Gletscher gucken
Holidays on Ice: Die Grönlandreise der Kanzlerin, das Klima und der Wahn
Wann brechen die Dämme? Wann verwandeln die Fluten die Niederlande in ein Tauchparadies, schwemmen den Kölner Dom hinweg? Wann segeln wir auf der Schwäbischen Alb? Alles nur eine Frage der Zeit, die Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, das Klima ist da, die wilden Meere hupfen an Land, um noch die dicksten Dämme zu zerdrücken - die Frage ist nur wann und wie weit das Meer sich am Ende in die Höhe schwingt.
Doch die Rettung naht: Vom Himmel per Kanzlerjet hinabgestiegen ist nun St. Angela, die Heilige vom Damm, Schutzpatronin des Weltklimas und Kanzlerin der guten Deutschen. Nun weilt sie selbst im nicht mehr ganz so ewigen Eis, eine Frau, die in die Kälte ging, um - Ex-Physikerin, Ex-Umweltministerin - selber die Physik des Klimawandels zu erforschen, tätschelt dort die weichgewordenen Gletscher, knutscht die Eisberge, gibt den Grönländer Trost und die Hoffnung, dass ihr Land nicht immer gröner wird - im Schlepptau ihren Eisbärminister Sigmar Gabriel, der verzweifelt nach den Verwandten seines Freundes Knut Ausschau hält. Und wer bei diesem Anblick an Don Quixote und Sancho Pansa denkt - Gabriel ist ja auch Windmühlenminster -, der hat vielleicht gleich im mehrfachen Sinne recht, aber er muss ein schlechter Mensch sein.
Angie on the Rocks
Nein, man soll sich nicht lustig machen. Über das Klima und das Rauchverbot macht man keine Scherze im Land der Guten. Es ist ernst, fünf nach zwölf sozusagen. Also berichten wir ganz ernst vom neuesten Fototermin der Bunzkanzlerin und ihres Ernsthaftigkeitsministers Gabriel, einst noch - "Siggi Pop" - der "Popbeauftragte der SPD": Auf Einladung des dänischen Ministerpräsidenten Rassmussen will sie sich auf einer Informationsreise zwischen Kangerlussuaq und Ilulissat "persönlich über die Folgen des Klimawandels informieren".
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Dazu könnte sie zwar auch einfach mal die Berichte ihrer Referenten lesen oder den Weltklimareport der UNO, aber das ist natürlich ein viel zu kopflastiger Zugang. Merkel steht schließlich für weibliche Führung, sie muss also offenbar auf einer Dienstreise ins Tauwetter die drohende Katastrophe schon auch sinnlich und emotional nachempfinden. Man kann sich schon vorstellen wie Merkel dann nach dem Gletscher gucken erzählt: "Das hat mich unglaublich betroffen gemacht."
Vielleicht kommt sie dann zurück und packt die Dinge auch daheim mal klimapolitisch an, in Wolfsburg zum Beispiel, in Zuffenhausen oder in Sindelfingen.
Arktis und Geopolitik
Trotzdem bleiben Fragen offen: Warum hat Merkel nicht auch Landwirtschaftsminister Horst Seehofer mitgenommen? Wenn sich der Klimawandel weiter so entwickelt, könnte der den Grönländern wertvolle Tips geben. Und wie lautet eigentlich die persönliche Klimabilanz der Kanzlerin? Ein paar Tonnen CO2 dürfte der Kanzlerjet beim Flug schon verbraucht haben, mit Gabriel an Bord noch eine mehr.
Und schließlich die wichtigste Frage: Wird sie im hohen Norden auch Wladimir dem Schrecklichen Putin Paroli bieten? Denn jenseits der Klimasorgen bringt das schmelzende Eis natürlich auch neue Chancen: Plötzlich wird die Arktis geopolitisch interessant. Und wenn man das Abschmelzen schon nicht verhindern kann, dann beutet man wenigstens die Bodenschätze aus. Erst kürzlich hat ein russisches "Forscherteam" dort eine Fahne aufgepflanzt, derzeit ist eine dänische Expedition unterwegs. Rennt Angie mit beim Wettrennen zur Arktis? Oder bleibt es bei Klimasymbolpolitik? Heilige Angie, wir bitten für Dich!
http://www.heise.de/tp/artikel/25/25983/1.html- Wenn ich ein Gletscher wäre, hätte ich mich auch zurückgezogen! (20.8.2007 15:18)
- Nette Glosse (18.8.2007 14:06)
- Ohne Scheiss... (18.8.2007 1:39)
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