Behandlung nur, wenn nicht mehr geraucht wird

01.01.2008

Der britische Premierminister kündigt weitere Reformen des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS an, zu denen auch neue Pflichten für Patienten, die rauchen oder zu fett sind, gehören könnten

Das britische Gesundheitssystem NHS, das vorwiegend mit Steuergeldern finanziert wird, bietet eine großenteils kostenlose Behandlung an. Das bekannte Problem ist die chronische Unterfinanzierung, die zum Abbau von Kapazitäten und zu langen Wartezeiten führt. Premierminister Gordon Brown kündigte in einem offenen Brief an die NHS-Mitarbeiter an, dass der Erhalt des staatlichen Gesundheitssystems weiter hohe politische Priorität besitze, aber dass die Briten selbst mehr für ihre Gesundheit sorgen müssten.

Brown, der seinen Brief zum 60jährigen Jubiläum der NHS schrieb, verspricht, die auf den Einzelnen bezogene Gesundheitsversorgung weiter zu verbessern. Das könne nicht nur durch organisatorische Veränderungen geschehen, sondern betreffe auch die Vorsorge, die die Menschen für ihr eigenes Wohlergehen leisten müssen. Die Rechte, aber auch die Pflichten sollen in einer "Verfassung" geregelt werden. Und die könnte es in sich haben.

Schon jetzt werden manchen Patienten für selbstverschuldete Krankheiten Bedingungen auferlegt, wenn sie behandelt werden wollen, manchmal werden Behandlungen auch deswegen nicht durchgeführt. Wenn Patienten rauchen oder zu dick sind, kann es durchaus vorkommen, dass Krankenhäuser Operationen verweigern. Bekannt wurde unlängst der Fall eines 57jährigen Patienten, den die Ärzte des Royal Cornwall Hospital nicht nach einem Knochenbruch operieren wollten, weil er es nicht schaffte, das Rauchen aufzugeben. Als Grund sagten die Ärzte, das Risiko sei bei einem starken Raucher höher, dass durch die Operation Komplikationen entstehen können, zudem seien die Heilungsaussichten schlechter. Ganz offiziell darf etwa der Leicester City Primary Care Trust Patienten schon auffordern, das Rauchen aufzuhören, bevor sie auf die Warteliste für Operationen gesetzt werden.

In diesem Sinne dürfte auch die von Brown anvisierte "Verfassung" noch einen Schritt weitergehen. Die Patienten sollen im Zuge des in Großbritannien wie anderswo intendierten Schritts zum Ausbau der Präventionsmedizin stärker für ihren Gesundheitszustand verantwortlich gemacht werden. So müssten wohl vor allem Raucher und Fettleibige mit Auflagen rechnen, wenn Brown die Pflichten der Patienten für eine kostenlose Behandlung tatsächlich regeln sollte. Raucher könnten dann verpflichtet werden, ihr Laster einzustellen, Dicke müssten abnehmen und Sport treiben. Man rechnet auch damit, dass andere selbstverschuldete Verhaltensweisen wie das Verpassen eines Behandlungstermins oder zu spätes Erscheinen in der Praxis Konsequenzen haben werden.

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