Preissteigerungen belasten ärmere Haushalte stärker
Geht man nach der Kaufhäufigkeit von Gütern, dann ist der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts viel zu niedrig, zudem vertieft derzeit die Inflation auch das Wohlstandsgefälle
Nicht nur die Sprit- und Energiepreise sind auf eine Rekordmarke angestiegen. Auch viele andere Waren, darunter auch viele Grundnahrungsmittel, sind bereits teurer geworden und werden im Preis weiter ansteigen. Die Preiserhöhungen schlagen, wie die FAZ auf dem Hintergrund von Berechnungen von Hans Wolfgang Brachinger, Professor für Statistik an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg, berichtet, vor allem bei den Ärmeren durch.
Die Preiserhöhungen treffen nicht alle Mitglieder der Gesellschaft gleich, wie man glauben könnte. Da vor allem die Güter des täglichen Verbrauchs teurer werden, wird der Einkauf für die Haushalte mit mittlerem und geringem Einkommen verhältnismäßig teurer. Sie müssen bis zu 4,5 Prozent mehr für den täglichen Einkauf ausgeben als die Wohlhabenderen, die 4,3 Prozent mehr ausgeben müssen.
So tragen auch die derzeitigen Preiserhöhungen zu der wachsenden Kluft des Einkommens in der deutschen Gesellschaft bei, auf die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung vor kurzem aufmerksam gemacht hat. Danach haben die meisten Menschen wenig oder kein Vermögen. Das reichste 1 Prozent der Bevölkerung besitzt 20 Prozent des gesamten Vermögens, die untersten 70 Prozent haben weniger als 10 Prozent. Der Anteil der Unternehmens- und Vermögenseinkommen am gesamten Volkseinkommen nimmt überdies zu, was das Wohlstandgefälle weiter vertieft (Haves and Have-Nots).
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Nach dem Statistischen Bundesamt wird sich Verbraucherpreisindex in Deutschland im Oktober 2007 im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres um 2,4% erhöhen (September 2007: + 2,4%). Das Bundesamt führt die "hohe Teuerungsrate" vor allem auf die gestiegenen Preisen für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zurück, die sich um 1,3% bis 2,4% gegenüber dem Vormonat erhöht haben und so zwischen 3,5% und 5,7% über dem Preisniveau vom Oktober 2006 liegen. Die Preiserhöhungen für Benzin und Diesel dürften im November den Verbraucherpreisindex noch einmal erhöhen.
Dass die Preise weiter anziehen werden, lässt sich auch aus den Großhandelsverkaufspreisen erkennen. Sie lagen nach dem Statistischen Bundesamt im Oktober um 4,7% über dem Vorjahresstand. Besonders stark stiegen die Preise für Getreide, Saaten und Futtermitteln (+ 59,8%), Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette stiegen um 25 Prozent, feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse um 7,8 Prozent. Nur Büromaschinen und -einrichtungen kosteten mit – 13,9 Prozent weniger. Zwar stiegen auch die tariflichen Monatsgehälter der Angestellten im Juli 2007 um durchschnittlich 2,5 Prozent, das reicht aber nicht wirklich zum Ausgleich für die Inflationsrate.
Hans Brachinger hatte für Frontal21 letzte Woche den "Portemonnaie-Index" mit den 50 kaufhäufigsten Gütern für eine Familie mit zwei Kindern berechnet. Zugrunde gelegt wurde dafür der Verbraucherpreisindex für September, der wie im Oktober auch bei 2,4 Prozent lag. Die Inflationsrate lag für den Vierpersonenhaushalt mit 4,5 Prozent deutlich über dem Verbraucherpreisindex. Das ist noch mehr als für einen Rentner, bei dem die Inflationsrate 3,9 Prozent beträgt. Danach gibt der Verbraucherpreisindex nicht die realen Preissteigerungen wieder, die für Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen höher liegen, weil hier die Güter des täglichen Bedarf stärker durchschlagen als bei einem allgemeinem, nicht nach der Kaufhäufigkeit berechnetem Durchschnitt der Warenpreise, was die "wahrgenommene Inflation" ergibt. Das ist auch der Grund, warum bei reicheren Haushalten die Preissteigerungen etwas niedriger ausfallen. Im September hatte Brachinger mit dem von ihm entwickelten "Index der wahrgenommenen Inflation" (IWI) eine Preissteigerung aufgrund der Kaufhäufigkeit der Waren von 5,8 Prozent ausgerechnet, der Verbraucherpreisindex gab nur 2,4 Prozent an.
http://www.heise.de/tp/artikel/26/26590/1.html- Aus den Augen aus dem Sinn (14.11.2007 15:40)
- Knappheit (13.11.2007 23:39)
- Leere Regale (13.11.2007 21:47)
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