Der ultimative Touristenführer für die "Green Zone"
Das US-Militär hat einen etwas skurrilen Führer für die Sehenswürdigkeiten der Sicherheitszone in Bagdad veröffentlicht
Angeblich sind die Angriffe und Anschläge im Irak stark zurückgegangen, auch wenn 2007 für die US-Soldaten seit dem Einmarsch 2003 das tödlichste Jahr ist. Wie viele Touristen Bagdad besuchen wollen, ist fraglich. Dennoch wurde vom US-Militär ein Führer (Version von 2006) für die Sehenswürdigkeiten der Green oder International Zone herausgegeben, also der schwer gesicherten Festungsanlage der Amerikaner mitten in der irakischen Hauptstadt. Herausgehoben werden 20 Sehenswürdigkeiten auf dem 9 Quadratkilometer großen Gebiet, die einen Besuch lohnen sollen. Vielleicht werden ja mit einem solchen Führer die US-Diplomaten angelockt, die sich weigern, ach Bagdad versetzt zu werden (Arbeit im Mega-Bunker: "Ein potentielles Todesurteil").
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| Touristenattraktion "Green Zone". Alle Bilder aus "A Visitor's Guide to Baghdad's International Zone" |
Verfasst hat den Führer ein Richard Houghton, der Direktor des stramm konservativen International Republican Institute in Bagdad, der, wie es heißt, gerne Gewichte hebt oder sich an Rodeos beteiligt, wenn er nicht gerade "die Welt für die Demokratie sicher macht". Unterstützt wurde der ehemalige Soldat von Patrick McDonald, der im Irak bei einem Civil Affairs Battalion beschäftigt war, einer Einheit des Militärs gewissermaßen für nichtmilitärische Aufgaben. Er sein ein "angesehener Kriegstourist und Historiker der Internationalen Zone".
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Alles außerhalb der "grünen Zone" ist die "rote Zone", abgesehen von den kurdischen Gebieten. In der Sicherheitszone befinden sich Paläste von Hussein, einige Ministerien, Villas von früheren Regierungsangehörigen und die neu errichtete Mammutbotschaft der USA, die größte und teuerste US-Botschaft. Die meisten ursprünglichen Bewohner des Stadtteils seien 2003 geflohen, es würden aber noch immer einige Tausend Iraker hier wohnen, die in die leeren Häuser gezogen seien. Die meisten Bewohner der Zone würden aber, so erfährt man, keine Kenntnis von den Gebäuden und Monumenten haben.
Der neugierige Tourist, der es geschafft hat, in die Sicherheitszone zu gelangen, wird allerdings zur permanenten Vorsicht ermahnt. Er müsse sich stets des herrschenden "Sicherheitsklimas" bewusst sein. Würde man einfach in ein Gebäude gehen, riskiere man, erschossen zu werden. Soldaten oder Sicherheitskräfte könnten zuerst schießen und dann fragen. Es seien aber auch viele leerstehende Gebäude baufällig und unsicher. Am gefährlichsten seien aber indirekte Beschießung und Angriffe mit Raketen oder Granaten. Man sollte auch niemals alleine oder ohne gute Kommunikationsmittel die Zone erkunden.
Wie sich herausstellt, kann man viele der Paläste nicht besuchen, weil sie dem Militär dienen. Beim noch nicht ganz fertig gestellten Hauptquartier der Baath-Partei wird etwa darauf hingewiesen, dass sich hier irakische Scharfschützen postiert hatten. Man würde auch den Einschlag einer US-Bombe und überhaupt die dürftige Bauart dank des vor dem Krieg herrschenden Embargos erkennen können. Auch um die neue US-Botschaft, eine Festung in der Festung, werde ein großes Geheimnis gemacht. Besichtigen dürfe man noch nichts, dafür darf man eine lange Meldung einer Nachrichtenagentur über die Botschaft lesen.
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Neben Monumenten oder Denkmälern wird etwas auch auf die Brücke des 14. Juli hingewiesen, die erste Hängebrücke über den Tigris, die schon im ersten Krieg zerstört und erst im Oktober 2003 repariert wurde. Vor dem Beginn der Brücke gehe rechts eine Straße ab, die zwar den besten Blick auf die "Red Zone" und den Tigris biete, aber keinerlei Schutz bietet. Eine weitere Attraktion ist die Forward Operating Base (FOB) das Camp des US-Militär mit dem schönen Namen "Freedom". Das sei der kleinste amerikanische Stützpunkt in dem Gebäude, wo einstmals der Offiziersklub der irakischen Armee war, der nun "Freedom Rest" heißt. Hier gibt es auch einen Pool, mehrere Geschäfte und ein Restaurant.
Den Republikanischen Palast haben die Amerikaner bei ihren Luftangriffen verschont. Die riesige Anlage diente zunächst der amerikanischen Übergangsregierung. Jetzt befindet sich noch die Botschaft in ihr. In der Nähe gibt es den "Bunkerpalast". Der Palast wurde zerstört, der von Deutschen erbaute, mit vielen Finessen ausgestatte Bunker hat aber auch die Bunker Buster-Bomben der Amerikaner überstanden. Die Autoren des Führers wundern sich, was die Iraker wohl mit dieser Anlage machen werden, die so massiv sei, dass sie kaum abgetragen werden könne.
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| Das "Denkmal für den unbekannten Soldaten" beeindruckt auch die amerikanischen Autoren des Touristenführers |
Dann gibt es noch "Klein-Venedig" wegen der vielen Wasserläufe, Brücken und Brunnen. In den Gebäuden hat einst die Elite gewohnt, hier befand sich der Liebespalast von Hussein-Sohn Uday, jetzt wohnen Angehörige der irakischen Regierung hier. Dann gibt es beispielsweise noch das Al-Rashid-Hotel, in dessen Eingangsbereich sich ein Bodenbild mit dem Gesicht des ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush befand, auf die die Besucher getreten sind. Das Bild wurde natürlich entfernt. Das Hotel ist jetzt ein beliebtes Ziele für Angriffe, weil es an der Grenze zwischen der grünen und er roten Zone steht.
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Schwer beeindruckt sind die Autoren offenbar von der Monumentalarchitektur des irakischen Diktators wie dem "Denkmal für den unbekannten Soldaten", das ebenso ausführlich beschrieben wird wie das Monument der gekreuzten Schwerter. Letzteres sei das am meisten besuchte und fotografierte Monument.
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| Die Sehenswürdigkeiten in der "Red Zone" wie die unvollendete "ar-Rahman-Moschee" werden die meisten Besucher nur aus der Ferne von der "Green Zone"sehen können |
Andere Sehenswürdigkeiten außerhalb der grünen Zone sind offenbar noch der internationale Flughafen und die Straße "Route Irish", die die grüne Zone mit diesem verbindet – die "gefährlichste Straße der Welt". Ansonsten wird noch auf die Skyline von Hotels und Moscheen verwiesen, die man von der Zone aus sehen kann. In deren Nähe würden die meisten Besucher nicht kommen, heißt es.
http://www.heise.de/tp/artikel/26/26566/1.html- Es ist wiederlich, Tote aufzurechnen, aber wenn, dann mache es richtig. (9.11.2007 11:16)
- lol (9.11.2007 5:12)
- ekelhaft (9.11.2007 4:41)
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