Die politische Technologie der Pein

Schmerzmaschinen Teil 1

Mikrowellen, Laser-, und Plasmawaffen, E-Bomben: unsichtbare Zerstörungsstrahlen und Waffen mit Lichtgeschwindigkeit gehörten bislang ins Arsenal von Hollywoods "Sternenkriegern". Jetzt werden mit dem "Active Denial System" der amerikanischen Firma Raytheon und vergleichbaren Prototypen der deutschen Firmen Diehl und Rheinmetall zunehmend neue Geräte für Polizei und Militär marktreif.

Im Irak fährt in Kürze der "Sheriff" Patrouille: der auf einem Jeep montierte 95-Gigahertz-Hitze-Strahler hat bis zu 500 Metern Reichweite. Ähnlich wie das bereits weit verbreitete "elektronische Personen-Kontroll-Gerät TASER" erzeugt der Sheriff "maximale Schmerzen". Vor dem internationalen Einsatz soll er "zu Hause" in den USA an Demonstranten erprobt werden.

Dass die Innere Sicherheit in Zeiten von Terror und abgeschwächtem Wirtschaftswachstum unsere Kultur verändern wird, lässt sich anhand jüngster Forschung und Entwicklung durchaus prognostizieren. Doch was genau werden die konkreten gesellschaftlichen oder individuell-psychologischen Konsequenzen einer Technologie sein, die absichtsvoll unerträgliche Gefühle erzeugt? Wird technisch induziertes Trauma künftig zum politischen Wirkmittel?

Die Mathematik der Wehrtechniker, in der "weniger Tote = mehr Schmerzen" ergibt, lässt sich unter solchen Fragestellungen als Matrix einer neuen Kriegsphilosophie entschlüsseln, der zufolge nicht mehr Produktion und Verbrauch der Geräte im Einsatz selbst den wirtschaftlichen Aufschwung verspricht, sondern die marktgerechte Zurichtung der Feinde durch eine Technologie, die unmittelbar ins zentrale Nervensystem eingreift.

"Nicht-tödliche Wirkmittel", die mit Strom und Strahlen in Sekunden auf den Punkt kommen möchten, produzieren angeblich folgenlose physische Erfahrungen, die allerdings niemand ein zweites Mal erleben möchte.

Wie in der schwarzen Pädagogik des 19. Jahrhunderts der Glaube herrschte, Aufsässigkeit gegen den Staat sei eine Geisteskrankheit, die durch tägliche Prügel vollständig zu heilen sei, so will der von den Mikrowellen produzierte "Vernichtungsschmerz" alle Regionen des Hirns derart nachhaltig auf einen Schlag ansprechen, dass kein Wunsch mehr entsteht, sich zu widersetzen.

In dem dreiteiligen Essay über "Schmerzmaschinen" stellt Olaf Arndt die neuen Technologien für Polizei und Militär vor und schätzt, gemeinsam mit dem Wiener Philosophen Wolfgang Pircher, dem Hirnforscher Alexander Thiele und dem Arzt Sepp Grässner die Folgen ab.

Er untersucht, wie "intelligent" die angeblich selektiven Waffen wirklich sind und versucht Kriterien aufzustellen, die bei der Bewertung des Folter-Vorwurfs nützen können, der immer wieder von Kritikern gegen diese Technologien erhoben wird. Eine zentrale Rolle bei Durchsetzung solcher Technologien und bei ihrer Einführung in den täglichen Dienstgebrauch spielen die Szenarien von Science Fiction Autoren, die im Auftrag des Staates Situationen entwerfen, die einen Einsatz solcher Mittel unverzichtbar erscheinen lassen.

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