Milch und Honig durch den Klimawandel

06.10.2007

Ahmadinedschad will Israel nach Kanada oder Alaska verlegen

Waren es die neueren Prognosen eines noch rasanter als bisher geglaubt fortschreitenden Klimawandels, die den iranischen Präsidenten zu seinem neuesten Vorschlag trieben, den Judenstaat nach Kanada oder nach Alaska zu verlegen?

Am sogenannten "al-Kuds-Tag" gedenkt das iranische Regime seit 1979 des Verlusts von Jerusalem für die islamische Welt. "Das iranische Volk", so der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad gestern anlässlich dieser Feierlichkeiten, werde nicht eher ruhen, bis ganz Palästina "befreit" sei. Eher, so Ahmadinedschad, werde der Iran nicht "seine Hände von der Gurgel der Zionisten und ihrer Unterstützer nehmen". Dann rief Ahmadinedschad nicht nur zur "Befreiung von ganz Palästina" auf, sondern machte gleich noch einen Vorschlag, wohin man den derzeit dort befindlichen Staat Israel verlagern könnte: Nämlich nach Alaska oder Kanada. Dabei verwies er auf die Milliarden an Subventionen, die Israel von den USA erhält und mit denen sich seiner Ansicht nach auch ein neuer Staat aufbauen ließe.

Der bärtige Präsident zeigte sich schon öfter besorgt über Israel. Unlängst erst schlug er vor, den Staat nach Deutschland oder Österreich zu verlagern. Schon der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hatte angeregt, Israel nach Elsass-Lothringen zu verlegen: Da wisse man sowieso nicht recht, wem das eigentlich gehört. Dafür bekam er dann von Frankreich einen Atomdeal.

Auf lange Sicht dürfte Israel bei solch einer Verlagerung eher der Gewinner sein als die Araber: Während es nach aktuellen Klimaprognosen im Mittelmeerraum wesentlich trockener werden könnte, zeigt das Beispiel Grönland, wo potentiell mehr Zukunft liegt als im Nahen Osten. Auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen der zu Dänemark gehörigen Arktisinsel stieg die Produktivität in den letzten zehn Jahren ohne weiteres Zutun um 50%.

Zu den landwirtschaftlichen Vorteilen kommen die potentiell dort lagernden Energievorkommen: Vor allem unter dem Meeresboden werden Bodenschätze vermutet, deren Hebung erst durch den Klimawandel möglich und/oder wirtschaftlich wird.

Der Iran, dessen Energievorräte langsam zur Neige gehen, dürfte dagegen von der Erderwärmung nicht unbedingt profitieren. Berücksichtigt man dies, wirkt es geradezu selbstlos, dass Ahmadinedschad angesichts der zu einem guten Teil durch amerikanischen CO2-Ausstoß verursachten Erwärmung den Platz an der neuen "Frontier" nicht für sein eigenes Volk beansprucht, sondern großzügig gegenüber dem Judenstaat zurücksteht.

Dabei wird schon ein bereits bestehendes autonomes jüdisches Gebiet stark vom Klimawandel profitieren. Das 36 000 km² große Areal Birobidschan hat nur knapp 80.000 Einwohner, eine jiddischsprachige Zeitung ("Birobidschaner Schtern"), einen Radiosender und eine Synagoge, in der ein aus Israel eingewanderter Rabbi lehrt. Zwischen dem rohstoffreichen Sibirien und der neuen Wirtschaftsmacht China gelegen, erfüllt es eigentlich auch ohne Klimawandel alle Voraussetzungen, eine blühende Landschaft zu werden.

Birobidschan

Wie sollte Israel also auf dieses außergewöhnlich großzügige Angebot des iranischen Präsidenten reagieren? Die Regeln der Höflichkeit gebieten es eigentlich, dieses Filetstück des Klimawandels dem Anbieter zu überlassen und sich stattdessen mit etwas Bescheidenerem zu begnügen. Für eine Umsiedlung bietet sich zum Beispiel auch der albanische Siedlungsraum an, dessen überwiegend moslemische Bevölkerung kulturell und religiös gut mit den palästinensischen Arabern harmonieren dürfte. Die geografische Nähe der beiden Mittelmeeranrainer macht eine Umsiedlung per Schiff langfristig kostengünstiger als einen ständigen Nahostkrieg. Bei dieser Lösung wäre die Stadt Jerusalem wieder unter moslemischer Herrschaft - was auch islamische Eiferer überall in der Welt zufrieden stellen müsste - und Europa hätte sein "Silicon Valley" kontinental eingegliedert.

Albanien hatte im Jahre 2005 3.563.112 Einwohner - bis auf wenige Griechen und Roma alles Albaner. Hinzu kommen 1.9 Millionen Albaner im Kosovo. Serben und Roma wurden dort bis auf eine von französischen Soldaten geschützte Gruppe um Mitrovica fast vollständig vertrieben oder getötet. Insgesamt würde die umzusiedelnde Bevölkerung also knapp 5.5 Millionen Personen ausmachen. Die Bevölkerung Israels wurde im selben Jahr auf 7.167.000 Einwohner geschätzt, davon ungefähr fünfeinhalb Millionen Menschen jüdischen Glaubens.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt in Albanien 577.000 Hektar, in Israel 351.000 Hektar. Auf den ersten Blick ein Missverhältnis, das jedoch durch die bessere Qualität der israelischen Anbauflächen, die sich auch in einem höheren Exportertrag niederschlägt, mehr als ausgeglichen wird.

Das Bruttosozialprodukt pro Kopf lag in Albanien im Jahr 2005 bei ungefähr 2.570 $ und damit wesentlich näher beim palästinensischen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 1230 $ als das israelische in Höhe von 18.580 $. Diese Einkommensnivellierung dürfte die sozialen Spannungen im Nahen Osten wesentlich verringern.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (274 Beiträge) mehr...
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.