UN-Klimakonferenz

Störfeuer und Vorreiter

10.12.2007

Während man dem Entwurf für eine Schlusserklärung arbeitet, versuchen Industriestaaten wie Kanada weiterhin das Prinzip der "gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung" zu unterlaufen

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Vor allem die Industriestaaten haben den Klimawandel verursacht und verursachen ihn. Seit Beginn der Industrialisierung verbrennen sie fossile Energieträger in exorbitantem Maße und verstärken auf diese Weise stetig den Treibhauseffekt. Und deshalb müssen die Industriestaaten jetzt auch zuerst handeln.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Kanada aber verlangt hier auf Bali bindende CO2-Reduktionsziele für alle Staaten – also auch für Entwicklungsländer, die weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart pro Kopf gesehen erwähnenswert zu den globalen Treibhausgasemissionen beigetragen haben. Mit dieser Forderung verstoßen die Kanadier gegen ein zentrales - in der UN-Klimarahmenkonvention fixiertes - Prinzip: Die "gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung". Die Industriestaaten sind es, die für hohe Pro-Kopf-Emissionen und hohe absolute Emissionen hauptverantwortlich sind. Zugleich sind sie die wohlhabendsten Wirtschaftsnationen. Dies beides verpflichtet sie auch dazu, beim Klimaschutz voranzugehen.

Statt Störfeuer werden jetzt echte Vorreiter gebraucht. So wie zum Beispiel Norwegen, das gestern ankündigte, jährlich 545 Millionen US-Dollar für waldschützende Maßnahmen in den Tropen bereitzustellen. An diese Zusage knüpfte der norwegische Premier weder Bedingungen noch Ansprüche. Das heißt, der skandinavische Staat will sich mit seiner Initiative nicht von Emissionsverpflichtungen freikaufen. Das sind die nötigen Zeichen, die hier auf Bali gesetzt werden müssen.

Ein erster Entwurf einer Bali-Schlusserklärung enthält bereits einige Elemente, die es zu verteidigen gilt. Obwohl der Generalsekretär der Klimarahmenkonvention, Yvo de Boer, eine Einigung auf konkrete Emissionsziele kaum für möglich gehalten hat, beginnt der bisher vorliegende Text jetzt mit solchen – für die Weltgemeinschaft entscheidenden - Zahlen. Die Industriestaaten sollen ihre Emissionen bis 2020 um 25-40 Prozent mindern und global sei mindestens eine Halbierung der Treibhausgase gegenüber dem Basisjahr 2000 nötig.

Papier ist jedoch bekanntlich geduldig und dieser Entwurf hat noch nicht einmal den Status eines offiziellen Dokumentes. Viel Verhandlungsdiplomatie wird noch erforderlich sein, um diese Vorgaben zu erhalten, insbesondere angesichts von Querschlägern der "kanadischen Art".

http://www.heise.de/tp/artikel/26/26791/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS