Manhattan soll mit Tausenden von Kameras geschützt werden

Florian Rötzer 09.07.2007

Die New Yorker Polizei plant, nach dem Vorbild des Londoner "Ring of Steel" das Geschäfts- und Bankenviertel zu schützen

New York holt nach, was London aufgrund der Terroranschläge der IRA als "Ring of Steel" um das Zentrum herum aufgebaut hat: eine Art moderner Sicherheitsmauer aus Kameras und Sperrvorkehrungen, um Fahrzeuge identifizieren, verfolgen und stoppen zu können. 1993 hatten islamistische Terroristen bereits mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto, das in einer Tiefgarage abgestellt wurde, einen Anschlag auf das WTC ausgeführt, durch den sechs Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden. New York war vermutlich auch Schauplatz der weltweit ersten Bombe, die in einem Fahrzeug deponiert wurde. 1920 stellte Mario Buda vor dem Gebäude von J. P. Morgan ein mit Sprengstoff gefülltes Pferdefuhrwerk ab, um gegen die Inhaftierung der Anarchisten Sacco und Vanzetti zu protestieren (Autobomben als billige Massenvernichtungswaffen).

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Nach der "Lower Manhattan Security Initiative" werden, wie die New York Times berichtet, bis Ende des Jahres über hundert Überwachungskameras in dem Geschäfts- und Bankenviertel, in dem auch das zerstörte World Trade Center stand und der Freedom Tower errichtet wird, installiert, um die Fahrzeuge zu überwachen. Dazu werden Kameras, mit denen sich Kfz-Kennzeichen lesen lassen, auch in Polizeifahrzeugen und Hubschraubern eingebaut.

Wenn verdächtige Fahrzeuge erkannt werden, geht eine Warnung aus. Die Stadt plant überdies, ähnlich wie in London in Manhattan unterhalb der 86th Street ein Mautsystem einzurichten, bei dem ebenfalls Kameras eingesetzt würden, um die Kennzeichen zu erfassen. Nach Raymond Kelly, dem Polizeipräsidenten von New York, würden dann diese Kameras ebenfalls zur allgemeinen Überwachung eingesetzt. Nach dem Plan sollten allerdings bis 2010 3000 Kameras installiert werden, die zu zwei Dritteln Firmen gehören würden, zusätzlich wird an Tore an wichtigen Straßen gedacht, die sich auf Knopfdruck schließen lassen. Ob auch Gesichtserkennung verwendet werden soll, ist noch nicht entschieden.

Bedenken von Bürgerrechtlern vor der umfassenden Überwachung des öffentlichen Raums und mangelndem Datenschutz, beantwortete der Polizeisprecher Paul Browne damit, dass die Polizei die Kameras kontrollieren werde. Zudem würden diese nur dort aufgestellt, wo es keine Erwartung an den Schutz der Privatsphäre gebe. Mit der üblichen Rhetorik erklärte er, dass gesetzestreue Bürger auch nichts zu befürchten hätten. Man werde das Überwachungssystem einsetzen, "um eine auf uns zukommende Gefahr abzuwehren, aber nicht um unterschiedslos Daten über Menschen zu sammeln". Die Überwachungskameras sollen mit Programmen ausgestattet werden, die bei verdächtigem Verhalten Alarm auslösen.

In London hätten die Überwachungssysteme den geplanten Anschlag mit Autobomben nicht verhindern können. Glück war, dass die Zündung über die Handys nicht gelang und/oder die Sprengsätze nicht richtig konzipiert waren. Wie auch bei den anderen Anschlägen können mit den Überwachungskameras allerdings nachträglich Personen oder Fahrzeuge identifiziert werden, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort waren.

Der von Skidmore, Owings and Merrill (SOM) überarbeitete Entwurf für den Freedom Tower, der an Stelle der zerstörten WTC-Türme errichtet wird, folgt strikten Sicherheitsmaßnahmen. Angeblich ist er so ausgerichtet, dass er bei einem Angriff mit einem Flugzeug nicht einstürzen würde. Der Kern des Turms wird durch eine ein Meter dicke Stahlbetonwand geschützt, von dem Träger zu Pfeilern reichen, um das gesamte Gebäude zu stabilisieren. Der 60 Meter hohe fensterlose Sockel auf einem Stahl-Titan-Fundament wurde 30 Meter von der Straße zurückgesetzt und wird angeblich aus bombensicherem Stahlbeton gebaut. Um die Ansicht des Bunkers etwas angenehmer zu gestalten, wird der Sockel nun von Prisma-Glasflächen umkleidet, die ebenfalls einer Explosion standhalten sollen. Allerdings gibt es auf allen vier Seiten 20 Meter hohe Eingänge. Gleichwohl ist der Turm, der die Freiheit symbolisieren soll und auch schon Siegessäule genannt wurde, eher ein Symbol der Angst und ein Modell der aus ihr entstehenden Sicherheits- und Festungsarchitektur.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25670/1.html
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