Rätselraten um israelischen Luftschlag in Syrien

12.09.2007

US-Quellen haben den Einsatz der israelischen Luftwaffe bestätigt und die Vermutung geäußert, dass Syrien von Nordkorea Atomwaffentechnologie gekauft haben könnte, während Fox News berichtet, Washington würde den diplomatischen Weg gegenüber Iran aufgeben und über Angriffspläne nachdenken

Am 6. September hatte die syrische Nachrichtenagentur SANA berichtet, israelische Kampfflugzeuge hätten in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag Munition im Norden in der Nähe der Grenze zum Irak abgeworfen. Die syrische Armee habe aufgrund der Verletzung des Luftraums auf die Flugzeuge geschossen und diese in die Flucht geschlagen. Die israelische Regierung reagierte nicht auf die Vorwürfe, denen sich aber auch die türkische Regierung anschloss, die monierte, dass die Flugzeuge im türkischen Grenzgebiet einen Treibstofftank hinterlassen hätten. Dabei handelt es sich vermutlich um einen Zusatztank, den die Piloten bei Gefahr abwerfen, um schneller fliegen zu können. Syrien hat gedroht, bei Zeiten auf den Vorfall zu reagieren, und nun offiziell auch bei den Vereinten Nationen Protest gegen diese "ungeheuerliche Verletzung" des Luftraums eingelegt. Die militärische Aktion wurde inzwischen auch von den USA bestätigt. Aber es ist weiterhin unklar, welchen Zweck diese hatte.

Offiziell hat Israel sich noch immer nicht zu dem Einsatz geäußert. Am letzten Donnerstag hatte die Luftwaffe abgestritten, dass israelische Flugzeuge in den syrischen Luftraum eingedrungen sind. Gegenüber CNN wurde von der US-Regierung und dem Pentagon bestätigt, dass Israel den Luftschlag ausgeführt habe. Man zeigte sich erfreut, dass Israel damit Syrien und Iran gezeigt habe, dass man in den Luftraum eindringen und wieder herausfliegen könne, wenn ein Luftangriff erforderlich werde. Andere Quellen berichteten, dass möglicherweise an der Aktion auch israelische Bodentruppen beteiligt gewesen seien, die den Luftangriff dirigiert hätten. Offenbar hat er aber nur ein großes Loch n der Wüste hinterlassen. Israel sei nach den Informanten "sehr glücklich" über den Erfolg der Aktion.

Befürchtet wird weiterhin, dass der Konflikt zwischen Syrien und Israel weiter eskalieren könnte. Aus welchem Grund der Luftwaffeneinsatz durchgeführt wurde, ist weiterhin schleierhaft. Vermutet wird, dass Israel möglicherweise einen Waffentransport für die Hisbollah aus dem Iran angreifen wollte. Nach einem Bericht soll Präsident Assad unter Druck stehen, auf den Vorfall mit einem Angriff auf ein israelisches Ziel zu reagieren. Angeblich sehen auch Wehrpflichtige eingezogen worden. Nach Auskunft der kuwaitischen Zeitung al-Jareeda habe Israel einen Waffentransport mit Raketen treffen wollen, der von Iran nach Syrien kommen sollte. Nach der arabischen Zeitung Assennara, die in Nazareth erscheint, hätten die Fluzeuge hingegen eine iranisch-syrische Raketenbasis angegriffen und zerstört.

Das Gerüchtekarussell beschleunigte sich nun aber, nachdem ein Informant aus der Bush-Regierung der New York Times berichtet hat, dass die israelische Luftwaffe in den letzten Tagen wiederholt Syrien überflogen habe, um nach Atomanlagen zu suchen. Israel vermute, dass Nordkorea Syrien und Iran mit Atomtechnologie beliefert haben könnte. Es sei allerdings nicht klar, ob etwas bei den Aufklärungsflügen gefunden wurde. Auch die israelischen Zeitungen rätseln über den Luftwaffeneinsatz, zumal die syrische Regierung sagt, es sei nichts getroffen und zerstört worden. Allerdings hat der syrische UN-Botschafter heute erklärt, dass sich die Regierung das Recht vorbehalte, auf den militärischen Angriff zu reagieren. Die Antwort sei noch nicht erfolgt, warnte er.

Möglicherweise verfolgen Israel und die USA auch die Absicht, Syrien und Iran zu warnen. So wurden gerade britischen Truppen aus Basra an die iranische Grenze verlegt, weil angeblich der Konflikt zwischen US-Truppen und iranischen Truppen sich zunehmend verschärft. Fox News berichtet hingegen, dass in Washington hektisch mögliche Angriffspläne auf den Iran ausgebrütet werden, nachdem die deutsche Regierung es letzte Woche abgelehnt hätte, weitere Sanktionen gegen den Iran zu unterstützen. Miglieder der US-Regierung seien darüber entsetzt gewesen und würden davon ausgehen, dass damit die diplomatischen Bemühungen am Ende seien.

Angeblich, so will Fox News aus den üblichen zuverlässlichen Quellen erfahren haben, würde nun Außenministerin Rice – vornehmlich von Cheney und Co. - unter Druck geraten, den diplomatischen Weg zu verlassen. Im Augenblick würde "jeder" darüber über die Vor- und Nachteile einer Intervention diskutieren, die in den nächsten 10 Monaten erfolgen könnte, also noch vor dem Ende der Präsidentschaft von Bush. Man denke etwa an Import- und Exportblockaden von Öl, aber auch an militärische Interventionen.

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