Sprich, Gedächtnis, lüge!
Wo die falschen Erinnerungen sitzen
Unser Gedächtnis ist nicht sehr verlässlich und kann uns in peinliche Situationen bringen. Jeder dürfte den irritierenden Moment kennen, wo man sich über eine Erinnerung ganz sicher ist und der faktische Gegenbeweis vorgelegt wird. Und trotzdem erscheint uns die Erinnerung noch immer als richtig. Warum das so ist, dem sind nun Forscher aus den USA und Südkorea auf die Spur gekommen.
Wie sicher wir uns an etwas erinnern, hängt davon ab, in welcher Gehirnregion unsere Erinnerungen gespeichert werden. Die Informationsverarbeitung von Gedächtnisinhalten geschieht in zwei spezifischen Regionen, jede der beiden konzentriert sich dabei auf verschiedene Aspekte. So werden spezifische Fakten eines Ereignisses im medialen Temporallappen (MTL) des Gehirns, wo auch der Hippokampus sitzt, abgelegt, während das diffusere "große Ganze" in der frontalen Parietalregion (FPN) abgespeichert wird.
Roberto Cabeza, ein Neurowissenschaftler von der Duke University in Durham, und sein südkoreanischer Kollege Hongkeun Kim von der Daego University haben mittels funktioneller Kernspintomographie elf Personen beim Abspeichern und Erinnern zugesehen. Die Versuchspersonen sollten Listen von Wörtern lesen, die einer Kategorie zugehörten, etwa "Tiere auf dem Bauernhof". Später wurden sie dann danach gefragt, ob bestimmte Wörter in der Liste vorkamen und wie sicher sie sich in ihren Antworten sind. Währenddessen wurde beobachtet, wie intensiv bestimmte Hirnregionen durchblutet wurden.
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Die Ergebnisse von Cabezas und Kims Arbeit werden aktuell im Fachmagazin "The Journal of Neuroscience" veröffentlicht: Wenn die Versuchspersonen Vertrauen in ihr Gedächtnis hatten und ihre Antworten tatsächlich richtig waren, so verzeichneten die Instrumente größere Aktivität im medialen Temporallappen. Bei 20% der Teilnehmer waren die Antworten aber falsch, obwohl sie sich ganz sicher waren. Bei ihnen zeigte die frontale Parietalregion Aktivität an.
Das Gedächtnis in dieser Region, so Cabeza, arbeite mit einer Art von "Vertrautheit"; man könne sich zwar nicht an spezielle Details erinnern, aber sei sich sicher, dass da etwas war. Jeder kennt diese Art der Erinnerung am klassischen Beispiel von Personen, von denen man sich sicher ist, dass man sie schon einmal getroffen hat, deren Namen man aber ebenso vergessen hat, wie Ort oder Umstände der Begegnung. Eigentlich eine Art "leeres Gefühl", erklärt Cabeza, "Im Fall von echten Erinnerungen kann das Gedächtnis echte Details liefern."
(...)the MTL, with its wealth of specific details, would make the memory seem more vivid. For example, thinking about your breakfast this morning, you remember what you had, the taste of the food, the people you were with. The added richness of these details makes one more confident about the memory’s truth.
Die Wissenschaftler versprechen sich von ihren Ergebnissen Hilfe bei der Früherkennung der Alzheimer-Krankheit, wo Defizite in beiden Gehirnregionen beobachtet werden, - und unter Umständen vor Gericht, wenn es darum geht, zu unterscheiden, welchen Glaubwürdigkeit die Erinnerung von Zeugen hat. Ob das Scannen von Gehirnregionen für solchen komplexen Fragen allerdings immer deutliche Antworten liefern kann, bleibt jedoch umstritten. Cabeza weist in diesem Zusammenhang auf ein Phänomen hin, das für trügerische Antworten sorgen kann: die Speicherung von falschen Details im medialen Temporallappen. Etwa wenn man eine Person verwechselt und "Hans" schon lange zu kennen meint, obwohl er Werner ist. Zum Glück sei diese Phantom-Erinnerung aber sehr selten.
http://www.heise.de/tp/artikel/26/26565/1.html- re: falsch (8.11.2007 0:52)
- falsch (7.11.2007 23:32)
- Dann brech doch am besten gleich noch ne Lanze (7.11.2007 23:14)
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