Virgin Galactic und der umweltfreundliche Weltraumflughafen

Florian Rötzer 07.09.2007

Norman Fosters Entwurf des ersten Flughafens für den Weltraumtourismus

Die Architekturfirma Foster + Partner hat en Wettbewerb für den ersten kommerziellen Weltraumflughafen gewonnen, der für Richard Bransons Virgin Galactic in der Mojave-Wüste. New Mexico, gebaut wird. Die vom global agierenden Stararchitekten Norman Foster geleitete Architekturfirma hat sich zum Ziel gesetzt, moderne Ästhetik mit Umweltverträglichkeit der Architektur zu verbinden.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Auch jetzt sollen das 198 Millionen US-Dollar teure Gebäude des Spaceport America umweltverträglich sein, von dem die kurzen Ausflüge in die Schwerelosigkeit ausgehen sollen, die Virgin Galactic anbieten will. Virgin Galactic hat es sich zum Ziel gesetzt, ab 2009 die ersten Flüge für 200.000 US-Dollar mit den Fahrzeugen vom Typ SpaceShipTwo in den Weltraum anzubieten und damit den Weltraumtourismus weiterzutreiben, der bereits mit den ersten teuren Flügen zur Internationalen Weltraumstation begonnen hat.

Wollte Virgin Galactic mit der Entscheidung für das ökologische Konzept die mit regelmäßigen Weltraumflügen doch erheblichen Umweltbelastungen etwa in Form des Treibhausgases CO2 wenigstens nach außen hin kompensieren? Erstaunlicher ist freilich, wie Foster and Partner den Bau für den Weltraumtourismus darstellen. Es soll nämlich ausgerechnet besonders wenig CO2 und andere Energie verbrauchen, um so den LEED Platinum Standard zu erreichen, mit dem die "grünsten" Gebäude ausgezeichnet werden. "Dieses technisch komplexe Gebäude", so schwärmt Foster, "wird nicht nur eine dramatische Erfahrung für die Astronauten und Besucher bieten, sondern auch ein ökologisch vorbildliches Modell für künftige Gebäude von Weltraumhäfen."

So grandios der Weltraumterminal entworfen ist, so schizophren erscheint es, ausgerechnet eine solche Anlage vorbildlich grün bauen zu wollen, die doch dazu dient, erhebliche Mengen an CO2 für touristische Zwecke von – zumindest vorerst – hinreichend Vermögenden in die Atmosphäre auch noch in großer Höhe abzugeben. Würden Weltraumfahrten mit dieser Technik tatsächlich einmal zum Massentourismus, dann würde die Energiebilanz natürlich noch viel schlechter ausfallen. So aber erhält die propagierte Anpassung an die Natur einen seltsamen Dreh: "Die tiefliegende Form ist in die Landschaft eingebettet, um die thermale Masse zu nutzen, die das Gebäude vor den Extremen des Klimas in New Mexiko schützen und gleichzeitig die Westwinde für die Belüftung einfangen. Das natürliche Licht tritt über Dachfenster ein. Eine verglaste Fassade gibt es für das Terminal-Gebäude, das so eine Plattform für den begehrten Ausblick auf die Startbahn bietet."

Während das Eingraben in den Wüstenboden Energie sparen soll, werden die beiden Flügel, die sich von der hohen und abgerundeten Glasfassade wie die Schwingen von Vögeln nach hinten ziehen, mit Steinen gefüllt sein, um die darüber mit solarbetriebenen Pumpen streichende Luft zu kühlen.

Das Gebäude ähnelt einem Stealt Bomber oder einem geköpften Vogel, der den Eindruck erweckt, sich gleich aus dem Wüstenboden erheben und abfliegen zu wollen. Für Foster soll die Form an ein Weltraumfahrzeug erinnern und irgendwie "das Drama und Geheimnis des Weltraumflugs selbst" darstellen.

Man will angeblich auch eine "Balance zwischen Zugänglichkeit und Privatsphäre" realisieren. Das soll offenbar dadurch geschehen, dass Besucher und Astronauten durch einen "tiefen, in die Landschaft eingeschnittenen Kanal" in das Gebäude gelangen, durch den sie also ein- und abtauchen, um dann in den Weltraum zu fliegen. Allerdings wird die behauptete Balance in den Entwürfen nicht wirklich nachvollziehbar und ist vielleicht nur ein Zugeständnis an den Zeitgeist. Und zudem will man die Wände des Kanals zu einer Ausstellungsfläche gestalten, in der die Geschichte der Region und ihrer Einwohner mit der Geschichte der Weltraumerkundung verbunden wird. Ob es dann auch um die blutige Geschichte der Kolonisation geht?

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26141/1.html
Kommentare lesen (28 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS