Schutzkleidung für Taser-Waffen

05.11.2007

Da Elektroschockwaffen sich verbreiten, wird nun auch an Abwehrmaßnahmen gearbeitet

Da sich Elektroschockwaffen, wie sie etwa Taser herstellt, bei Sicherheitskräften und auf dem Markt – egal ob legal oder nicht - weiter verbreiten werden, dürfte auch die Wahrscheinlichkeit zunehmen, Opfer von diesen zu werden. Sie werden nicht nur zur Selbstverteidigung verwendet und um den Einsatz von Schusswaffen zu vermeiden, sondern können auch zum Strafen, Demütigen, Quälen oder als Waffen für kriminelle Zwecke verwendet werden. Höchste Zeit also, in die Rüstungsspirale auch für nichttödliche Waffen einzusteigen und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Aus einem Werbefilm von Taser

Schon 2005 hat mit kluger Voraussicht ein Amerikaner einen Patentantrag zu einem Schutz vor "Energiewaffen" eingereicht. Am 23 Oktober wurde ihm das Patent nun vom US-Patentamt gewährt. Dabei geht es um den Schutz eines "potenziellen lebenden Opfers" durch einen dreischichtigen Stoff. Außen befindet sich ein flexibles, elektrisch nichtleitendes Material, in der Mitte befindet sich eine Strom leitende Schicht, gefolgt wiederum von einer nichtleitenden Schutzschicht.

Dieser Schutzmantel soll die von den Elektroschockwaffen ausgehenden Stromschläge ablenken, gleich ob sie diese direkt wie bei einer "stun gun" oder über Distanz über Drähte wie bei den Taser-Waffen auf den Körper leiten. Der Strom wird von der Außenschicht des Schutzmaterials an die mittlere Schicht weitergeleitet, die den Stromkreis schließt. Die innere nichtleitende Schutzschicht soll den Körper vor den Stromschlägen sichern. Das Material kann für alle möglichen Westen und schusssichere Kleidung verwendet werden, stellt sich der Erfinder vor. Es geht auch davon aus, dass die Sicherheitskräfte, bislang nur durch Schilde, Westen oder Helme vor Schüssen, Stichen, Steinwürfen und Schlägen geschützt, zunehmend mit Elektroschockwaffen angegriffen werden könnten.

Ob ein solches Schutzmaterial auch vor "Kugeln" wie der von Taser entwickelten XREP-Munition (Wireless eXtended Range Electronic Projectile) ohne zusätzliche Schutzweste ebenfalls schützen soll, geht aus der Patentschrift nicht hervor. 2005 gab es diese Munition noch nicht, die Taser 2008 auf den Markt bringen will und die eine Reichweite von über 30 m haben soll. Die Munition wird von einem normalen Gewehr abgefeuert und dringt mit vier Metallspitzen, die als Elektroden dienen, in die Haut des Opfers ein. Das geschieht mit einer gewissen Wucht und soll "einen gewissen Schmerz" bewirken. Mit ihrem Gewicht von wenigen Gramm dürften die Kugeln allerdings keine große Durchschlagkraft besitzen.

Die XREP-Munition soll 2008 auf den Markt kommen. Bild: Taser

Als "innovativ" wird daran von Taser beschrieben, dass Menschen, die von einer Kugel getroffen werden, normalerweise an die schmerzende Stelle greifen. Damit würden sie aber mit der Hand den Stromkreis schließen, der nun noch effektiver sei, weil er durch einen größeren Teil des Körpers fließt. Auch wenn die Elektroden an der Spitze nicht in die Haut eindringen, könnte mit der reflexhaft reagierenden Hand der Stromkreis geschlossen werden. Ein in die Kugel ebenso wie die Batterie eingebauter Mikroprozessor kontrolliert die Elektroden und optimiert die Abgabe der Stromschläge innerhalb eines Zeitraums von 20 Sekunden.

Allerdings müssten sich Kriminelle – oder auch Sicherheitskräfte – nicht notwendigerweise daran halten, dass Elektroschockwaffen nur eine hohe Spannung (50.000 Volt), aber eine niedrige Stromstärke aufweisen, so dass sie nur lähmen und Schmerzen zufügen, aber nicht töten. Solange die Elektroschockwaffen, die ja von Sicherheitskräften als nichttödliche Waffen zur Vermeidung von gefährlichen und tödlichen Schussverletzungen eingesetzt werden, würde eine Schutzweste auch dann den Strom ableiten, wenn die Elektroden in die Haut eingedrungen sind, weil dieser dem Weg des geringsten Widerstand folgt und so in der leitenden mittleren Schicht des Stoffs bleibt.

Aus einem Werbefilm für Thor Shield von G2

Dem glücklichen Patenteigner ist allerdings eine Firma zuvorgekommen. G2 Consulting bietet mit Thor Shield (TS) seit letztem Jahr einen Polyester-Stoff an, der "hundertprozentig" vor nichttödlichen Elektroschockwaffen und Mikrowellenwaffen schützen soll. Man habe dies bis zu einer Spannung von 900.000 Volt getestet. Den Stoff könne mit jeder Art der Bekleidung und Schutzausrüstung verwenden, angeboten wird er nur dem Militär und staatlichen Sicherheitskräften in zwei Varianten: Heavy Protection (HP) und Light Protection (LP). Auf einem Video wird mit Versuchspersonen, die entsprechende Westen, Mützen, T-Shirts oder Handschuhe tragen, demonstriert, dass das Material die Menschen wirksam zu schützen scheint.

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