Umstellung von Sommer- auf Winterzeit

22.10.2007

Während in Deutschland die Umstellung nicht den Energieverbrauch senkt, werden in Großbritannien dadurch nach einer Studie Millionen zusätzliche Tonnen CO2-Emissionen verursacht

Die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit ist umstritten. Sie wurde auch auf dem Hintergrund der Ölkrise eingeführt mit der Begründung, dass damit Energie eingespart würde. Die EU hat die Daten für die Umstellung 2002 durch eine Richtlinie zur Regelung der Sommerzeit vereinheitlicht: Beginn ist der letzte Sonntag im März und Ende der letzte Sonntag im Oktober. In einer Anfrage der FDP an die Bundesregierung hatte diese 2005 geantwortet, dass die Umstellung im Hinblick auf den Energieverbrauch keine Vorteile biete. Die Einsparung an Strom für Beleuchtung werde "durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert".

Die ursprünglich von dem Briten William Willett 1907 vorgeschlagene Einführung der Sommerzeit ( The Waste of Daylight) sollte der Einsparung von Strom dienen. Begonnen hat mit der Zeitumstellung allerdings 1916 zuerst Deutschland.

Elizabeth Garnsey vom Institute for Manufacturing der Cambridge University hat ausgerechnet, dass die Umstellung auf die Winterzeit in Großbritannien nicht nur den Briten viele Millionen Pfund kostet, sondern, weil 5 Prozent mehr Elektrizität verbraucht wird, auch die Emission von zusätzlichen Millionen Tonnen CO2 verursacht. Seit Einführung der Sommerzeit 1971 habe dies 46 Millionen Tonnen zusätzliche CO2-Emissionen verursacht. Überdies würde die Beibehaltung der BST (British Summer Time) in Großbritannien die Zahl der Verkehrsunfälle reduzieren. Garnsey schätzt, dass es ohne Zeitumstellung 104 Tote und 450 Schwerverletzte weniger geben und der National Health Service 200 Millionen Pfund im Jahr einsparen könnte, da weniger im Dunklen gefahren würde.

Bei der Umstellung auf die Winterzeit schlafen 35 Prozent der Briten noch, weswegen sie im Winter das zusätzliche Tageslicht nicht nutzen, dafür kommen sie aber früher von der Schule oder Arbeit nach Hause und verbrauchen dadurch mehr Energie für Licht und Heizung, vor allem zwischen 16 und 18 Uhr. Die so entstehenden Belastungsspitzen könnten in Großbritannien angeblich nur durch Kraftwerke ausgeglichen werden, die mit Öl geheizt werden und mehr Zeit zum Anfahren und Abkühlen als effizientere Kraftwerke benötigen.

Letztes Jahr ist der Gesetzesvorschlag Lighter Evenings Experiment Bill im Parlament gescheitert, nachdem für eine Probezeit von drei Jahren eine "doppelte Sommerzeit" eingeführt hätte werden sollen. Um Abends länger Tageslicht zu haben, sollte von der britischen Sommerzeit (UTC bzw. GMT +1) nicht mehr auf die Winterzeit (UTC) umgestellt werden. Im darauffolgenden Sommer wäre die Sommerzeit dann UTC +2, im Winter würde man auf UTC +1 zurückstellen. Damit hätte man auch eine Angleichung an die meisten EU-Staaten erzielt. Allerdings würde es dadurch im Norden Englands, in Schottland und Nordirland, wie Kritiker einwandten, im Winter länger am Morgen dunkel bleiben. Ein ähnlicher Gesetzesvorschlag wurde erneut ins Unterhaus eingereicht, dabei wurde wieder auf die Vorteile von Energieeinsparung und weniger Unfällen, aber auch auf sinkende Kriminalität, mehr Tourismus, gesundheitliche Vorteile und mehr Freizeit bei Tageslicht hingewiesen. Eingespart werden könnten jährlich 170.000 Tonnen CO2.

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