Klonpionier Wilmut wendet sich vom therapeutschen Klonen ab

17.11.2007

Ian Wilmut, einer der Väter des ersten Klonschafs Dolly, sieht den erfolgreicheren Weg im Umprogrammieren von erwachsenen Zellen

Vor 10 Jahren erregte der schottische Forscher Ian Wilmut mit seinem Team weltweites Aufsehen, als er mit dem Schaf Dolly das erste geklonte Tier der Öffentlichkeit präsentierte (Dolly und die Folgen). Seitdem wurde fleißig weiter geklont, wird heftig über therapeutisches und reproduktives Klonen beim Menschen gestritten, hegen die einen Hoffnungen für gewaltige medizinische Fortschritte, während die anderen vor dem Spiel mit dem Leben warnen. Gerade erst hatten US-Wissenschaftler einen weiteren Durchbruch beim Klonen von Primaten gemeldet, der das Klonen von menschlichen Embryonen ein Stück näher rücken würde (Durchbruch beim Klonen von Primaten). Jetzt meldet sich Ian Wilmut, Direktor des Scottish Centre for Regenerative Medicine der University of Edinburgh, zurück und verkündet, dass er das therapeutische Klonen menschlicher Embryonen nicht weiter verfolgen will.

Ian Wilmut mit Dolly. Bild: Roslin Institute

Ob die Entscheidung des Klonforschers der ersten Stunde, der allerdings eingeräumt hat, nicht die erste Rolle beim Klonen von Dolly gespielt zu haben, große Wirkungen haben wird, bleibt abzuwarten. Öffentliche Aufmerksamkeit dürfte sie allerdings finden. Das Roslin Institute, mit dem Ian Wilmut verbunden ist, hatte 2005 von der britischen Human Fertilisation and Embryology Authority die Erlaubnis erhalten, menschliche Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen zu klonen, um damit vornehmlich Möglichkeiten zur Therapie von Motoneuronerkrankungen wie ALS zu erforschen. Dem britischen Telegraph erklärte er, dass er vor ein paar Wochen entschieden habe, das Klonen durch das Einfügen eines Zellkerns in eine entkernte Eizelle nicht weiter verfolgen zu wollen.

Grund für die Entscheidung ist offenbar einerseits der große Widerstand, der dem therapeutischen Klonen noch immer entgegengebracht wird und die weiterhin geringe Effizienz beim Klonen, aber auch eine von der Forschergruppe um Shinya Yamanaka aus Kyoto 2006 entwickelte und auch von Rudolf Jaenisch (MIT) und Konrad Hochedlinger (Harvard) weiter verbesserte Alternative, die Wilmut viel versprechend erscheint. Sie haben bei Mäusen zeigen können, dass sich Hautzellen (Fibroblasten) so durch das Einschleusen von Genen umprogrammieren lassen, dass sie angeblich alle Eigenschaften von embryonalen Stammzellen besitzen und von diesen nicht zu unterscheiden sind.

Anstatt Zellkerne in entkernte Eizellen einzuschleusen setzt Wilmut auf Gene, die in Zellen durch Viren eingeschleust werden. Bild: SCRM

Wenn dies auch bei Menschen möglich sein sollte, müssten zur Gewinnung von Stammzellen keine menschlichen Embryonen erzeugt und mit der Entnahme zerstört werden. Allerdings muss zum Einbringen der Gene ein viraler Vektor verwendet. Ob dies langfristige Folgen für das aus den umprogrammierten Zellen entstehendes Gewebe haben kann, ist nicht bekannt. In einem Interview mit der Times im Juli 2007 hatte Yamanaka zwar angekündigt, die Umprogrammierung bald auch bei menschlichen Zellen realisieren zu können, aber gleichzeitig davor gewarnt, die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen einzustellen.

Wilmut will nun, wie er erklärt, an der Umprogrammierung von erwachsenen Zellen weiterforschen – das sei "hundert Mal interessanter" als das Klonen. Hier läge die Zukunft der Stammzellenforschung. Tatsächlich wäre diese Methode der Gewinnung von Stammzellen, aus denen man alle anderen Zellen erzeugen könnte, ideal. Da man die Ausgangszellen den Menschen selbst entnehmen würde, für die Ersatzgewebe oder –organe hergestellt werden soll, würden die Implantate auch nicht abgestoßen werden. Der Umweg über das Klonen und die damit verbundenen Risiken wäre unnötig. Wie ineffizient das Klonen ist, wurde trotz des Erfolgs von den Wissenschaftlern des Oregon National Primate Research Centre demonstriert. Erreicht wurde eine Erfolgsrate von nur 0,7 Prozent. Aus 304 Eizellen konnten gerade einmal zwei Zelllinien entwickelt werden, von denen eine genetische Schädigungen aufwiesen. Zudem konnten keine Schwangerschaften erzielt werden, was auch auf die schlechte Qualität der geklonten Embryos hinweist, die offenbar nicht lebensfähig waren.

Bis das therapeutische Klonen beim Menschen bis zur Anwendungsreife erforscht und entwickelt ist, würde auch das direkte Umprogrammieren von Zellen funktionieren, so Wilmut: "Ich habe keine Zweifel, dass langfristig das direkte Umprogrammieren produktiver sein wird, auch wenn wir nicht sicher sein können, wann genau dies möglich ist, ob schon nächstes Jahr oder erst in fünf Jahren."

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