Ein Siebtel der Einträge in der britischen Gendatenbank ist falsch

Florian Rötzer 28.08.2007

Die britische Polizei hat die weltweit größte Gendatenbank und wahrscheinlich die fehlerhafteste, was die Glaubwürdigkeit der Genprofile untergräbt

Die britische Polizei hat die größte Gendatenbank der Welt, die in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurde. Mittlerweile enthält sie die Genprofile von 4 Millionen Menschen, mehr als 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. In jedem Jahr wächst die Datenbank um eine halbe Million weiterer Genprofile. Dabei handelt es sich nicht nur um die Gendaten von verurteilten Straftätern, sondern auch von denen, die einer Tat verdächtigt und festgenommen wurden, gegen die aber dann keine Anklage erhoben wurde.

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Auch bei teils trivialen Verstößen, beispielsweise im Sinne der ständig erweiterten Liste des "antisozialen Verhaltens", können Genprofile gemacht und gespeichert werden. Auch die Gendaten von 150.000 Kindern unter 16 Jahren finden sich in der Datenbank, auch hier handelt es sich keineswegs immer um Straftäter.

Die Begehrlichkeiten der Strafverfolger sind hoch. Das Innenministerium beabsichtigt, die Abnahme des genetischen Fingerabdrucks noch einmal massiv zu erweitern (Britisches Innenministerium will Gendatenbank massiv ausbauen). So würde man auch gerne durchsetzen, dass DNA-Proben von Verdächtigen, die nur kleiner Vergehen beschuldigt werden, neben Fotografien und Finger- und Fußabdrücken schon auf der Straße genommen werden können. Wer nicht angeschnallt mit dem Auto fährt oder Abfall auf die Straße wirft, könnte dann schon für immer in die Datenbank geraten. Der Zweck sei, so heißt es in einem Papier des Innenministeriums, damit besser Straftäter identifizieren und Datenbanken durchsuchen zu können.

Allerdings könnten die Sammelwut und das Vertrauen in die Korrektheit der Genprofile und der darüber bewerkstelligten Nachweise mit den neuesten Informationen einen Dämpfer erleiden. Um die 550.000 Namen in der Datenbank, so stellte sich nun heraus, sind falsch, falsch geschrieben oder fehlerhaft. Das macht immerhin Siebtel der gesamten Genprofile aus. Dabei handelt es sich nur um Kopien von DNA-Proben.

Der Grund ist offensichtlich auch die große Sammelwut, die die Polizisten, getrieben vom Innenministerium, betreiben. So werden DNA-Proben bei Festnahmen genommen, während die Namen der Festgenommen nicht überprüft oder in falscher Schreibweise eingegeben werden. Manchmal stimmen Namen und Genprofile nicht überein oder sind Genprofile unter dem Namen von Menschen registriert, die es gar nicht gibt.

Die Regierung musste nun sogar einräumen, nicht genau zu wissen, wie viele Einträge wirklich falsch sind, da von der Zählung nur die vorhandenen Kopien erfasst wurden. Es könnten also weitaus mehr sein. So sagte Meg Hillier, Staatssekretärin des Innenministeriums, dass die Zahl der Personen, deren Genprofil in der Datenbank ist, etwa um 13,7 Prozent niedriger sei als die Zahl gesamten Einträge. Man kann offensichtlich ohne Schuld mit seinem Genprofil auf Dauer in die Datenbanken gelangen, aber auch womöglich unschuldig darüber einer Straftat bezichtigt werden, weil Namen vertauscht oder Genprofile falsch zugeordnet wurden.

Es ist schlimm genug, dass wir eine Datenbank haben, die voll von Unschuldigen sind, die wegen keiner Straftat angeklagt wurden, die zu viele Kinder und einen zu großen Anteil an ethnischen Minderheiten enthält. Jetzt stellt sich heraus, dass wir auch die Genauigkeit der Daten nicht kennen.

Shami Chakrabarti, Direktorin der Bürgerrechtsorganisation Liberty

Das Innenministerium versichert, dass man nun hart daran arbeite, die Ungenauigkeiten zu beseitigen und die Genprofile mit den Fingerabdrücken abzugleichen, um die Identität der Personen zu überprüfen.

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26061/1.html
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