Vorsicht, das Internet wird überwacht!

Florian Rötzer 29.08.2007

Mit Cartoon-Polizisten, die immer mal wieder beim Surfen über den Bildschirm wandern, will die chinesische Polizei die Internetnutzer daran erinnern, dass ihr Verhalten beobachtet wird

Um Internetbenutzer von Online-Aktivitäten oder -Inhalten abzuschrecken, die der chinesischen Regierung unliebsam sind, werden ab 1. September virtuelle Polizisten in Form von Comicfiguren durch das gesamte chinesische Web auf Patrouille gehen oder zumindest so tun. Chinas Regierung überwacht teils mit Technik aus den westlichen Ländern das Internet und blockiert den Zugang zu Seiten im Ausland. Mit scharfen Strafen geht man gegen Blogger oder andere Autoren vor, die im Internet sich kritisch äußern. Und man geht gegen Glücksspiele, Pornographie und andere verbotene Tätigkeiten im Internet vor, um das Netz "sauber" zu halten und, wie sich der chinesische Präsident Hu Jintao ausdrückte, eine "gesunde Online-Kultur" zu schaffen.

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Erst vor wenigen Tagen wurde über die Staatsmedien mitgeteilt, dass mehr als 60 Personen festgenommen wurden, weil sie angeblich falsche Informationen und Gerüchte über das Internet oder mittels SMS verbreitet haben. Mit den neuen Kommunikationsmitteln sei die Verbreitung von Gerüchten gefährlicher, als wenn diese von Mund zu Mund weiter gegeben werden, sagte die Polizeibehörde der Provinz Jiangsu. Anfang August wurden über 300 Websites geschlossen, weil sie "extreme pornografische Erzählungen" veröffentlicht haben. Der Betreiber der angeblich bislang größten Porno-Site mit 9 Millionen Bildern wurde letztes zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt.

Letztes Jahr wurde das Polizistenpärchen, ein Mann und eine Frau, bereits von der Polizei in Shenzhen eingeführt und getestet. Wenn Internetbenutzer im Web surfen, begegnen ihnen diese virtuellen Polizisten, die sich dann über den Bildschirm des Benutzers bewegen und ihn darauf aufmerksam machen sollen, dass er nicht unbeobachtet ist.

Offiziell hieß von der Polizei in Shenzhen bei der Einführung, dass es zwar schon lange eine Internetpolizei gebe, aber man jetzt das Bild eines Internetpolizisten in Form eines Cartoons veröffentliche: "Der Zweck ist, alle Internetnutzer darauf hinzuweisen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und dass die Internetpolizei die Ordnung für das gesamte Online-Verhalten aufrechterhält."

Die Polizisten haben ihre eigene Webseiten - der Polizist Jingjing und die Polizistin Chacha. Dort gibt es jeweils einen Blog, die Möglichkeit, sich über Internetgesetze und verbotene Handlungen im Internet zu informieren, die Besucher können aber auch Fragen an die Polizisten stellen oder sich von ihnen beispielsweise über das Thema Sicherheit oder Schutz vor Viren informieren. Selbst chatten lässt sich mit den Polizisten.

Nachdem der Test offenbar erfolgreich verlief, wurde beschlossen, die virtuellen und animierten Polizisten landesweit im chinesischen Web einzuführen, um das Internet von "schädlichen Materialien und Informationen" zu säubern und "illegale Aktivitäten" zu bekämpfen. Nach dem Vizeminister für öffentliche Sicherheit, Zhang Xinfeng, haben Betrügereien, Pornographie und Glücksspiele "die gesunde Entwicklung des Internet" gefährdet, was vor allem den Kindern und Jugendlichen schade, aber auch die soziale Moral und Ordnung untergrabe. Weil die Betreiber der Portale und Websites zu wenig auf die Inhalte achten, sollen die Cartoon-Polizisten die Menschen daran erinnern, dass das chinesische Netz streng kontrolliert wird.

Offenbar fahren sie nun in einem Auto oder auf einem Motorrad bzw. laufen über den Bildschirm und mahnen die Benutzer in Form eines Textes, die Gesetze zu beachten, oder geben ihnen Sicherheitshinweise. Ähnlich wie bei den Shenzhen-Polizisten kann man durch Klicken auf die Webseite der Polizei gelangen und sich dort informieren oder Fragen stellen.

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26071/1.html
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