehr und mehr von Polizei und Militär eingesetzt, um unterhalb der Schwelle von Schusswaffen auch über eine Distanz von mehreren Metern hinweg Gewalttätige und Querulanten lahm zu können. Taser, weltweit der Hauptproduzent von Elektroschockwaffen, preist die angebliche Harmlosigkeit mitsamt der Wirksamkeit seiner Produkte an.

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Das neueste Produkt ist das TRAD-System (Taser Remote Area Denial), mit dem Orte aus der Ferne überwacht und mögliche Eindringlinge abgeschreckt werden können. Ausgestattet mit Infrarot- und normalen Kameras können die Apparaturen mit mehreren X 26-Waffen auch miteinander vernetzt werden. Angeblich lassen sich so Orte aus der Ferne automatisch oder mit Kontrollpersonal überwachen und "Angreifer" erkennen, verfolgen, identifizieren und durch Abschuss von mehreren Waffen lähmen. Die Elektroschockwaffen können auch mehrmals betätigt werden. Ist der Gegner überwältigt, könnte das Wachpersonal kommen und ihn gefahrlos festnehmen. Allerdings dürfte dies eine gewisse Zeit dauern, weswegen der Verdächtige möglicherweise mehrmals beschossen werden könnte.

Bislang bietet Taser Distanzelektrowaffen nur mit Projektilen an, die den Strom über Drähte bis zu einer Entfernung von 10 Metern von der Waffe zum Getroffenen leiten, in denen die "Nadeln" eingedrungen sind. Am 9. Juli will die Firma das Wireless eXtended Range Electronic Projectile (XREP) vorstellen, das ohne Drähte auskommt und so auf größere Entfernung feuern lässt. Nächstes Jahr soll es für Sicherheitskräfte bereits auf den Markt kommen und so einerseits vielleicht den Schusswaffeneinsatz senken, dafür aber vermutlich Übergriffe vermehren, weil ja nichts wirklich passieren kann, wenn man die nichttödlichen Waffen anwendet.

Noch einen Schritt weiter geht Taser mit der Zusammenarbeit mit dem Roboterhersteller iRobot, der von Rodney Brooks mitbegründet wurde. Die Robotikplattform, die auch bereits mit Schusswaffen zum Kampfroboter aufgerüstet wurde, soll nun auch mit X 26-Elektroschockwaffen versehen werden, um aus der "sicheren Ferne gefährliche Menschen angreifen, lähmen und kontrollieren" zu können, ohne "Personal, Verdächtige und zufällig Anwesende unnötigen Risiken auszusetzen".

Wie sich schon beim TRAD-System zeigt, geht die Entwicklung dahin, die Waffen ohne letzte Kontrolle durch Menschen einzusetzen und sie automatisch entscheiden zu lassen, ob ein Mensch ein "gefährliches Subjekt" ist, das sicherheitshalber oder präventiv mit Elektroschockwaffen aus immer größerer Entfernung ein- oder mehrmals beschossen, gelähmt und niedergestreckt wird. Neben allen anderen Problemen, die mit nicht oder weniger tödlichen Waffen einhergehen dürfte wohl die autonome Entscheidung der Maschinen die gefährlichste Entwicklung darstellen.

Im Unterschied zu tödlichen Schusswaffen (Einsatzregeln für Kampfroboter) wird man ei nichttödlichen, angeblich körperlich ungefährlichen Waffen die Schwelle erheblich senken, ab wann autonom entscheidende Robotsysteme gegen Menschen vorgehen können. Auch wenn die Elektroschocks körperlich harmlos sein sollten, so dürften die derart Angegriffenen, zumal wenn sie "Kollateralschaden" waren, psychisch nicht ohne Läsuren aus der Erfahrung hervorgehen. Ebenso wie andere Gewalt werden auch nichttödliche Waffen eher Widerstand schüren.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25667/1.html
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