Durchbruch beim Klonen von Primaten

12.11.2007

Wissenschaftler konnten die Möglichkeit zeigen, Primatenembryos zu klonen, während ein UN-Bericht dringend fordert, das Klonen von Menschen international zu regeln

Wissenschaftler am Oregon National Primate Research Centre sollen – nach ersten Versuchen bereits 2001 - geklonte Affenembryos geschaffen haben. Damit würde das mögliche Klonen von Menschen noch ein Stück näher rücken. Geklont wurden bislang bereits einige Säugetierarten. Mit Schafen wurde bekanntlich begonnen, es folgten Kühe, Pferde, Schweine, Hunde, Katzen oder Mäuse. Schon letztes Jahr hatten die Wissenschaftler unter der Leitung von Shoukhrat Mitalipov berichtet, dass sie aus geklonten Primatenembryos Stammzellen hatten gewinnen können. Im Juni 2007 berichtete Mitalipov, er habe 20 geklonte Blastozyten und daraus zwei Linien von embryonalen Stammzellen erzeugen können.

Die Meldung über die ersten erfolgreich durch die Fusion einer entkernten Eizelle mit dem Zellkern einer Hautzelle geklonten Rhesus-Affen-Embryos im britischen Independent erfolgt fast zeitgleich mit der Veröffentlichung eines Berichts der Institute of Advanced Studies der Vereinten Nationen über die Möglichkeit, das therapeutische und reproduktive Klonen von Menschen weltweit zu regeln, nachdem dies vor zwei Jahren schon einmal an den Hardlinern gescheitert ist, die auch das therapeutische Klonen verbieten wollten. Mittlerweile wurde in Großbritannien eine weitere rechtliche Hürde überschritten und die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen erlaubt Mensch-Tier-Embryonen zur Forschung).

Die Autoren des UN-Berichts betonen, dass es sich beim Klonen um eines der emotionlasten und umstrittensten Themen handele, mit denen die Vereinten Nationen in den letzten Jahren zu tun gehabt hätten. Sie gehen davon aus, dass ein Verbot des reproduktiven Klonens zusammen mit der Möglichkeit, dass die Regierungen in ihren Staaten frei das therapeutische Klonen regeln können, die größten Chancen hätte, von allen anerkannt zu werden. Zwar würden praktisch alle Länder derzeit gegen das reproduktive Klonen und hätten 50 Staaten bereits Verbote durchgesetzt, aber das sei keine Garantie, dass nicht irgendwelche Wissenschaftler in irgendeinem Land auch mit dem reproduktiven Klonen von Menschen beginnen.

Würde man nicht bald weltweit ein Verbot einführen, dann würde es irgendwann geklonte Menschen geben. Die Völkergemeinschaft müsste dann auch dafür sorgen, dass die menschlichen Klons dieselben Rechte haben wie andere Menschen und gegen Diskriminierung geschützt werden. Es bestehe so die Sorge, dass geklonte Menschen, weil sie leicht identisch reproduzierbar seien, weniger geachtet werden oder gar als Ersatz betrachtet werden könnten. Zwar gab es bereits einige auf viel Geld spekulierende Ankündigungen, Menschen klonen zu wollen, aber es blieb wohl bislang bei den verbalen Äußerungen. Der südkoreanische Wissenschaftler Woo Sook Hwang, der 2004 für sich den Durchbruch in Anspruch nehmen wollte, hatte sich als Fälscher erwiesen, auch wenn er vermutlich unabsichtlich eine neue Methode entwickelt hatte (Gewinnung von embryonalen Stammzellen durch Parthenogenese).

Wie der Independent berichtet, hätten es nun die Wissenschaftler unter Shoukhrat Mitalipov am Assisted Reproductive Technologies and Embryonic Stem Cell Core Laboratory des Oregon National Primate Research Center geschafft, mit einer neu entwickelten Methode zahlreiche geklonte Rhesus-Affen-Embryos zu erzeugen, die sich auch in die Gebärmutter verpflanzen ließen. Aus embryonalen Stammzellen, die diesen entnommen wurden, habe man Herzzellen und Neuronen züchten können. Angeblich hatten die Wissenschaftler versucht, 100 geklonte Embryos in die Gebärmütter von 50 Rhesus-Affen-Weibchen einzusetzen, es sei aber nicht zu einer Geburt gekommen. Einer der Wissenschaftler erklärte, dass man vielleicht nur zu wenige Embryos verwendet und Pech gehabt habe. Die Erfolgsrate beim Klonen ist tatsächlich meist ziemlich gering. Allerdings hatte man auch angenommen, dass vielleicht das Klonen von Primaten – und so auch von Menschen – prinzipiell nicht möglich sei. Das könnte nun widerlegt sein. Der Bericht der Wissenschaftler soll in der Zeitschrift Nature erscheinen.

Professor Alan Trounson von der australischen Monash University, einer der führenden Stammzellenforscher, sagte dem Independent, die Ergebnisse von Mitalipov würden den lange ersehnten Durchbruch darstellen. Es sei der Beweis, dass das Klonen von Primaten prinzipiell möglich ist: "Wir können jetzt beginnen zu überlegen, was man bei Menschen erreichen kann."

Der umstrittene Reproduktionsmediziner Karl Immensee hatte kürzlich in einem Artikel Mammalian Cloning and ist Discussion on Applications in Medicine, erschienen in der Zeitschrift Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie (2007; 4 (1), 6-16) berichtet, im letzten Jahr zusammen mit Panayiotis Zavos (Dolly ist hier - und wir sind die nächsten) ein geklontes menschliches Embryo für unfruchtbare Eltern erzeugt zu haben. Obgleich eine Schwangerschaft nicht erzielt werden konnte, habe man bewiesen und dokumentiert, dass reproduktives Klonen in Zukunft möglich sein könnte. Immensee beschäftigt sich überdies mit den Möglichkeiten, tierische Eizellen zum Gewinnen von geklonten menschlichen Embryonalzellen zu verwenden oder durch das Teilen von menschlichen 2-8-zelligen Blastozyten Klone zu erzeugen.

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