Greenbacks werden lila

24.09.2007

Die neuen Geldscheine der USA wurden zum ersten Mal exklusiv online vorgestellt - nun auch der Schein mit dem Abbild von Lincoln, der die ersten grünen Scheine drucken ließ

Warum muss die Wirtschaft wachsen? Laut der herkömmlichen Analyse: wegen der Zinsen. Die schlechte Nachricht für Umweltschützer, die darauf hinweisen, dass die Erde nicht ewig weiterwachsen kann: Man müsste die Zinsen abschaffen. Das dürfte aber nicht leicht sein.

Ray Charles benutzte in den 1950ern das Wort "greenback" für alle Geldscheine: "on a greenback / greenback dollar bill / just a little piece of paper / coated with chlorophyll".

Der Begriff "greenback" stammt aus der Zeit des Bürgerkriegs. Die Rückseite von Lincolns zinsfreien Geldscheinen war grün. Heute heißen alle US-Scheine im Volksmund "greenbacks", obwohl beide Seiten grün sind. Und sie sind keine zinsfreien "United States Notes", sondern "Federal Reserve Notes", also verzinste Geldscheine von Privatbanken, denn im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank und der Bundesbank ist die Federal Reserve trotz des (wohl bewusst irreführenden) Namen keine US-Bundesbehörde, sondern eine Privatbank.

Seit 2003 werden die Federal Reserve Notes farbig gestaltet, um sie fälschungssicherer zu machen. Nach den 10-, 20-, und 50-Dollarscheinen kommt nun der 5-Dollarschein dran - der mit dem Abbild von Lincoln. Der Lincoln-Schein ist allerdings der erste, der online vorgestellt wird.

Die Ironie an der Geschichte: Lincoln wollte die Noten der Privatbanken abschaffen, was zur Legendenbildung beigetragen hat. Man findet online oft die Behauptung, zwei US-Präsidenten hätten zinsfreies Geld in Umlauf gebracht. Abraham Lincoln hat in den 1860ern zinsfreie Scheine mit einer grünen Rückseite drucken lassen, um den Bürgerkrieg zu finanzieren. Hundert Jahre später sei dann John F. Kennedy seinem Beispiel gefolgt (auch wenn manche von Summen berichten, die gesetzlich nicht möglich wären - z.B. von 4,3 Milliarden USD, obwohl die Maximalsumme, die das Gesetz von 1862 erlaubt, bei 300 Millionen liegt). Für Verschwörungstheoretiker ein gefundenes Fressen, denn beide Präsidenten wurden danach ermordet. Wenn man also die Zinspolitik abschaffen will, wird man abgeknallt?

Das Gerücht, am Tag nach der Ermordung Kennedys hätte Präsident Johnson alle zinsfreien Scheine aus dem Verkehr gezogen, ist allerdings frei erfunden: bis zum 21. Januar 1971 wurden United States Notes gedruckt. Auch der Executive Order Kennedys ist alles andere als virtually unknown oder little known, sondern hier nachzulesen. Und es ist alles andere als klar, dass Kennedy das verzinste Geld der Federal Reserve abschaffen wollte. Eine andere Interpretation lautet, er wollte lediglich feststellen, dass die US-Regierung "Silberzertifikate" ausstellen darf.

Sicher ist aber eines: Auch die neue Fälschungssicherheit wird den freien Fall des US-Dollars nicht aufhalten. Da müssen sich die Privatbanker bei der Fed etwas anderes einfallen lassen.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige

Amok: Der ausschlaggebende Auslöser Antidepressiva?

Torsten Engelbrecht 12.09.2015

Der Psychiater David Healy zum "Medikamentenaspekt" des Amokflugs 4U95254 und bei Amokläufern

weiterlesen

"Independence Day: Wiederkehr": Zum Kern vorgedrungen

Warum man jeden neuen Emmerich-Film gesehen haben sollte

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.