US-Unternehmen hat menschliche Embryonen aus Hautzellen geklont

17.01.2008

Das erste Mal habe man geklonte menschliche Blastozyten erzeugen können, sagen die Forscher, die damit auch auf das große Geschäft mit Stammzellen spekulieren

Forscher des Stammzellenunternehmens Stemagen im kalifornischen La Jolla berichten, dass sie es erstmals geschafft hätten, menschliche Embryonen zu klonen und bis zu Blastozyten heranwachsen zu lassen. Die Zeitschrift Stem Cells hat den Bericht online vorveröffentlicht, da es sich wieder einmal um einen Durchbruch handelt, der auf große Aufmerksamkeit stoßen dürfte. Nachdem der südkoreanische Wissenschaftler Hwang Woo-suk 2004 diesen Erfolg erstmals für sich in Anspruch nahm und sich sein vermeintlicher Durchbruch dann als Betrug herausstellte, wird man auf diese Nachricht wohl zunächst vorsichtiger reagieren.

Die Wissenschaftler des Unternehmens versichern allerdings schon einmal, dass sie einen "wichtigen Meilenstein in der Entwicklung von Patienten spezifischen embryonalen Stammzellen" geleistet hätten, und deuten an, dass damit der Grundstein gelegt wäre, um zahlreiche Krankheiten heilen zu können. Bislang habe es noch niemand geschafft, menschliche Embryonen mit dem Verfahren des Nukleartransfers zu klonen und bis zu Blastozyten heranwachsen zu lassen. Allerdings hatte der Reproduktionsmediziner Karl Illmensee kürzlich in einem Artikel, der in der Zeitschrift Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie erschienen ist, ebenfalls behauptet, zusammen mit Panayiotis Zavos ein geklontes menschliches Embryo für unfruchtbare Eltern erzeugt zu haben, das allerdings nicht zu einer Schwangerschaft führte.

Die Stemagen-Forscher haben von 3 jungen Frauen, die im Rahmen einer künstlichen Befruchtung behandelt wurden, 29 Eizellen als Spende erhalten. In die entkernten Zellen wurden die Zellkerne aus zwei Zelllinien von Fibroblasten eingefügt, die zwei Männern entnommen worden waren. Bei der Hälfte sei eine frühe Teilung erfolgt, Blastozyten hätten sich bei einem Fünftel (23 Prozent) entwickelt. Bei einem Blastozyten habe man durch Genanalyse, die von der Firma Genesis Genetics zur unabhängigen Verifikation durchgeführt wurde, nachweisen können, dass er geklont worden war und nicht durch Pathenogenese erzeugt wurde. Bei zwei anderen konnten nicht alle Tests für die Genanalyse richtig durchgeführt werden. Die Wissenschaftler sagen dennoch, dass sie erfolgreich aus 10 Prozent der Eizellen geklonte Blastozyten erzeugen konnten.

Die Erfolgsrate beim Kerntransfer sei etwa so hoch wie bei der normalen In-vitro-Fertilisation, bei der zwischen 40 und 60 Prozent der befruchteten Eizellen zu Blastozyten heranwachsen. Man habe auch einige Blasozyten durch Parthogenese erzeugt, die letztes Jahr bereits anderen Wissenschaftlern Gewinnung von embryonalen Stammzellen durch Parthenogenese ist. Diese haben nachgewiesen, dass die von Hwang Woo-Suk erzeugten Embryos wohl zufällig aus einer Parthenogenese und nicht durch Klonen entstanden sind. Bei der Parthenogenese können sich unbefruchtete Eizellen zu Embryos entwickeln, deren Gene aber identisch sind mit denen der Spenderinnen.

Die kürzlich erfolgreich demonstrierte Umprogrammierung von Körperzellen mithilfe von Retroviren bringe die Gefahr mit sich, dass dadurch Krebs oder andere Krankheiten entstehen könne, heißt es in einem Kommentar, der in Stem Cells Express zum Beitrag der Stemagen-Wissenschaftler veröffentlicht wurde. Die Umprogrammierung wird von manchen Wissenschaftlern vor allem deswegen favorisiert, weil man damit auf menschliche Eizellen verzichten kann und keinen menschlichen Embryo zur Entnahme der Stammzellen abtöten muss (Klonpionier Wilmut wendet sich vom therapeutschen Klonen ab). Unsicherheitsfaktoren sind der virale Vektor und die eingebrachten Gene, die das Umprogrammieren bewirken. Da dieses Verfahren noch nicht ausgereift sei, müsse man den Nukleartransfer, bei dem der Kern einer menschlichen Körperzelle in eine entkernte menschliche Eizelle eingebracht wird, noch weiter verfolgen, schreiben die Kommentatoren.

Die Stemagen-Wissenschaftler sagen in ihrem Bericht, dass ihr Verfahren, Eizellen von Spenderinnen zu nehmen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, Erfolg versprechend sei, das therapeutische Klonen von menschlichen Embryos zur Gewinnung von Stammzellen zu optimieren. Auch wenn man damit nur eine relativ geringe Zahl an Eizellen erhalten könne, so seien doch viele der Frauen bereit, einige der überschüssigen zu spenden. In diesem Fall erhielten die drei Frauen nach den Ethischen Richtlinien kein Geld für die Spende, alle wurden erfolgreich schwanger.

Wenn es sich wirklich um ein erfolgreiches Klonverfahren handeln sollte, das das kalifornische Unternehmen entwickelt hat, dann ist damit aber noch nicht erwiesen, ob sich aus den Blastozyten auch embryonale Stammzellen für therapeutische Zwecke gewinnen und in die gewünschten Körperzellen entwickeln lassen.

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