Klimaschutz mit genveränderten Pflanzen

Florian Rötzer 10.01.2008

Ein kalifornisches Unternehmen will in China genveränderten Reis anbauen, mit dem sich auch Geld durch CO2-Zertifikate verdienen lassen soll

Für Klima- und Umweltschützer könnte das Vorhaben des Gentech-Unternehmens Arcadia Biosciences Bauchschmerzen mit sich bringen. Das kalifornische Unternehmen will zusammen mit der chinesischen Regierung ab 2012 in den Handel mit CO2-Zertifkaten einsteigen, indem in China genveränderte Pflanzen, vor allem Reis, angebaut werden sollen, die weniger Stickstoffdünger benötigen. Dafür sollen dann CO2-Zertifikate verkauft werden. Geplant ist überdies, andere genveränderte Pflanzen (Nitrogen Use Efficiency - NUE), die ebenfalls weniger Dünger benötigen, wie Zuckerrohr oder Tabak in weiteren Ländern zu diesem Zweck anzubauen.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Das Unternehmen begründet seine Geschäftsidee, genveränderte Pflanzen mit dem Klimaschutz zu verbinden, damit, dass die Landwirtschaft der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen sei. Dabei spiele Stickstoff eine große Rolle, der mit der Düngung in die Luft, den Boden und in das Wasser gelange und dort Schaden anrichte. 84 Prozent der Stickstoffoxid-Emissionen stammen aus der Landwirtschaft. Lachgas (N2O), das aufgrund der Überdüngung entsteht, gilt als 300 Mal so klimazerstörend wie CO2. Beispielsweise verursache Stickstoffdünger in den Meeren tote Zonen. Durch die hohe Düngerkonzentration wachsen die Algen explosionsartig und sterben dann ab. Dadurch wird dem Wasser Sauerstoff entzogen und sterben die Fische.

Zur Demonstration des Umweltengagements hat das Unternehmen extra eine Energiespar-Website nur in schwarz und weiß ins Netz gestellt. Würde der gesamte Reise, der derzeit weltweit angebaut wird, durch den Arcadia-Reis ersetzt, so das Unternehmen, dann würden 50 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente weniger emittiert, woran die Bauern eine Milliarde Euro an CO2-Zertifikaten verdienen könnten. Arcadia-Chef Eric Rey sagte dem Guardian, dass die Landwirtschaft damit einen Anreiz hätte, die Treibhauusgasemissionen zu reduzieren:

Es ist eine Möglichkeit für die Bauern und für uns, Geld zu verdienen, während wir etwas Gutes für die Umwelt machen.

Arcadia will auch Weizen, Raps, Mais, Zuckerrüben, Baumwolle und Gras für Golfplätze und Gärten gentechnisch so verändern, dass sie weniger Dünger benötigen und so auch zur Erzielung von Einkünften durch CO2-Zertifikaten angebaut werden können. Natürlich spekuliert das Unternehmen darauf, mit der Legitimation durch den Klimaschutz die Märkte für genveränderten Pflanzen zu öffnen und die Ablehnung bei vielen Menschen gegenüber Lebensmitteln aus genveränderten Pflanzen zu überwinden.

In China führt das Unternehmen seit April 2007 in der Provinz Ningxia erste Experimente durch, um die Emissionen zu messen, die von normalem Reis verursacht werden. Das ist nötig, um die Genehmigung der UN zu erhalten, den genveränderten Reis im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM) anzubauen. Dieser ermöglicht es, in nachhaltige Klimaschutzprojekte durch Technologietransfer in Ländern ohne Emissionsobergrenzen als Ausgleich für Emissionen zu investieren.

Noch hat Arcadia den Reis in China nicht angepflanzt. Nötig ist die Anbaugenehmigung, vor allem aber die Erlaubnis, den genveränderten Reis als Nahrungsmittel auf den Markt zu bringen. Bei Grundnahrungsmitteln wie Reis, Sojabohnen oder Getreide hat sich die chinesische Regierung hier bislang noch zurückhaltend gezeigt. Der Einstieg mit Reis würde die Türen für den Emissions-Handel mit genveränderten Pflanzen weit öffnen, 20 Prozent des weltweit ausgebrachten Stickstoffdüngers gehen auf die Reisfelder, zwei Drittel davon werden wiederum von den Pflanzen nicht aufgenommen und gelangen als Emissionen in die Luft. China ist zudem das Land, in dem weltweit am meisten Stickstoffdünger eingesetzt wird.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27021/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS