Der unendliche Dschalabi

Thomas Pany 30.10.2007

Wiederaufbau mit Ahmed: Der einstmalige, später in Ungnade gefallene Günstling des Pentagon hat einen neuen, wichtigen Posten im Irak

Sein Werdegang im Irak dürfte längst einen Scriptwriter in Hollywood interessieren. An Ahmed Dschalabis Schicksal lässt sich der Aufstieg und der Niedergang amerikanischer Illusionen im Irak zeigen - und neue Hoffungen. Gingen die ersten, heillos optimistischen Pläne zur Gestaltung des neuen Iraks, in denen Ahmed Dschalabi eine tragende Rolle als eine Art aufgeklärter benevolenter Interimsführer zukam, noch von einem blühendem Beispiel für Demokratie im Nahen Osten aus, das sich auf die ganze Region ausbreiten sollte, so erzählt die Gegenwart bekanntlich die ganze andere, leider düstere Geschichte von Chaos und unaufhörlichen Konflikten im Irak. Und doch, für manche hört die Hoffnung nicht auf, z.B. für den ehemaligen Dauphin von Pentagons Gnaden, Dschalabi.

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Nach seinem tiefen Fall (vgl. Der Irak-Bazi) – die USA witterten in ihm sogar einen iranischen Spion –, entdeckte der zurückgekehrte Exiliraker Dschalabi seine schiitischen und irakischen Wurzeln, seinen Patriotismus für die alte und neue Heimat. Zwar hatte er starke politische Gegenspieler im Irak, die ihm auch zusetzten, nachdem die Amerikaner ihre schützende Hand über den ehemaligen Günstling entfernt hatten, aber es gelang Dschalabi offensichtlich im Hintergrund weiter an seiner Karriere zu arbeiten und vorzugsweise in Kreisen schiitischer Politiker einiges an Glaubwürdigkeit und Ansehen zu erwerben.

Lange Zeit war es still um den Politiker mit der bewegten Vergangenheit. Nun wird das Stehaufmännchen zurück gemeldet - "back in Action", so das Journalistenbüro McClatchy am Sonntag. Er soll – nicht untypisch - mit einer zentralen Aufgabe betraut sein: die irakischen Behörden dazu anhalten, die Gunst der Stunde, sprich eine zur Zeit bessere Sicherheitslage in Bagdad, zu nutzen, um die Versorgung der Stadtviertel mit Strom, Gesundheitsinfrastruktur und Schulen zu verbessern.

Dschalabi hat es also erneut geschafft, sich Vertrauen sowohl bei US-Vertretern wie bei irakischen Regierungsvertretern zu erwerben. Er macht wieder Eindruck; Dschalabi soll sich demnach den Irakern mit wachsendem Erfolg als nationaler Anwalt für ihre alltäglichen Sorgen präsentieren können.

..Dschalabi bewährte sich als unverwüstlicher Politiker seit seinen Anfängen im Irak und die Iraker verlangen dringend nach jemanden, der die Regierung dazu bringt, ihnen zu helfen.

Nancy A. Youssef

Premierminister Maliki selbst soll Dschalabi Anfang des Monats als Chef eines Komittees berufen haben, das mithilfe von acht Ministerien und der Bagdader Städteverwaltung die Versorgung der Hauptstadt mit dem Nötigsten (Wasser, Strom, Gesundheitsversorgung u.a.) deutlich verbessern soll – Kernstück der Surge-Strategie der Amerikaner, für die General Petraeus, der sich für eine Konzentration auf lokale Brennpunkte einsetzt (vgl. Relax und Ruhe!), steht. Petraeus-Sprecher Boylan äußert sich denn auch gut über den Mann auf der irakischen Seite: Dschalabi sei ein "wichtiger Teil des Prozesses" und habe "eine Menge Energie". Klingt nach einem Versprechen, ganz wie früher..

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26514/1.html
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