Balla-Balla 2.0

Ernst Corinth 07.10.2007

Das antisoziale Netzwerk NOSO sorgt für eine Vernetzungspause

Es wird getwittert, geyigged und gedigged, und manche machen auch mal aka-aki. Wer jetzt glaubt, wir sind nun endgültig auf Balla-Balla 2.0, der hat die Zeit verpennt. Und lebt womöglich, das soll es ja tatsächlich gegeben, völlig Web 2.0-abstinent, ist in wirklich keinem sozialen Netzwerk aktiv. Und wer soziales Netzwerk sagt, der meint natürlich nicht den Freundeskreis in der Kneipe um die Ecke, sondern einen Kreis von Friends oder Followers im Netz.

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Bild: Southern Exposure

Followers, die mir dann beispielsweise über Twitter am Samstagmittag just mitteilen, was sie gerade tun oder denken:

vorstellungsrunde ist vorbei. jetzt sessionplanung. schon lustig wie oft ich auf die tweets von gestern angesprochen wurde. #barcampmunich

#barcampmunich vorstellung personen um. Sessionsabstimmung läuft. Frühstück massenweise. Alle fröhlich +müde

berliner boheme präsentiert nike schuhe. frühstück gleich vorbei. #barcampmunich

In München ist also gleich auf dem dortigen Barcamp das Frühstück vorüber. Und wer nicht weiß, was ein Barcamp ist, dem ist in diesen modern vernetzten Zeiten auch nicht mehr zu helfen. Es sei denn mittels natürlich (!) Wikipedia:

BarCamp ist ein internationales Netzwerk von "Unkonferenzen" (offenen, partizipative Veranstaltungen, deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern bestimmt wird), zu Themen wie Webapplikationen in frühem Stadium, Open-Source-Technologien und Social Software.

Also schon wieder ein Netzwerk. Bei soviel vernetztem Herumwerkeln war es wohl allerhöchste Zeit für ein antisoziales Netzwerk wie NOSO. Gegründet wurde es im vergangenen März unter anderem von der amerikanischen Künstlergruppe Southern Exposure mit dem Ziel, den mittlerweile rund 1000 Teilnehmern mal eine Vernetzungspause zu gönnen. Es bietet also, heißt es auf der NOSO-Netzseite, die einmalige Chance eine Nicht-Verbindung auf einem Nicht-Event mit anderen Nicht-Freunden einzugehen.

The NOSO experience offers a unique opportunity to create NO Connections by scheduling NO Events with other NO Friends.

Bild: Southern Exposure

Klingt verrückt, aber funktioniert ganz einfach. Wer sich dort anmeldet, gibt in seinem Profil unter anderem an: wo er nicht lebt, was er nicht ist, welche Schule er nicht besucht und welchen Beruf er nicht hat. Danach entscheidet er sich für einen beliebigen Treffpunkt, veröffentlich auf der Netzseite die Adresse. Und dann kommt es dort zu der angegebenen Uhrzeit zu einem Nicht-Treffen mit Gleichgesinnten, um eben mal nicht miteinander zu reden.

Nach dieser Verschnaufpause vom Netz kehrt der vernetzte Mensch dann sofort in seine diversen sozialen Netzwerke zurück, um via Twitter beispielsweise zu erfahren, dass es inzwischen eine BarCamp Flickr-Group und eine BarCamp Ipernity-Group gibt. Und wer nicht weiß, was eine Ipernity-Group ist, der wird es auch hier jetzt NICHT erfahren. Wo sind wir denn?

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26355/1.html
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