Big Brother Street

Florian Rötzer 11.07.2007

Die Holloway Road ist die am dichtesten mit Überwachungskameras ausgestattete Straße, aber Kriminalität ist nicht aus ihr verschwunden

Großbritannien ist weltweit führend bei der Anbringung von Überwachungskameras. Über 14 Millionen sind im ganzen Land installiert worden, mehr als im ganzen übrigen Europa, möglicherweise aber die meisten illegal, monierte die kürzlich etablierte Lobby-Organisation Camerawatch nicht selbstlos, denn man will sich als Interessenverband nicht gegen, sondern für Überwachung einsetzen. Die Wirksamkeit der Video-Überwachung ist allerdings umstritten.

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Ein Abschnitt der Holloway Road im Londoner Stadtviertel Islington gilt als eine der Straßen, die am dichtesten mit Überwachungskameras ausgestattet ist. 102 Kameras sind hier auf einer Strecke von 3 km aufgereiht, zusätzlich gibt es noch sieben Kameras zur Verkehrsüberwachung. Auf einer Strecke von 600 Metern befinden sich an 25 Stellen Überwachungskameras. Daily Mail nennt diesen Abschnitt "Big Brother Street".

Die Daily Mail hat die Überwachungskameras in die Big Brother Street eingetragen

Verbrechen finden allerdings weiterhin statt. Insgesamt sind nach einem Polizeibericht in einem halben Jahr 430 Vergehen begangen worden, darunter 29 Fälle von Körperverletzung, 15 Fälle von Raub und 25 von Diebstahl. Erst Ende des letzten Monats wurde in einer Auseinandersetzung zwischen Gangs ein vierzehnjähriger Junge vor einem Geschäft durch Messerstiche getötet. Da die Straße als gefährlich galt und sich hier viele Verbrechen ereigneten, wurden die Überwachungskameras ausgebaut.

Politiker mögen Kameras, sagt Mark Dziecielewski von Watching Them Watching Us, weil sie damit demonstrieren können, dass sie etwas tun. Wenn die Kameras länger da sind, würden aber die Übeltäter wieder zurückkehren. Zudem würden so viele Kameras die Ermittlungen der Polizei schwieriger machen, "weil sie so viel Arbeitszeit für das Überprüfen jeder Kamera verbrauchen".

Die Stadtverwaltung behauptet jedenfalls, dass die Kriminalität weiter zurückgeht. Vor kurzem wurde eine mit Überwachungskameras und VoIP ausgestattete Notrufstation in der Holloway Road installiert. Wird der Hilfeknopf gedrückt, geht an den Kontrollraum für die Überwachungskameras ein Alarm. Das Personal soll dann beobachten, was vor Ort geschieht, und zur Klärung mit der Person, die den Alarm ausgelöst, sprechen, bevor geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Der "Help Point" soll helfen, so die Stadtverwaltung, die Kriminalität in Islington noch besser zu bekämpfen.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25683/1.html
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