Wollen die Europäer Fleisch und Milch von geklonten Tieren?

Florian Rötzer 18.01.2008

In den USA wurden Lebensmittelprodukte geklonter Tiere für den Markt zugelassen, in der EU regt sich erster Widerstand

Die amerikanische FDA hat Milch und Fleisch von geklonten Tieren und ihren Nachkommen, Schafe ausgenommen, für den menschlichen Verzehr als unbedenklich erklärt und den Verkauf auf dem US-Markt gestattet), ohne eine Kennzeichnung zu verlangen. Auch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat in einem ersten Gutachten Milch und Fleisch von geklonten Rindern und Schweinen Unbedenklichkeit attestiert).

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In den USA hat die Behörde die seit Jahren angestrebte Zulassung nun doch erteilt, obwohl viele Menschen und auch Züchter und Händler dies ablehnen. Man wollte sich nicht einmal zu einer Kennzeichnung durchringen, weil die Produkte von den geklonten Tieren in jeder Hinsicht mit denen von herkömmlich gezüchteten Tieren praktisch identisch seien. Man will allerdings von Fall zu Fall entscheiden, ob man Züchtern und dem Handel erlaubt, Produkte als klonfrei auf den Markt zu bringen. Taktisch könnte der Verzicht auf eine Kennzeichnung ein Fehler (auch der Lobbygruppen) gewesen sein, weil sich Kritik und Widerstand an dieser Entmündigung festmachen werden. Warum sollte man schließlich den Verbraucher dazu zwingen, nicht zu wissen, ob er klonfreie Produkte kauft oder nicht?

Wirkliches Wissen über geklonte Tiere und vor allem für den Verzehr von deren Fleisch und Milch gibt es nicht. Plausibel mag zwar erscheinen, dass es bei geklonten Tieren, die ja nicht genverändert wurden, zu keinen Risiken für den Menschen kommen könne, verdächtig könnte die Menschen aber doch machen, dass die Erfolgsrate beim Klonen gering ist und dass viele der geklonten Embryos, die zur Schwangerschaft führen, missgebildet sind und gar nicht bis zur Geburt kommen. Auch diejenigen Klontiere, die geboren werden, weisen mehr Krankheiten auf als normale Tiere, zudem scheinen geklonte Tiere, die gesund zu sein scheinen, früher zu sterben. Ganz normal, so möchte man sagen, geht es hier nicht zu. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde geht für ihr Gutachten allerdings davon aus, dass kranke geklonte Tiere durch die bereits praktizierten Kontrollen aussortiert werden und gar nicht in den Handel gelangen.

Die Europäische Gruppe der EU-Kommission für Ethik in der Wissenschaft und in den neuen Technologien (EGE) ist von den Unbedenklichkeitserklärungen aber nicht überzeugt. In einem Gutachten, der nach einer Konsultation und Gesprächen mit Experten geschrieben wurde, wird gesagt, es gebe noch "keine überzeugenden Argumente" für die Zulassung von Produkten geklonter Tiere zur Nahrungsherstellung. Hingewiesen wird eben auf die auffälligen Gesundheitsprobleme bei den geklonten Tieren.

Empfohlen werden weitere Forschung, die Kennzeichnung von (importierten) Produkten, Richtlinien zum Tierschutz, die Sicherung der genetischen Vielfalt und die Förderung der öffentlichen Diskussion über das Thema. Sollte die EU Milch und Fleisch von geklonten Tieren nicht zulassen oder eine strenge Kennzeichnung erfordern, dann ist ein Streit mit den USA wahrscheinlich, wie er auch schon bei genveränderten Lebensmitteln geführt wurde.

Der französische Landwirtschaftsminister Michel Barnier hat schon einmal gesagt, dass man hier nicht die USA kopieren wolle und auf ethische und Akzeptanzprobleme hingewiesen.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27089/1.html
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