Selbstmordattentate lohnen sich
… zumindest in Halo 3
Das erfolgreiche Microsoft-Computerspiel Halo 3 ist auf Xbox Live teilweise so konzipiert, dass Selbstmordattentate Spielern, die nur begrenzte Zeit zur Verfügung haben, als befriedigende Strategie erscheinen können.
Der erste Teil der Halo-Trilogie kam bereits vor sechs Jahren heraus. Ende September erschien der sehr aufwändig beworbene dritte Teil. Mit ihm gelang es Microsoft nicht nur, seine Sparte "Entertainment and Devices" in die schwarzen Zahlen zu ziehen - das Spiel trug auch erheblich zur unerwarteten Umsatzsteigerung des Softwarekonzerns bei.
Halo 3 ist ebenso wie seine Vorgänger ein Science-Fiction-Religionskriegsspiel. Der eigentliche Reiz liegt für viele Spieler im Multiplayermodus auf Microsofts Xbox Live. Online-Duelle lassen sich relativ frei konfigurieren und unter anderem als Team-Deathmatch, Capture the Flag und King of the Hill gegeneinander spielen.
|
|
Der Wired-Blogger Clive Thompson lotete beim Online-Spielen von Halo 3 (nach eigenen Angaben "unbewusst") Möglichkeiten der asymmetrischen Kriegsführung aus und gelangte auf diese Weise zum Einsatz von Selbstmordattentaten als Spielstrategie.
Die Geschichte dieses Mittels der asymmetrischen Kriegsführung lässt sich bis in die Bibel zurückverfolgen: Im Buch der Richter zerstört Samson auf diese Weise einen Tempel der Philister. In der jüngeren Geschichte gewannen Selbstmordattentate stark an Bedeutung: Lag der Jahresdurchschnitt während der 1980er Jahre noch bei 4,7, so war er 2005 auf fast das hundertfache angestiegen
Thompson stellte fest, dass er mit etwa einer Stunde täglich, die er dem Spiel opfern konnte, stets der schlechteste in seinem Team war und vor allem gegen besser trainierte Gegner – seiner Vorstellung nach Schüler mit wesentlich mehr Freizeit – keine Chance hatte. Also wich er mit seiner Spielfigur dem angreifenden Gegner nicht mehr aus, sondern rannte mit sinkendem Gesundheitslevel auf ihn zu und warf in den letzten Momenten vor seinem Tod eine Plasmagranate auf ihn.
Aufgrund der großen Nähe ist dabei die Chance, den Gegner tatsächlich zu treffen, relativ hoch. Da die Plasmagranate erst kurz darauf explodiert, informiert Microsoft den Spieler, dass man jemanden aus dem Grab heraus getötet habe.
Die Strategie erscheint Thompson deshalb rational, weil seiner eigenen Spielfigur ohnehin der baldige Tod droht, er aber mit dem gleichzeitigen Töten der anderen Spielfigur zumindest deren Spieler noch schaden kann. Dass dies als lohnend empfunden werden kann, liegt unter anderem an einer von vielen Spielern als stark asymmetrisch empfundene Situation in einigen Online-Spielmodi. Potentielle Auswege bieten die "Schmiede", in der Spieler nicht nur Karten verändern, sondern auch neue Regeln aufstellen können und ein "Trainingslager", das Anfängern zu Übungszwecken vorbehalten ist. Allerdings ist für dieses Training viel Zeit notwendig, die nicht jedem Spieler in gleichem Ausmaß zur Verfügung steht.
Was Clive Thompson in Halo 3 an Zeit fehlt, das fehlt (seiner aus Halo 3 gewonnenen Erkenntnis nach) anderen Selbstmordattentätern möglicherweise an Ressourcen allgemein. Ein Unterschied zur realen Welt besteht dagegen möglicherweise darin, dass dem Tod der Spielfigur in Halo 3 deren Auferstehung folgt – allerdings geschieht dies in der Vorstellung von Religionisten, für welche die materielle Welt nur Übergangscharakter hat, ebenfalls.
http://www.heise.de/tp/artikel/26/26589/1.html- Vielleicht übst du das mit dem lesen und denken einfach nochmal... (15.11.2007 22:20)
- Aktion: automatische Überschriften für Antworten bei TP (15.11.2007 14:08)
- Beratungsresistenz (14.11.2007 19:40)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
Hanami mit japanischen Rollenspielen
Drei Rollenspiele aus Japan zum Kirschblütenfest

Fall Mollath: Und nun nimmt man ihm auch noch seine CDs und Akten weg
INSM: "Große Mehrheit gegen höhere Spitzensteuersätze"
Die GEMA und das Augenmaß
Die Illusion von der gesellschaftlichen Toleranz?
Klimawandel: Überzeugte Wissenschaftler, verunsicherte Öffentlichkeit?