Burma: Sind Reporter, Bürgerjournalisten und Blogger Spitzel des Regimes?

04.10.2007

Das Militärregime schlägt die Opposition brutal nieder, kappt den freien Informationsfluss und verfolgt über Fotos und Videos Regimegegner

Das Militärregime in Burma scheint brutal gegen Mönche und Oppositionelle vorzugehen. Berichte, dass Hunderte von Menschen, vor allem Mönche, getötet wurden (Berichte von einem Massaker in Burma), scheinen sich zu bestätigen. Offenbar will das Regime vor allem die Mönche, die die Proteste in Gang gebracht haben und meist aus den unteren Schichten stammen, aus den Tempeln in den Städten beseitigen. Viele sollen gefangen genommen worden sein, um in Gefängnisse im Norden des Landes oder in Arbeitslagern eingesperrt zu werden. Viele Klöster seien bereits menschenleer, auf den Straßen seien Mönche kaum noch zu sehen. Viele versuchen zu fliehen.

Die Proteste aus dem Ausland scheinen das Militärregime wenig zu beeindrucken. Selbst in Anwesenheit des UN-Sonderbotschafters wurden Razzien und Kontrollen in den Städten verstärkt (Video). In der Nacht herrscht Ausgangsverbot und sind Kommandos unterwegs, um Menschen heimlich zu verschleppen. Angeblich sind bereits Tausende von Menschen verschwunden.

Am 27. September wurde der japanische Fotograf Kenji Nagai erschossen, als das Regime gegen die Protestierenden mit brutaler Gewalt vorzugehen begann

Noch immer aber scheint es zu friedlichem Widerstand zu kommen, gibt es Proteste oder versuchen unbewaffnete Menschen die Klöster zu umstellen und die Soldaten daran zu hindern, in sie einzudringen oder die Mönche zu verschleppen. Die Menschen wurden aber oft gewaltsam vertrieben, die Soldaten sollen dabei auch scharf geschossen und einige Menschen getötet haben. Mönche wurden auch von Menschen in ihren Häusern aufgenommen, um sie zu schützen. Doch die Soldaten scheinen auch hier Razzien zu machen.

Nach einem Brief von einem Burmesen werden, wenn versteckte Mönche entdeckt werden, auch die Menschen, die sie beherbergt haben, mitgenommen. Er berichtet auch von willkürlichen Gewaltakten oder von Festnahmen von Personen, die lediglich Zeugen von Gewalttaten der Militärs waren. Es stellt die Frage, ob die Mönche, die die Proteste begonnen und organisiert hatten, auch einen Plan B entwickelt hätten. Jeder in Burma würde jetzt darauf warten. Inzwischen beginne allerdings trotz der Repression wieder der Alltag in Rangun, auch wenn viele Menschen sicherheitshalber Zuhause blieben und Vorräte horteten. Seiner Ansicht hätten das Regime vorerst gewonnen:

Sie haben die Bereitschaft zu töten demonstriert, sie haben wirksam das Internet und den Großteil der Handy-Netze geschlossen, sie haben auch periodisch die Fenstnetze unterbrochen.

Von angeblichen Konflikten innerhalb des Militärregimes ist nichts mehr zu hören. Der Premierminister Soe Win, ein den Regimeführer loyaler General, ist an Leukämie gestorben. Er galt als "Schlächter von of Depayin", da er für ein Massaker im Jahr 2003 verantwortlich gemacht wird, bei dem Aung San Suu Kyi und ihr Konvoi angegriffen und mindetsens 100 Menschen getötet wurden. Das Regime wird der Tod von Soe Win nicht schwächen, die Macht des Staatschefs, General Than Shwe, dürfte dadurch eher noch stärker werden.

Wird der Protest durch die Fotos unterstützt – oder auch für die Machthaber zur Verfolgung dokumentier?

Durch das Abkappen des Internet dringen kaum mehr Berichte und Bilder nach außen. Wie berichtet wurde, haben Militärs auch systematisch Fahrzeuge und Personen nach Kameras durchsucht, um das Herstellen und Versenden von Bildern zu verhindern. Die ziemlich offenkundige Exekution des japanischen Fotografen Kenji Nagai dient auch dazu, ausländische Reporter einzuschüchtern. Mittlerweile sollen Militärfahrzeuge durch Rangun fahren. Aus den Lautsprechern kommt der Befehl: "Bleibt in den Häusern. Wir haben Fotos von den Menschen, die wir suchen. Wir werden sie festnehmen."

Das Regime kappt nicht nur den Informationsfluss und droht den Menschen, um die Macht zu sichern. Sie kann sich nun vielleicht auch der Fotos und Filme bedienen, die Reporter und Burmesen gemacht haben, die also zunächst auch dazu dienten, die Weltöffentlichkeit über Blogs und Medien zunächst auf die Proteste und dann auf deren brutale Niederschlagung aufmerksam zu machen.

Sollte dies der Fall sein und sollte das Militärregime tatsächlich aufgrund von Fotos und Filmen nach den Menschen suchen, die sich an den Protesten beteiligt haben, dann erhält die vielerorts gepriesene Öffentlichkeit, die durch die über Blogs und Medien verbreiteten Bilder hergestellt wurde, zumindest eine dunkle Seite. Man könnte auch sagen, dass die Verbreitung von Bildern, die in einem Gewaltregime kenntlich Protestierende zeigen und deren Gesichter nicht unkenntlich machen, bestenfalls naiv ist, aber womöglich auch den Sicherheitskräften die Arbeit abnimmt, um Oppositionelle zu identifizieren und zu jagen. Was möglicherweise zu einem Umbruch – einer "gelben Revolution" – beitragen könnte, wird fatal und zum unfreiwilligen Akt der Überwachung, wenn die Protestbewegung wie jetzt in Burma erbarmungslos zerschlagen werden kann, ohne dass es tatsächlich eine Hilfe von außen für die Betroffenen gibt.

Als die Proteste noch friedlich abliefen und das Regime noch nicht einschritt, waren Bilder von den Protestierenden noch kein Problem – oder hätten sie es schon sein sollen?

Allerdings scheint dies auch noch eine andere Seite zu haben, die ebenfalls erst in diesem Konflikt deutlich wurde, wenn auch in einem Land, in dem das Internet, Handys und Kameras noch nicht einmal allgegenwärtig sind. Wie Democratic Voice of Burma berichtet, hat das Militärregime eine Medienkampagne gestartet, um auch die "Bürgerjournalisten" zu identifizieren, die Bilder vom brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte gemacht und sie an ausländische Medien weiter gegeben haben. Staatliche Medien, Ministerien, Behörden und staatstreue Bürger werden aufgefordert, Fotos, die von diesen gemacht wurden, zur Verfolgung an die Geheimdienste weiter zu geben.

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