Der Böse auf dem Planeten der Freiheit

Thomas Pany 25.09.2007

Ahmadinedschad in New York

Am 20. Juli 1969 um 4:18 p.m. (EDT) funkte der amerikanische Astronaut Neil Armstrong von Apollo 11 die berühmten Wort an die Bodenstation in Houston: "The Eagle has landed". Etwas später sprach er den noch viel berühmteren Satz: "That's one small step for (a) man; one giant leap for mankind". Gestern veröffentlichte die New Yorker Zeitung "Daily News" auf der Titelseite ein Foto des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad mit der Zeile "The Evil has landed" - und wurde damit schlagartig auch außerhalb der Vereinigten Staaten berühmt. Offen bleibt, ob dem Schritt, den der Böse auf dem Planeten der Freiheit machen durfte, als er gestern die Columbia-Universität betrat, später ebenfalls solch hoher Symbolwert zukommen wird, wie dem des Astronauten.

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Er ist nicht zum ersten Mal im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern schon zum dritten Mal. Doch diesmal scheint alles noch etwas schärfer, größer, krasser. Ahmadinedschad eignet sich, so scheint es, wie kein zweiter zur moralischen Selbstbefeuerung. Wie eine Figur aus einem Superhelden-Comic gibt er Anlass zu scharf konturierten, grell beleuchteten Szenen, die Texter und Bildschaffende erfreuen: schrille Schlagzeilen, Demonstranten mit "Hitler lives"-Schildern, Pfeifkonzerte, aufgebrachte Rufe aus Menschenmengen, die sich zum Protest versammelt haben. Ahmadinedschad ist der Superschurke, der die Welt bedroht. Fast scheint es, als ob man ihn auch in dieser Größe nötig hat.

Präsident Bush jedenfalls jubelte über die Größe Amerikas, die sich darin zeigt, dass derjenige, der in der veröffentlichten Meinung der USA auf dem besten Wege ist, Hitler und Saddam Hussein nachzufolgen, an einer Universität diskutieren darf. Wie groß man ihn dort macht, beweist die Eröffnungsrede Lee Bollingers, des Präsidenten der Columbia University, der ihn laut AP als "engstirnigen und grausamen Diktator" vorstellte. Nun kann man Ahmadinedschad tatsächlich viel vorwerfen – aber er ist ein gewählter Präsident, dessen Wahlsieg sogar die wenigsten erwartet hatten.

Man hätte die Realität nicht mit solch comichaften Überzeichnungen ausschmücken müssen, um den Repräsentanten Irans auf den Zahn zu fühlen. Die Diskussion mit Ahmadinedschad zeigte an Stellen, auf die der sonst gewandte Rhetoriker offensichtlich nur schlecht vorbereitet war, dass es auch auf seriöse Weise geht. Bei der Frage nach dem Umgang mit Homosexuellen in seinem Land etwa, bei der Ahmadinedschad schlichtweg das Problem leugnete und damit die schwächste aller Antworten gab, die den Ideologen entlarvt, der im Westen vor allen Dingen Dekadenz sieht. Das Phänomen Homosexualität gibt es in Iran nach Aussage des iranischen Präsidenten nämlich gar nicht:

Wir haben in Iran keine Homosexuellen wie ihr in eurem Land.

Nach Informationen der Jerusalem Post überlegen sich Politiker, ob man der Columbia-Universität Gelder entziehen soll, weil sie dem Bösen eine Bühne geboten hat. Wie anderswo hingewiesen wird, gibt es an der Universität ein Forum, zu dem führende Politiker aus aller Welt eingeladen werden. In diesem Rahmen erfolgte auch die Einladung an den iranischen Präsidenten.

Studenten, die sich auf eine politische Karriere vorbereiten, sollten sich an Personen schulen, die antithetisch zu ihren eigenen sind, so ein Kommentar. Und darin, dass diese Schule, diese Diskussionen möglich sind - da hat sogar Präsident Bush recht –, zeigen sich die Vorzüge der USA gegenüber dem Iran.

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26270/1.html
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