Ferngesteuerte Kampfroboter im Dienst von Kriminellen

Florian Rötzer 29.07.2007

Australischer Polizeichef warnt davor, dass vor allem organisierte Banden in Zukunft verstärkt Hightech verwenden werden

Bislang werden ferngesteuerte Roboter auf der Erde, im Wasser oder in der Luft fast ausschließlich von staatlichen Sicherheitskräften eingesetzt. Allerdings hat die Hisbollah im Libanon-Krieg bereits, wenn auch erfolglos, demonstriert, dass dies nicht so bleiben muss, als sie mit Sprengstoff beladene Drohnen nach Israel schickte. Kaum vorstellbar wäre, wenn Terroristen, Kriminelle oder Amokläufer nicht mehr nur Autobomben, Raketen, Schusswaffen oder Sprengstoffgürtel, sondern auch Kampfroboter einsetzen würden.

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Politiker und Terrorexperten sprechen zwar von einer wachsenden Gefährdungslage auch für westliche Staaten, die von Menschen ausgeht, die heute pauschal als Terroristen bezeichnet werden und Anschläge aus politisch-religiösen Motiven planen. Am liebsten scheint man sich, einer Dramaturgie der Überbietung folgend, Anschläge mit biologischen, chemischen oder nuklearen Massenvernichtungswaffen vorzustellen, die bislang unvorstellbare oder ganz einfach neue Schrecken bewirken, auch wenn Terroristen und Amokläufer bislang weiterhin auf Sprengstoff und Schusswaffen setzen, also im Hinblick auf die schaurig-erhabene, ästhetisch faszinierende Imagination asymmetrisch primitive Mittel bevorzugen.

Doch die moderne Technik bietet auch, wie man an den so genannten Amokläufern sehen kann, die sich in einem finalen Spektakel mit möglichst vielen Opfern in den Tod stürzen, immer mehr Möglichkeiten, auch als Einzelner, der von persönlichen Motiven getrieben wird, großes Unheil anrichten zu können. Noch müssen Freiwillige gefunden, andere unter Druck gesetzt oder Verzweifelte in die Enge getrieben werden, um das eigene Leben für einen Anschlag einzusetzen oder zumindest zu riskieren. Auch wer ganz ohne suizidale Gedanken im Sinne der Selbstbehauptung nur Raubzüge oder Auftragsmorde ausführt, riskiert sein Leben oder auch seine Freiheit.

Mit ferngesteuerten oder schließlich auch autonomen Überwachungs- oder Kampfrobotern dürfte die Schwelle zum Angriff oder Anschlag erheblich sinken. Zu erwarten ist, dass die bislang für Militär und Sicherheitskräfte bestimmten Systeme nicht nur immer kleiner, handlicher und billiger, sondern auch auf dem (Schwarz)Markt angeboten werden. Einigermaßen technisch Kundige werden Späh- und Kampfroboter auch selbst bauen können. Drohnen oder Unterwasserroboter ließen sich beispielsweise auch als Drogenkuriere einsetzen, die bei Entdeckung zurückfeuern. Mit fernsteuerbaren Landrobotern ließen sich Wege über Grenzen erkunden oder ganz allgemein Routen und Orte auskundschaften. Und natürlich ließen sich autonome oder ferngesteuerte Kampfroboter einsetzen, um gefahrlos aus der Ferne Anschläge auszuführen.

Kürzlich warnte Mick Keeelty, der australische Chef der Bundespolizei, während einer Anhörung im australischen Parlament über die Zukunft der organisierten Kriminalität davor zu Recht, dass in Zukunft die Polizei mit einer auf Technik basierten Kriminalität konfrontiert werden könnte, für die man nicht gerüstet sei, weil sie bislang auch noch gar nicht wirklich bedacht wurde. Technisch bedingte Kriminalität würde "exponentiell" schnell wachsen und weit über Straftaten wie Betrügereien im Internet hinausgehen. Organisierte kriminelle Banden würden sich bekanntlich schnell neuen Techniken anpassen und diese für ihre Zwecke umfunktionieren. Und sie haben auch die Mittel, neue Techniken zu entwickeln, während die Polizei hinterherhinkt und sich stärker auf Experten aus der Privatwirtschaft stützen müsse, um diese Hightech-Kriminalität zu bekämpfen.

Keelty dürfte allerdings noch zu stark der Science Fiction verhaftet sein, wenn er ankündigt, dass organisierte Kriminelle geklonte Menschen, die teilweise Roboter sind, einsetzen werden und dass diese Terminators das "größte künftige Problem für die Polizei" darstellen. Nach den Erkenntnissen der Polizei, so Keelty, könnte man, auch wenn dies außerhalb von Australien in Ländern geschehe, die dies erlauben, "potenziell ein geklontes Wesen herstellen, das teils Mensch, teils Roboter ist". Realistischer ist schon, dass Kriminelle Roboter einsetzen werden, "die von Menschen so gesteuert werden, dass sie weit entfernt vom Schauplatz des Verbrechens sind". Er warnte, dass dies für die Polizei ein großes Problem darstellen werde.

Erstaunlich, dass die Möglichkeiten, die eigentlich schon für Terroristen und Kriminelle vorhanden sind – die Hisbollah hat als erste Terrorgruppe bereits Drohnen eingesetzt (Asymmetrische Kriege) -, von den Sicherheitspolitikern nicht diskutiert werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/25/25833/1.html
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