Arm bleibt arm und arm bleibt dumm?

Thomas Pany 22.02.2008

US-Wissenschaftler: Armut ist Gift für das frühkindliche Gehirn

Armut schädigt das Gehirn von Kleinkindern. Das fanden amerikanische Neurologen heraus, die ihre Arbeit kürzlich bei einer Wissenschaftlertagung in Boston vorstellten.

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Nach Aussagen der Forscher, die angeblich von Studien mehrerer Universitäten untermauert werden, kann eine erhöhte Dosis von Stresshormonen zu beobachtbaren Entwicklungsstörungen im Gehirn von Kleinkindern zwischen 6 Monaten und drei Jahren führen. Kinder, die in sehr armen Verhältnissen aufwachsen, sind solchen Stresshormonen mehr ausgesetzt als andere.

Wie Martha Farah, Spezialistin für Zusammenhänge zwischen neuronaler Entwicklung und sozioökonomischem Status, erklärte, zeigen sich die stärksten Auswirkungen bei Sprachvermögen und Gedächtnisleistung. Gerade was das Gedächntnis anbelangt, sei man vom Grad der Auswirkungen böse überrascht worden. Die Fähigkeit, Muster wiederzuerkennen, sei ziemlich beeinträchtigt gewesen.

Man dürfe bei der Diskussion über die Rolle der Gene für die Intelligenz nicht die enorme Rolle vergessen, welche die Umgebung für die Entwicklung von Intelligenz spiele, mahnt Harvard-Professor Jack Shonkoff:

"Genes may fix your eye color, but not your intelligence, competence, and social well-being."

Laut Shonkoff haben Kinder mit einem hohen sozioökonomischen Status (zugrunde gelegt wird hier der amerikanische Maßstab "SES") im Alter von drei Jahren bereits ein fast dreifach größeres Vokabular als Kinder aus sehr armen Verhältnissen. Nach seinen Forschungen sind Kinder aus diesen Verhältnissen mehr als die anderen "toxischem Stress" ausgesetzt. Höhere Dosen von Stresshormonen würden den Aufbau von wichtigen Synapsen hemmen und damit die "Architektur des Gehirns" schädigen.

Demgegenüber bestätigten Untersuchungen von Neuologen der Universität von Oregon, dass staatliche Unterstützungsprogramme für Eltern "mit schwachen sozioökonomischen Hintergrund" nachweislich helfen können. Kinder, deren Eltern Kommunikationsschulung bekamen, zeigten gegenüber einer Kontrollgruppe, deutlich verbesserte Fähigkeiten beim Spracherwerb und Gedächtnisleistungen.

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26406/1.html
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