"HALP! Therez LOLCats Evrywhare!"

Simon Rohling 02.11.2007

Das Internet ist um ein merkwürdiges Phänomen reicher: Mit hohem Süß-Faktor und putziger Grammatik erobern LOLCats das Web

Während über den Anteil sex-bezogenen Contents im Internet keine Einigkeit herrscht (zwischen 1 Prozent und 12%), besteht Anlass zu der Vermutung, dass der größte Teil des Web bald von einer sich rasant ausbreitenden Spezies bevölkert wird: LOLCats. Von ihren bescheidenen Anfängen in Messageboards haben die putzigen Kätzchen seit Anfang 2007 flott an Beliebtheit gewonnen. Nun soll sogar die Bibel in die LOLCat-Sprache, das "Kitty-Pidgin", übersetzt werden.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Tiere sind schon immer ein wichtiger Bestandteil des Internet gewesen und das gilt auch und besonders für Katzen. Flickr, YouTube und Co. bieten dem Katzenfreund eine Flut katzenbezogener Videos und Bilder. In Form der LOLCats erreicht die Internet-Katzenbegeisterung seit Anfang 2007 gänzlich neue Dimensionen.

Bei der typischen LOLCat handelt es sich um ein putziges Katzenfoto, ausgestattet mit einem grammatikalisch grenzwertigen Statement, welches beim unschuldigen Betrachter die Assoziation weckt, es stamme von der abgebildeten Katze selbst. Diese je nach Geschmack merkwürdige oder niedliche Sprache der LOLCat wird auch als "Kitty-Pidgin" bezeichnet, frei übersetzt soviel wie: "Kätzchen-Kauderwelsch". Das LOLCat-Idiom folgt dabei seinen ganz eigenen Gesetzen, einer Mischung aus Internet-Slang und Babysprache.

Die Ur-LOLCat aka as "Happycat"

"I can has cheezburger?"

Der genaue Ursprung der LOLCats liegt im Dunkeln, erste Gehversuche der Art lassen sich allerdings auf die sogenannten "Caturdays" auf einem Message-Board zurückführen, während derer von den Usern witzige Katzenbilder mit passenden Bildüberschriften gepostet wurden.

Zur LOLCat wurde die Spezies Anfang 2007 mit der Entwicklung des Kitty-Pidgin. Das possierliche Wesen auf dem Bild weiter oben ist so etwas wie die Ur-Lolcat und die Bemerkung "I can has cheezburger?" löste eine erste Welle von "I can has X"-LOLCats aus. Der Blog Icanhascheezburger.com ist daher auch die Adresse der Wahl für Kätzchenliebhaber. Die Seite aggregiert seit einigen Monaten die besten LOLCats und sorgt mittlerweile für 30% des Traffics des Blogbetreibers Wordpress.

Nach der "I can has X" Variante mutierten die LOLCats innerhalb kurzer Zeit und entwickelten unzählige weitere Verhaltensformen. So tauchte beispielsweise schon bald die "I eated X" sowie die "I’m in your X, doing Y" Variante auf.

LOLCat "eated" Variante

Letztere ist ein Hinweis auf die spezielle Internet-Geek Subkultur, in der Spezies wie die LOLCat entstehen. Das Originalzitat lautet "I’m in ur base, killing your d00dz" und ist ein Insider-Gag ausBlizzards Starcraft.

Fridge-Lolcat

Mittlerweile gibt es auch einige andere LOLSpezies, die sich des Kitty-Pidgin bedienen. Unter anderem LOLdogs, LOLhamsters, LOLPresidents und besonders das LOLrus, dessen epische Suche nach "Mah bucket" sich hier verfolgen lässt.

Eine wichtige Rolle spielt die Verwendung der LOLCats als "Makro". Ein Makro wird in Forumsdiskussionen verwendet, wie beispielsweise die "O RLY?" – Eule ("Dein Kommentar war SO vorhersehbar."). Ein typisches LOLCat Makro ist die "Serious-Cat", die in einer außer Rand und Band geratenen Forumsdiskussion zur Wiederherstellung einer gewissen Ordnung aufrufen soll (zu einer tieferen Betrachtung über die Bedeutung von Image-Makros geht es hier).

Bibelübersetzung ins Kitty-Pidgin

Internet-Memes wie die LOLCats tauchen sporadisch aus den Tiefen des Internet auf. Das Web funktioniert in dieser Hinsicht ein bisschen wie die globale Wirtschaft. Sobald ein "Tipping Point" erreicht ist, gibt es einen gewaltigen Hype, der die Kreativität unzähliger findiger Unternehmer stimuliert. Am Ende ist die Welt dann voller Eisenbahnen oder Internet-Firmen oder eben, um zurück zum Thema zu kommen, LOLCats.

Ein anderes bekanntes Internet-Meme dreht sich um den Satz "All your Base are belong to us", der im Intro des Sega Videospiels "Zero Wing" vorkommt und mit Begeisterung von der Web-Gemeinde aufgenommen wurde. Auch die StudiVZ-Gruppe "Schakkeline, komm wech von die Regale du Arsch" ist in gewisser Weise ein Internet-Meme und hat es mittlerweile immerhin zu einem eigenen Online-Shop gebracht.

Die LOLCats profitieren in diesem Zusammenhang von der generellen Niedlichkeit von Katzen, was vermutlich als Erklärung dafür herhalten kann, dass der LOLCat Hype bisher alles Dagewesene in den Schatten stellt. Neuerdings wird dem Kitty-Pidgin sogar eine ganz besondere Ehre zuteil: In Form eines LOLCat Bible Wiki soll die gesamte Bibel ins Kätzchen-Kauderwelsch übertragen werde. Kleiner Vorgeschmack gefällig? "He maded the skiez and da earths, but he did not eated it."

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26405/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS