Teures Gemüse

30.08.2007

Supermarktkette verklagt Amateur-Rapper wegen Video auf eine Million Dollar Schadensersatz

Zwei Brüder aus New Jersey, die vergangene Woche ihre Teilzeit-Jobs in einem Supermarkt verloren, weil sie in dem Laden ein Rap-Video mit dem Titel "Produce Paradise" ("Gemüse-Paradies") gedreht haben, sind nun von ihrem ehemaligen Arbeitgeber auf Schadensersatz in Höhe von einer Million Dollar verklagt worden.

Das Management der Supermarktkette A&P behauptet, eine "angeekelte und erschütterte" Kundin habe sich beschwert und ob der in dem Video gezeigten "abstoßenden Handlungen" mit einem Boykott gegen die Firma gedroht. In der am 24. August gestellten Anklage fordert man von den beiden College-Studenten eine coole Million sowie die Entfernung des Videos sowohl von YouTube als auch von der Website der Rapper: Es enthalte "zahlreiche falsche und diffamierende Aussagen, die das Ansehen und die Existenzgrundlage von A&P verletzen". Zudem klagt man auf Verletzung der Schutzmarke, weil einer der Rapper eine Baseballkappe mit dem A&P-Logo trägt, was allerdings wegen der Unschärfe des Videos nur schwer zu erkennen ist.

Der Clip zeigt die Brüder Mark and Matthew D'Avella, die unter dem Bandnamen Fresh Beets firmieren, unter anderem dabei, wie sie sich gegenseitig mit Bündeln von Roter Beete in den Genitalbereich schlagen; an anderer Stelle stehen sie herum, während Bananen aus ihren Hosenschlitzen hängen. Einmal öffnet einer eine Salatpackung, leckt am Inhalt und stellt sie dann ins Regal zurück; ein andermal sieht es so aus, als würde er in eine Kiste voller Gemüse urinieren, begleitet von den Worten: "Don't come up to me acting all rude, because I won't be afraid to pee in your food" (allerdings gefolgt von der Zeile: "Don't be scared, child, I'm only teasing"). A&P wird im Text nirgendwo erwähnt, aber vorgeschnitten verpackte Fruchtstücke werden als "some nasty shit" bezeichnet. Der Rap gipfelt in dem Refrain:

"It's all about the produce, produce, we don't like to kid, it's the lower middle portion of the food pyramid."

"Fight the power", fordern die im Gegenzug die Angeklagten - das Video bleibt, bis es gerichtlich verboten wird. Gedreht worden sei außerhalb der Arbeitszeit und mit der Erlaubnis des Leiters der Gemüseabteilung der fraglichen A&P-Filiale, welcher der Vater der beiden Studenten ist; das Gemüse, mit dem sie hantieren, hätten sie von ihrem eigenen Geld in einem anderen Laden gekauft. "Wir veralbern doch bloß die Seltsamkeit dieser ganzen Gangsta Rap-Videos", sagt der 19jährige Matthew, der Kommunikationswissenschaft studiert und das Video als Studienarbeit produziert hat. Die "Kundin", die sich bei der Firmenzentrale beschwert habe, sei die Tochter einer Kollegin ihres Vaters gewesen, einer Buchhalterin, "die unsere Familie hasst". Die Beschwerdeführerin wohne nicht einmal vor Ort, sondern 35 Meilen entfernt, und es sei unwahrscheinlich, dass sie eine dreiviertel Stunde mit dem Auto fährt, um in genau diesem Laden Gemüse einzukaufen.

Um die Zahlung des Schadenersatzes abzuwenden, rufen die Rapper zum Gegenboykott auf: Sie haben die Möglichkeit geschaffen, direkt von ihrer Website aus eine Beschwerde an die klagende Firma zu senden. Nach ihren Angaben haben bis zum Morgen des 29. August bereits mehr als 600 Sympathisanten von diesem Feature Gebrauch gemacht. "Wenn sie Kunden verlieren, dann wohl eher wegen der Art, wie sie mit zwei Studenten umgehen", meint der 22jährige Mark D'Avella, der eine Schule für angehende Führungskräfte besucht. Das Video steht seit dem 6. August im Netz; die Zahl der Aufrufe stieg von etwa 200 am 13. August über 6.000 am 28. August auf mehr als 48.000 am Morgen des 30. August. Auch Trittbrettfahrer posten nun beziehungsreiche Clips und verstärken so den Promotion-Effekt. Ob die beiden die Million nun zahlen müssen oder nicht - gute Noten im Studium sollten auf jeden Fall für sie herausspringen. Musikalisch, textlich und visuell ist "Produce Paradise" übrigens ziemlich lahm.

Der Kläger, die Great Atlantic & Pacific Tea Corporation, betreibt 337 Supermärkte, größtenteils im Nordosten der USA, unter den Handelsnamen A&P, Waldbaum's, Super Fresh und The Food Emporium.

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