Schwärme von Kampfdrohnen sollen Aufständische bekämpfen

Florian Rötzer 17.07.2007

Wenig beachtet werden in Afghanistan und im Irak immer mehr Lufteinsätze geflogen, demnächst schickt das Pentagon neue Reaper-Kampfdrohnen ins Gefecht, die von der neu gegründeten Kampfdrohnen-Einheit der Luftwaffe in Nevada über eine Entfernung von Tausenden von Kilometern gesteuert werden

Afghanistan und der Irak werden erneut zum Testfeld neuer Waffensysteme. Das Pentagon und das britische Verteidigungsministerium wollen die bewaffnete Drohne (UCAV) MQ-9 Reaper, eine verbesserte Version der bereits mit Hellfire-Raketen ausgestatteten Predator-Drohne, zur Bekämpfung der Aufständischen einsetzen. Mit UCAV-Schwärmen werden dann aus der Ferne die "gezielten Tötungen" durchgeführt. Zur Schaffung von rechtlichen Grundlagen dafür hat Bundesinnenminister Schäuble in Deutschland bereits "Diskussionsbeiträge" geäußert.

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MQ-9 Reaper-Kampfdrohne – schneller und mit mehr Waffen ausgerüstet als der Predator. Bild: USAF

Die große Stunde der mit Hellfire-Raketen aufgerüsteten Predator-Drohne kam nach dem 11.9., als das Pentagon bzw. die CIA mit den gezielten Tötungen wieder begonnen hat, die nach Exzessen im Kalten Krieg 1975 durch eine Executive Order (11905) des damaligen Präsidenten Gerald Ford verboten wurden (Uncle Sam und die "Snatch Option" des Präsidenten). Der Vorstoß dazu kam allerdings schon zuvor, denn kurz nach der Wahl von Bush wurde bereits von republikanischer Seite ein Gesetzesentwurf eingereicht, der wieder die gezielte Tötung von Terroristen ermöglichen sollte (USA soll Anschläge auf einzelne Personen durchführen können). Vizepräsident Cheney hatte schon Tage nach den Anschlägen vom 11.9. die Lizenz zum Töten) ins Spiel gebracht, US-Präsident Bush soll dann durch einen Erlass die CIA dazu ermächtigt haben (Lizenz zum Töten auf dem globalen Schlachtfeld, Mord im Auftrag des US-Präsidenten).

Im November 2001 wurde die bewaffnete Predator-Drohne erstmals in Afghanistan gegen einen Fahrzeugkonvoi eingesetzt. Angeblich soll dabei Mohammed Atef getötet worden sein, der als militärischer Kommandeur von al-Qaida galt. Als man mit der Predator-Kameras einen Mann entdeckte, der Bin Laden ähnlich zu sein schien, wurde dieser zusammen mit einem anderen Mann mit Hellfire-Raketen sicherheitshalber getötet. Es stellte sich heraus, dass es sich offensichtlich um Plünderer gehandelt hatte (Ferngesteuerte Waffensysteme senken die Angriffsschwelle). Ende 2002 wurde dann auch in Jemen eine Predator-Drohne eingesetzt, um die verdächtigen Insassen eines Jeeps zu töten (Schuss aus der Ferne). Danach folgten weitere "gezielte Tötungen" in Afghanistan, an der Grenze zu Pakistan oder im Irak.

Jetzt also soll der Predator-Nachfolger Reaper ("Sensenmann") zuerst in Afghanistan, später im Irak in den Kampf geschickt werden – gesteuert von Soldaten in den USA, die Tausende von Kilometern entfernt vom blutigen Einsatzgebiet die Menschen - wie Computerspieler vor den Bildschirmen sitzend und einen Joystick bedienend - abschießen sollen. Die 70 Millionen Dollar teure "Hunter-Killer"-Drohne mit einer Länge von 11 Metern, einer Spannbreite von 20 Metern und einem Bruttogewicht von 4,7 Tonnen (leer 1,7 Tonnen) kann in einer Höhe von 15 km und voll beladen 14 Stunden lang fliegen. Das UCAV fliegt nicht nur höher und schneller als der Predator, sondern kann auch mehr Waffen mit sich führen, beispielsweise 4 Hellfire-Raketen und 2 GBU-12 bzw. GBU-38-Bomben.

Am 1. Mai wurde mit der 432nd Wing die erste Einheit für Kampfdrohnen der U.S. Air Force eingerichtet. Sie wird bis 2010 mit 160 RQ-1 Predator und 60 MQ-9 Reaper ausgestattet. Jetzt sollen etwa 80 Predator und eine unbekannte Zahl – sechs und mehr – Reaper im Einsatz sein. Gelenkt werden die UCAVs auf der Creech Air Force Base in Nevada, Teams vor Ort sind zuständig für Start, Landung und Wartung.

Wie viele Reaper die amerikanische Luftwaffe nach Afghanistan bringt, ist nicht bekannt. Auch die Briten haben drei Reaper-Drohnen gekauft und wollen sie in Afghanistan einsetzen.

Zahlen belegen, dass die US-Luftwaffe in Afghanistan und im Irak verstärkt eingesetzt wird, um Ziele zu bombardieren. Auch hier handelt es sich oft um eine Grauzone zwischen militärischem Angriff und gezielter Tötung. Oft genug kommen durch die Bombardierung zahlreiche Zivilisten ums Leben oder werden verletzt. Mit Luftangriffen versucht das Pentagon einerseits gefährliche Einsätze auf dem Boden zu minimieren und andererseits werden im Unterschied zu Operationen am Boden viele Bombardierungen von den Medien nicht thematisiert. So wurden nach offiziellen Zahlen, die sich nicht überprüfen lassen, im ersten Halbjahr 437 Bomben und Raketen eingesetzt, fünf Mal so viel wie im ersten Halbjahr 2006. Dazu kommen Raketen, die von Hubschraubern abgeschossen werden, oder der Beschuss mit Bordkanonen beispielsweise von den "AC-130 gunships", was in den Statistiken nicht auftaucht.

Der USAF-Bericht für den 14 Juli eröffnet einen Einblick in den Luftkrieg. Amerikanische und britische Flugzeuge bieten offenbar zur Einschüchterung der Gegner zahlreiche "shows of force". In Afghanistan wurde eine feindliche Stellung in Garmsir mit 500-Pund-GBU-12-Bomben zerstört. F-15E-Kampfflugzeuge bombardierten ein Ziel mit GBU-38-Bomben – "mit gutem Resultat". Eine 2000-Pfund-GBU-31 wurde auf den Eingang einer Höhle abgeworfen. Insgesamt wurden in Afghanistan am 14. Juli 39 Einsätze geflogen. Im Irak wurden in der Umgebung von Bagdad Gebäude mit GBU-38- and GBU-31-Bomben zerstört. Mehrere 500-Pfund-GBU-12 wurden auf mutmaßliche Aufständische abgeworfen, die sich in einem Graben versteckt hatten. Ein Apache-Kampfhubschrauber beschoss mit Hellfire-Raketen ein verdächtiges Fahrzeug. In Bagdad wurde ein weiteres Haus mit GBU-38-Bomben zerstört. Insgesamt wurden von den Koalitionstruppen 68 Einsätze an diesem Tag geflogen.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25722/1.html
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