Tödliche Baptistina
Eine Asteroiden-Kollision führte zum Massensterben
Vor 160 Millionen Jahren krachten zwei kosmische Brocken im Asteroidengürtel ineinander. Die gigantischen Bruchstücke schlugen wahrscheinlich über lange Zeit hinweg auf der Erde ein, ein besonders großer Meteorit traf vor 65 Millionen Jahren unseren Planeten und leitete eine Klimaveränderung ein, die den Dinosaurier den Tod brachte.
Nicht nur Majestix, der Häuptling eines von unbeugsamen Galliern bevölkerten Dorfes im Comic-Kosmos, fürchtet sich ständig davor, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Tatsächlich prasselt ständig kosmisches Material auf uns herab – nach Schätzungen ungefähr einhundert Tonnen täglich – aber das meiste verglüht in der Atmosphäre und nur wenige Geschosse schaffen es bis zur Erdoberfläche. Eine dieser begehrten Ausnahmen war in den letzten Jahren der Meteorit Neuschwanstein (vgl. Feuerkugel Neuschwanstein), um den zuletzt sogar ein juristisches Tauziehen entstand, das zu Gunsten des Finders ausging (vgl. Meteorit Neuschwanstein 3 gehört dem Finder). Aber was uns als Sternschnuppen in warmen Sommernächten entzückt, hat auch eine bedrohliche Seite. Große interplanetare Geschoße würden bei einem Einschlag auf Erden eine Katastrophe auslösen.
Was Hollywood zu Filmen wie Armageddon oder Deep Impact inspirierte, hat einen realen wissenschaftlichen Hintergrund. Ein riesiger Asteroid mit Kurs auf die Erde stellt eine reale Bedrohung dar und immer wieder warnen Experten davor. Zuletzt appellierte eine Gruppe ehemaliger Astronauten an die Vereinten Nationen für den entsprechenden Schutz der Erde zu sorgen (vgl. Forderung nach einem UN-Abkommen zur Abwehr von Asteroiden). Längst gibt es viele Pläne, wie Asteroide im Sturzflug auf die Erde zerstört oder abgelenkt werden könnten – einige davon sind ziemlich bizarr (vgl. Nepper, Schlepper, Asteoridenfänger).
![]() |
|
| Asteroiden-Einschlag auf der Erde. Bild: Don Davis/ Southwest Research Institute |
Mit Sicherheit sind in der Vergangenheit der Erde immer wieder sehr große interplanetare Objekte eingeschlagen. Ein gigantischer Krater findet sich im Golf von Mexiko: Der Chicxulub-Krater gilt als Beweis für den so genannten KT-Impakt (Kreide-Tertiär-Einschlag). Ob er singulär für das Massensterben vor 65 Millionen Jahren verantwortlich ist, das auch die Dinosaurier auslöschte, ist inzwischen umstritten. Eine Expertengruppe hält gigantische Vulkanausbrüche für den Auslöser der damaligen Klimaerwärmung, andere gehen von einer Vielzahl von Meteoriten-Impakts aus, oder von einer Kombination aus beidem (vgl. Viele Einschläge und ein Massensterben).
|
|
In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature stellt jetzt eine tschechisch-amerikanische Forschergruppe die Asteroidenfamilie um Baptistina (298) als Verdächtige vor. William Bottke und Kollegen vom Southwest Research Institute in Colorado und der Karls-Universität in Prag haben sich die Objekte des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter genau angesehen und sehr wahrscheinlich führte ein gigantischer Zusammenstoß vor etwa 160 Millionen Jahren, der dort stattfand, zu einem sehr lang andauernden Meteoritenbombardement auf der Erde (vgl. An asteroid breakup 160 Myr ago as the probable source of the K/T impactor).
Die Kombination von Beobachtungen und Modellrechungen ergab, dass die Asteroidenfamilie um Baptistina entstand, als ein Asteroid mit einem Durchmesser von 60 km in einen anderen mit 170 km Durchmesser rauschte. Es entstand ein Cluster von kleineren Objekten, von denen kurz nach der Kollision ungefähr 140.000 Fragmente größer als 1 km und 300 mehr als 10 km waren. Ein Teil der riesigen Bruchstücke löste sich aus der Familie und stürzte in Richtung Erde, die Berechnungen des Teams ergaben, dass ungefähr ein Fünftel der Trümmer mit einem Durchmesser von mehreren Kilometern sich auf diesen Weg machte und zu erdnahen Objekten, so genannten NEOs (Near Earth Objects), wurde. Ungefähr zwei Prozent dieser Objekte müssten dann als Meteoriten auf der Erde eingeschlagen sein. Ein Meteorschauer, der über eine sehr lange Zeit hinweg, ungefähr 100 Millionen Jahre, auf den Blauen Planeten einprasselte.
![]() |
|
| Kollision der beiden Asteroiden vor 160 Millionen Jahren, Illustration: Don Davis/ Southwest Research Institute |
Um ihre These zu untermauern, nahm das Team auch den Chicxulub-Krater nahe der Halbinsel Yucatan genau unter die Lupe. Es zeigte sich, dass der Meteorit, der dort seinen Abdruck in der Erdoberfläche hinterlassen hat, ein Chondrit (vgl. Wissenswertes über Meteorite) war, der von seiner Zusammensetzung aus der Baptistina-Familie stammen könnte. Die Computersimulationen der Forschergruppe ergaben, dass die Wahrscheinlichkeit bei 90 Prozent liegt, dass dieser Meteorit tatsächlich ein Produkt der Kollision vor 160 Millionen war.
Wahrscheinlich (zu 70 Prozent) gilt das auch für den Asteroiden, der auf dem Mond den Krater Tycho mit einem Durchmesser von 85 km schuf. Die Wahrscheinlichkeit ist etwas geringer, da über die Beschaffenheit des 108 Millionen Jahre alten Kraters nicht so viele Daten vorliegen.
Sicherlich wird die These, dass die Asteroidenfamilie um Baptistina für diese Einschläge verantwortlich ist, noch einige wissenschaftliche Diskussionen bringen. Interessant ist es aber in jedem Fall, die Vorgänge und speziell die Zusammenstöße im Asteroidengürtel genau zu beobachten, denn die Folgen könnten für uns verheerend sein. William Bottke zieht das Fazit: "Es ist wahrscheinlich, dass noch mehr Zerstörungsvorgänge im Asteroidengürtel auf irgendeine Weise mit Ereignissen auf der Erde, dem Mond und anderen Planeten zusammenhängen. Die Jagd hat begonnen!"
http://www.heise.de/tp/artikel/26/26133/1.html- Kiemen (13.9.2007 17:23)
- Nicht so schnell... (13.9.2007 17:05)
- komplett falsch abgebogen (11.9.2007 10:58)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.


