Vom Junk Food zum Junk Sleep

Florian Rötzer 31.08.2007

Teenager, die in platonischen Medienhöhlen hausen, schlafen manchmal nur noch vier Stunden

Die Kinder werden im Medien- und Internetzeitalter nicht nur angeblich immer dicker, sie schlafen auch immer weniger. Das wiederum lässt sie dicker werden, während sie in der Schule einschlafen und ihre Schulleistungen schlechter werden. Nach einer Umfrage des britischen Sleep Council werden die Schlafzeiten bei den Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren immer kürzer. Da sie nachts nicht mehr durchschlafen, legen sie kurze Schlafphasen ein, eben "junk sleep".

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Natürlich müssen auch Organisationen wie Sleep Council, die Interessensgemeinschaften sind, für schrille Töne sorgen, um gehört zu werden und Unterstützer zu finden. Die von der Organisation in Auftrag gegebene Umfrage ist wohl nicht repräsentativ. Zumindest verliert man darüber kein Wort. Es handelt sich um eine Online-Umfrage bei 1.000 Teenagern im Alter zwischen 12 und 16 Jahren. Aber vielleicht gibt sie doch einen gewissen Einblick in Lebensstile, die sich verändern.

Nach der Umfrage schlafen 30 Prozent der Teenager zwischen vier und sieben Stunden. 23 Prozent sagen, dass sie mehr als einmal in der Woche beim Fernsehschauen oder Musikhören einschlafen. Bestätigt wird, dass die Kinder mittlerweile in einer platonischen Medienhöhle hausen. 98,5 Prozent haben ein Handy, einen Fernseher oder eine Musikanlage in ihrem Zimmer, über zwei Drittel alles zusammen. 58 Prozent haben ein Telefon, einen Fernseher, eine Spielekonsole und eine Musikanlage in ihrem Schlafzimmer. Zwar sagen 19 Prozent, dass es nicht so gut für den Schlaf sei, den Fernseher oder den Computer anzulassen, aber wenn die Geräte nun schon mal da sind … Nur 10 Prozent würden sich Gedanken über die Qualität des Schlafes, die sie erhalten.

Immerhin geben nämlich 40 Prozent gleichzeitig zu, dass sie sich im Allgemeinen müde fühlen. Bei den Mädchen sind es sogar 50 Prozent. An den Wochenenden verschärft sich die Schlaflage der Teeanger noch einmal. 9 Prozent der 15-16-Jährigen sagen, sie würden dann gerade mal vier Stunden lang schlafen. Allerdings scheinen dabei nicht nur die Medien schuld zu sein, die die Schlafzeiten verkürzen. Über die Hälfte gibt auch an, dass sie sich Sorgen darum machen, was am nächsten Tag auf sie wartet, gleich ob es sich dabei um Schulprüfungen oder Beziehungsprobleme handelt. Diese Unsicherheit oder diese Quälereien wachsen mit zunehmendem Alter, wovon die Mädchen stärker betroffen sind als die Jungen. 54 Prozent der Mädchen im Alter zwischen 12-14 Jahren sagen, sie hätten Schlafschwierigkeiten, weil sie daran denken müssten, was sie am nächsten Tag zu tun haben, bei den 15-16-Jägrigen sind es schon 79 Prozent. Vielleicht kaschiert also die Mediennutzung nur die Angst vor dem Leben oder der Unsicherheit, die die gegenwärtige Gesellschaft schon für Teenager produziert?

Chris Idzikowski von der Edinburgh Sleep Centre, der für Sleep Council als Experte auftritt, sieht das offenbar anders. Für ihn müssten die Eltern einfach mehr darauf bestehen, dass das Licht rechtzeitig ausgeschaltet wird. Was darum herum los ist, spielt dann kein Problem mehr. Hauptsache man schläft die angeblich erforderlichen acht oder neuen Stunden. Und hat ein gutes Bett. Ein Viertel machte nämlich auch ihr Bett für ihre Schlafprobleme mit verantwortlich. Für Sleep Council ist der Hauptschuldige auch ausgemacht, es sind die von den Teenagern genutzten Unterhaltungsmedien, die einen schädlichen Einfluss auf die Länge und die Qualität des Schlafes ausüben. Sind Fernseher, Computer und Spielekonsole erstmal draußen, schläft der Jugendliche wieder entspannt das ihm verordnete Zeitpensum.

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26093/1.html
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