Regelmäßige E-Mails von der Schule..

08.12.2007

..und freie Krippenplätze für arme Kinder ab 2 Jahren. Großbritannien: Mehr Staat in der Kindererziehung

In Deutschland fragt sich die öffentliche Meinung gerade, wie Kinder aus den ärmeren Schichten besser vor ihren Eltern geschützt werden können, die nicht genug für sie sorgen können oder wollen. In England werden Pläne, gefährdete Familien genauer ins Visier zu nehmen, schon seit längerem von der Labour-Regierung propagiert; allerdings mit zum Teil sehr umstrittenen Vorschlägen, die viele an einen veritablen Big Brother-Staat denken lassen: Frühkindliche Entwicklung unter Staatsaufsicht?, Ärger verhindern – schon vor der Geburt.

Das Erziehungsprogramm wurde von Labour unter der Führung von Tony Blair mit großen Ambitionen angelegt. Es soll einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen und schon die Kleinsten lehren, was den Großen heutzutage oft fehlt: Respekt. "Antisoziales Verhalten" soll, so der Ehrgeiz der Labourregierung, die diese Absicht in vielfältigen Plänen untermalte, von den ersten Lebensjahren an verhindert werden, verbunden mit staatlichen Aufsichts- und Strafmaßnahmen (vgl. Respekt durch Überwachen und Strafen).

Spruchreifen Erfolg zeigt die Kampagne der Regierung bislang nicht. Vieles, gerade was härtere Sanktionen betrifft, deutet auf Mißerfolg, Kritik überwiegt. Das scheint man in den Köpfen der neuen Labourregierung unter Gordon Brown ("Education is my passion") so zu sehen, denn kaum im Amt werden wieder neue Konzepte für eine staatlich begleitete Kindheit vorgestellt. Zentrale Punkte daraus werden heute im Guardian vorab veröffentlicht. Am Dienstag soll sie der Fachminister Ed Balls vor dem Unterhaus vorstellen.

Bemerkenswert sind zwei Programmpunkte. Zum einen will die Regierung kostenlose Tagesbetreuung für "benachteiligte Kinder" ab 2 Jahren. Zum anderen will man die Verbindung zwischen Schulen und Eltern verstärken.

Die kostenlose Tagesbetreuung soll Kindern aus ärmeren Verhältnissen zukommen. Damit sollen bereits bestehende Programme, die Kindern ab drei Jahren 12,5 kostenlose Wochenstunden in einer Tagesbetreuung -z.B. Kinderkrippe – zur Verfügung stellte, auf noch Jüngere ausgedehnt werden. Vorteile liegen zumindest theoretisch auf der Hand: Die Kinder werden gefördert und soziale Nachteile, die auf Erziehung und Bildung der Kinder rückwirken, möglicherweise kompensiert.

Dass die soziale Herkunft in Großbritannien, was die Bildungschancen des Nachwuchses betrifft, nicht die entscheidende Rolle spielt, die sie in Deutschland innehat (siehe Streit um die Pisa-Studie), darauf verweist eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie, die vom Guardian zitiert wird. Sie zeigt demnach, dass das elterliche Engagement beim Lernen für den Erfolg ihrer Kinder in der Schule wichtiger ist als die "soziale Klasse, die Größe der Familie oder der akademische Abschluss der Eltern".

Folglich beabsichtigen die neuen Pläne, die Verbindung zwischen Schulen und Eltern zu stärken, mit "detaillierteren Zielen" für die Kindererziehung, die dann geteilt werden sollen. Ein interessanter Vorschlag in diesem Zusammenhang ist, dass Schulen künftig in "regelmäßigem E-Mail-Kontakt" mit Eltern stehen sollen, um sie über den Leistungsstand der Kinder zu informieren. Darüber hinaus will die Regierung das Angebot von Beratern ausweiten, welche die Eltern unterstützen sollen, auch solche, die es eigentlich nicht wollen: die "disaffected", die entfremdeten Eltern.

Ende November waren Lehrer und Eltern von einer internationalen Lesefertigkeits-Studie (Pirls) aufgeschreckt worden, wonach Englands Grundschüler vom dritten auf den 15.Platz gefallen sind. Der Erziehungsminister Ed Balls machte Kräfte außerhalb der Schule dafür verantwortlich:

It's outside school and in children's attitudes where we have seen more changes since 2001. Today's 10-year-olds have more choice than in 2001 about how they spend their free time. Most of them have their own TVs and mobiles, and 37 per cent are playing computer games for three hours or more a day – more than in most countries in the study.

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