Das kurze Leben der Popstars

04.09.2007

Musiker werden nicht so alt wie der Rest der Bevölkerung, besonders kurz nach dem ersten Erfolg ist es nach einer Studie für sie gefährlich

In einer Gesellschaft, die von der Aufmerksamkeitsökonomie und den Medien beherrscht wird, sind Stars Karrierevorbilder. Casting-Shows demonstrieren, dass es jeder schaffen kann, wenn er nur will, dass der Weg nach oben zu Ruhm und Geld offen steht. Tatsächlich ist die Aufmerksamkeitsökonomie offener als die alte kapitalistische Gesellschaft, weil die das primäre Produktionsmittel die eigene Person ist. Allerdings hat das Drängeln auf die Bühne einen Nachteil.

Britische Wissenschaftler vom Centre for Public Health der Liverpool John Moores University haben zumindest bei Popstars in Europa und Nordamerika festgestellt, dass mit dem schnell Ruhm in frühen Jahren auch die Wahrscheinlichkeit eines frühen Todes ansteigt.

In ihrem Artikel "Elvis to Eminem: quantifying the price of fame through early mortality of European and North American rock and pop stars", der in der Oktoberausgabe des Journal of Epidemiology and Community Health erscheinen wird, berichten die Wissenschaftler, dass sie für ihre Studie die Daten von 1050 nordamerikanischen und europäischen Musiker und Sänger ausgewertet haben, die zwischen 1956 und 1999 berühmt geworden waren. Alle Musiker aus unterschiedlichen Richtungen hatten im Jahr 2000 Platten in den All Time Top 1000.

Die Wissenschaftler verglichen die Lebenserwartung der Bevölkerung im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Nationalität und ethnischer Abstammung mit dem Lebensalter, das die Popstars erreichten, nachdem ihre Platten in die Charts eingingen und sie berühmt wurden. Insgesamt 100 Musiker starben von den 1050 zwischen 1956 und 2005. Das durchschnittliche Todesalter lag bei den nordamerikanischen Musikern bei 42 Jahren, bei den europäischen nur bei 35 Jahren. Drogen oder Alkohol spielten bei 25 Prozent der Todesfälle eine Rolle.

Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung ist bei den Popstars die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch, einen frühen Tod zu finden. Das Risiko ist noch höher in den ersten fünf Jahren, nach Beginn ihres Erfolgs. Erst wenn sie 25 Jahre nach ihrem Durchbruch überlebt haben, gleicht sich bei den europäischen Musikern die Lebenserwartung der allgemeinen Bevölkerung an, die nordamerikanischen haben weiterhin eine höhere Todesrate.

Die Wissenschaftler raten der Musikbranche, die Drogen- und Gesundheitsrisiken ernster zu nehmen. Schließlich gehe es nicht nur um das Leben der Musiker selbst, da sie für viele Fans, vor allem für Jugendliche, Vorbilder sind. Stars sollten daran gehindert, für ein die Gesundheit schädliches Verhalten zu werben. Fragt sich nur, ob die Musiker noch so interessant sind, wenn sie ein gesundes Leben führen und ihre Fans auch dazu aufrufen. Exzessives Verhalten und Auftreten gehören schließlich oft mit zum Bild des erfolgreichen Rockstars.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (53 Beiträge) mehr...
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

Machteliten

Von der großen Illusion des pluralistischen Liberalismus

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.