Die schöne neue Uni-Welt

19.11.2007

Lüneburger Kommunikationsguerilla parodiert erfolgreich die Netzseite ihrer Universität

Was ist denn bloß an der Uni Lüneburg los? Erst wurde die frühere Pädagogische Hochschule und spätere Universität in Leuphana, der Name einer antiken Siedlung an der Elbe, umbenannt. Dann wurde im Oktober der ehemalige Präsident der USA, Jimmy Carter, eingeflogen, um die Erstsemester zu begrüßen. Im kommenden Dezember soll gar Arnold Schwarzenegger dort verraten, wie er das Bildungssystem in Kalifornien erfolgreich umgebaut hat. Und während der Uni-Präsident Sascha Spoun emsig dabei ist, die Hochschule und ihr Image völlig umzukrempeln, soll demnächst ein vom Star-Architekten Daniel Libeskind entworfener Audimax entstehen. "Es wird ein Leuchtturm werden", sagt dazu Libeskind. Das behauptet jedenfalls die vermeintlich offizielle Webseite der Hochschule.

Der Leuchtturm von Libeskind

Wer sich dort hinklickt, wird mit der Parole begrüßt: "LEUPHANA 21 – WERDEN SIE TEIL EINER FAZINIERENDEN WELT". Und diese Welt wird dann in einem Werbefilm als schöne neue vorgestellt. Ein Film, dessen Anfang Zeit.de wie folgt beschreibt:

Ein Student fährt auf den Campus, im Audi. An einer Schranke wird er angehalten, ein Wachmann scannt seine ID-Card, erst dann darf er passieren. Eine Stimme aus dem Off: "Modernste Sicherheitsanlagen gewähren unabdingbare strukturelle Voraussetzungen auf dem gesamten Universitätsgelände." Der Student parkt und eilt, wie jeder hier im Business-Anzug und mit dem Notebook in der Hand, in den Hörsaal. Am Eingang passiert er einen Tisch, an dem Warenproben von Coca-Cola verteilt werden. Dazu der Off-Kommentar: "Mit Blick auf die Zukunft wird bei uns unternehmerisches Denken und Handeln groß geschrieben. Darum arbeiten wir mit starken Partnern aus der Wirtschaft zusammen.

Danach wirft der Film noch einen kurzen Blick in einen Hörsaal, wo adrette junge Männer und Frauen vor ihren Laptops sitzen, während auf einer Leinwand vor der Vorlesung noch einmal wichtige Sponsoren der Uni filmisch präsentiert werden. Ähnlich auf Teufel komm raus "modern" stellt sich dann die Hochschule auch in kurzen Texten auf ihrer vermeintlichen Website vor. Unter der Überschrift "DIE FÜHRUNGSKRÄFTE VON MORGEN AUSBILDEN" heißt es beispielsweise:

Den Herausforderungen der Globalisierung können unsere Absolventinnen und Absolventen mit Leichtigkeit gegenübertreten, denn hier lernen Sie tragfähige Lösungen für komplexe Problemstellungen zu erarbeiten. In einem dynamischen Umfeld fällt zurück, wer nicht flexibel ist. Unsere Absolventen erwerben Führungsqualitäten und Kompetenzen, die sie später erfolgreich in den Chefetagen weltweiter Spitzenunternehmen einbringen können.

Sprüche, Begriffe, Phrasen, die man aus Politikerreden und Polit-Talkshows kennt, und die hier von einer bisher noch anonymen Studentengruppe, der Cultura21 Lüneburg, so gut parodiert werden, dass nach dem schon erwähnten Bericht von Zeit.de viele Lüneburger Studenten auf diese Netzseite hereingefallen sind. Und das Ganze für eine neue Imagekampagne ihres Hochschulleiters gehalten haben, der zu ähnlich vermeintlich dynamischen Formulierungen neigen soll.

Die Gruppe, schreibt sie in ihrem Wiki, folge dabei der Grundidee der Kommunikationsguerilla, "bei der es darum geht, den Betrachter zu irritieren und so zum Überdenken seiner bisherigen Einstellungen zu bewegen." Kritisiert werden von ihr das Modernisierungskonzept ihres Uni Präsidenten, die dabei verwendeten Plastikwörter und Leerformeln. Und mit ihrem Video wollen sie offenbar zeigen, was die Folgen dieser vermeintlichen Modernisierung sein könnten: eine schöne neue Welt, die allein von den Gesetzen der Ökonomie bestimmt wird.

Und dass man in Lüneburg bereits auf dem besten Weg in diese neue Welt ist, zeigt die vermutlich echte Seite der Hochschule, die man übrigens tatsächlich recht leicht mit der gefälschten verwechseln kann.

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