Auto-Rassismus oder korrekter Öko-Terror?

Thomas Pany 21.07.2007

Der Angriff auf einen Hummer in einem Washingtoner Vorort

Vor einigen Jahren wurde der Krieg gegen Autos noch vergleichsweise harmlos geführt. So gab es in München einen überzeugten Autogeher, der den umweltverschmutzenden Autos nicht gestatten wollte, dass sie sich ihm, der als Fußgänger ja keinen Schaden anrichtet, in den Weg stellen. Also lenkte der Mann seine Schritte schnurstracks über die geparkten Autos, was bei manchen Dellen auf Motorhaube und Dach verursacht haben soll. Der Fall machte einige Schlagzeilen nicht nur in der Lokalpresse, kam vor Gericht und wurde trotz Buch in der größeren Öffentlichkeit vergessen. Die Zeiten ändern sich; die Gewaltakte gegen Autos haben sich verschärft.

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Demonstriert wird dies seit längerem in den französischen Banlieues und auch hierzulande wird von zerstörerischen Akten an Autos, wie dem von Bild-Chefredakteur Diekmann, berichtet. "Umweltschutz"-Aspekte spielen bei diesen Aggressionen jedoch keine Rolle. Aus den USA wird jetzt aber ein Fall gemeldet, der neuere Kampfmethoden gegen Autos mit ökologischem Bewußtsein verbindet.

Die Botschaft ''FOR THE ENVIRON'' sollen die Straßenkämpfer an einem Hummer-Fahrzeug hinterlassen haben, den sie zuvor mit einem Baseballschläger und einer Machete bearbeitet hatten: Sachschaden etwa 12.000 Dollar, so die englische Zeitung Independent.

Nicht der erste Akt von Öko-Vandalismus, so die Zeitung, es gebe Fälle, bei denen ganze Geschäfte, die SUVs verkauften, in Brand gesetzt wurden. Das Besondere an dem Fall, so stellt sich heraus, ist, dass sich hier Schuld, Schaden und Sühne nicht so recht in Kategorien fügen wollen, die sonst bei Sachbeschädigung üblich sind. Einfacher gesagt: Es soll Leute in dem gehobenen Vorort von Washington, wo die Attacke passierte, geben, welche die Aggression nicht eindeutig verurteilen. Es ist nämlich anscheinend ein Vorort, in dem man mehrheitlich ökologisch bewusst leben, einkaufen und herumfahren will. Und das Hummer-SUV wirkt dort etwas deplaziert: "a 'ostentatious' car out of context".

Ein Leserbrief an die Washington Post, die wie viele andere Zeitungen in den USA von dem Fall berichtete, spricht aus, was der Besitzer des Hummers vielen seiner Nachbarn als Einstellung unterstellt: Es geschehe ihm irgendwie recht. Der Vandalismus gegen das Auto sei ein Vandalismus, der sich mit guten Gründen gegen einen anderen Vandalismus richte:

These pickups and SUVs wake us in the early hours and disturb peaceful weekend afternoons. On the road they create traffic hazards by restricting everyone else's visibility. Getting stuck next to them in traffic is a real delight, their tailpipes at the level of your windows, their windows cranked down to share their "music" and cigarette butts.
The primary purpose of these things is to annoy other people, to vandalize what remains of peaceful, quiet and pleasant surroundings. So, while I don't condone the vandalism reported in your story, I find it very hard to dredge up much sympathy for the victim.

Die Reaktion der Nachbarn würde ihn schockieren, gab der Besitzer des Hummers Journalisten gegenüber zu verstehen. Und ein Nachbar, Fahrer, eines ökologisch korrekten Prius setzt noch einen drauf:

It's ridiculous to be driving a Hummer.

The neighbours are not exactly coming around to sympathise. One woman, "a crackpot" says Mr Groves, kept walking back and forth telling anyone who would listen that she thought it was a good thing that the car had been vandalised. Another revealed that she has a T-shirt with a photograph of a Hummer with the word "Bummer" above it.

Die Frage, welche in diesem Fall nun erörtert wird, kennt man aus anderen Zusammenhängen. Sind Anschläge auf Autos, die über 15 Liter schlucken, die Umwelt in stärkerem Maße schädigen und die Autoproduktion auf der falschem Spur halten, bloße Hate-Crimes, Akte aus größeren Befreiungskriegen oder Terrorismus? Dass man für diesen besonderen Fall von Sachbeschädigung einen FBI-Beamten mit der Aufklärung beauftragt hat, zeigt, dass die Sache auch von höherer Stelle ernst genommen wird. Immerhin, so der erzürnte Hummer-Besitzer, stünden nach seinem Wissen auf derartige Akte bis zu 20 Jahre Gefängnis und Geldstrafen von 100.000 Dollar.

Vielleicht ist solche Abschreckung nötig, denn dem Hummer stehen in grünbewegten Zonen möglicherweise schwere Zeiten bevor. So erklärte der Hip Hopper Will.i.am, inspiriert vom Live Earth-Bewußtseinschub-Konzert (vgl. Popstars retten die Erde), er werde seinen umweltschädlichen Hummer in die Luft sprengen. Zwar modifizierte er vor kurzem seine Absicht - vielleicht weil seine Bomben-Idee in den USA die falschen Assoziationen weckte – doch viel besser ergeht es dem Fahrzeug dadurch nicht: Jetzt will er sein Hummer-SUV nur mehr "crashen und dann recyclen", was weniger nach dem Terror-Handwerk irakischer Guerillas klingt und irgendwie umweltfreundlicher, ein gewalttätiger Akt bleibt es trotzdem. Scheint fast so, als ob der Hummer dergleichen anzieht.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25774/1.html
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