Warum die Familie fürs Klima gut ist

Florian Rötzer 04.12.2007

US-Wissenschaftler haben in einer Studie die Folgen der weltweit zunehmenden Neigung zu Scheidungen für Umwelt und Ressourcenverbrauch untersucht

Die Klimaerwärmung ist global. Daher sind auch die Folgen global und können sich auf alles auswirken. Das eröffnet ganz neue Forschungsfelder mit neuen Perspektiven. Wissenschaftler der Stanford University haben so gerade in "The environmental impact of divorce", erschienen in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), die Folgen der zunehmenden Scheidungsrate auf die Umwelt untersucht und herausgefunden, dass Scheidung in den USA und 11 anderen Industrie- und Entwicklungsländern ähnliche Folgen hat. Durch Scheidung werden die Haushalte natürlich erst mal kleiner, durchschnittlich um 27 bis 41 Prozent. Zudem steigt die Zahl der Räume pro Person um 33 bis 95 Prozent. Weil sich die Haushalte dadurch aber auch vermehren, werden auch mehr Ressourcen verbraucht und beispielsweise mehr elektrische Geräte benötigt.

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Selbst wenn die Bevölkerung in einzelnen Ländern oder auch weltweit zurückginge, vermehren sich die Haushalte durch die neuen Lebensstile, zu denen auch Scheidung gehört, die sich weltweit zunehmend verbreitet, selbst in China. In den Industrieländern ist die Neigung, sich zu scheiden und auseinander zu ziehen, noch wesentlich stärker. 2000 gab es in den USA bereits 6,1 Millionen Haushalte von Geschiedenen. Der Anteil der Haushalte, in denen Verheiratete zusammenleben, geht hingegen kontinuierlich zurück. Allerdings können ja auch Unverheiratete zusammenwohnen, während verheiratete Paare durchaus zwei Wohnungen an unterschiedlichen Arbeitsorten haben können.

Wie auch immer, die Stanford-Wissenschaftler haben errechnet, dass 2005 in den USA ungefähr 73 Milliarden Kilowattstunden und 2,370 Billionen Liter hätten gespart werden können, wenn die geschiedenen Haushalte so energieeffizient wären wie Haushalte mit Verheirateten. US-Haushalte verbrauchen nach der Scheidung zwischen 42 und 61 Prozent mehr Ressourcen, als wenn die Paare zusammen geblieben wären. Die libidinösen Zerwürfnisse der Amerikaner würden alleine schon 38 Millionen zusätzliche Räume benötigt. Man müsse, so eine Schlussfolgerung der Wissenschaftler, solche Lebensstile, die mit Ressourcen ineffizient umgehen, verändern, um die Umwelt zu schonen und Geld zu sparen. Und wenn der ehemalige Haushaltsvorstand – ist damit der Mann gemeint? – erneut heiratet, dann entfallen die zusätzlichen Ressourcenbelastungen.

Scheidungen tragen mit der Vermehrung der Haushalte zum Anstieg von CO2-Emissionen und verstärken auch durch den Landverbrauch und den von anderen Ressourcen die Klimaerwärmung, sagen die Wissenschaftler. Die Bilanz würde noch negativer ausfallen, wenn man den Abfall mit berücksichtige. Es gäbe auch noch weitere Folgen, beispielsweise häufige, CO2-Emissionen verursachende Fahrten der jeweiligen Elternteils zu den Kindern oder von diesen zu dem alleine lebenden Elternteil. Ähnliche Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch würden sich auch durch das Aussterben von Haushalten mit mehreren Generationen, hinausgezögerter Eheschließung, getrennt lebenden Paaren oder überhaupt, was die amerikanischen Wissenschaftler zu vergessen scheinen, von Single-Haushalten ergeben. Was also tun?

Die Autoren führen den Ressourcen verschwendenden Lebensstil der postfamiliären Gesellschaften auf den Wunsch nach größerer Autonomie und mehr Auswahlmöglichkeiten zurück. Wenn dies so weitergehe, würden die Umweltbelastungen als Folge ansteigen, wenn man nicht effektive Steuerungsmaßnahmen einführe, die "die Auflösung der Haushalte minimieren" oder zumindest den Ressourcenverbrauch von geschiedenen Haushalten verbessern. Die Religion helfe da kaum noch, sagen die Autoren, denn auch in ausgeprägt katholischen Ländern steigen die Scheidungsraten und leben mehr Paare getrennt. Zur Stärkung der Familie oder zumindest des Zusammenlebens von Paaren fällt den Autoren mithin im wesentlich die Moral ein, die von Umwelt- und Klimaschutz als Ersatz für die Religion begründet wird. Wird also die Klimaerwärmung Frauen und Männer früher zu anhaltenden in einem Haushalt lebenden Beziehungsformen treiben und auch dafür sorgen, dass erst der Tod sie scheidet?

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26734/1.html
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