Handystrahlung könnte Schlafstörungen verursachen

Florian Rötzer 21.01.2008

Nach ersten Ergebnissen einer Studie von schwedischen und amerikanischen Wissenschaftlern wirkt sich die Handy-Benutzung messbar auf das Gehirn aus, ein Bericht des National Research Council empfiehlt, die möglichen langfristigen Folgen der Radiostrahlung genauer zu untersuchen

Ein Bericht des National Research Council empfiehlt, die möglichen gesundheitlichen Folgen der zunehmenden Aussetzung an Radiostrahlung (RF), die von Funktechniken in Handys, Notebooks oder anderen Geräten ausgeht, intensiver als bislang zu untersuchen. Wie der Leiter des Autorenteams, Frank Barnes von der University of Colorado at Boulder, sagt, könne man zwar bislang keine unmittelbaren Folgen beobachten, aber es gebe noch kaum Informationen über die möglichen langfristigen Folgen, die in 10 oder 20 Jahren eintrteen könnten.

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Nach Durchsicht zahlreicher Studien empfiehlt das Komitee vornehmlich genauere Untersuchungen der Auswirkung der Strahlung von Geräten und Funkstationen auf Kinder, Heranwachsende, schwangere Frauen und Föten. Es sei zwar nicht bewiesen, dass Kinder einen größeres Risiko haben, aber wenn eines besteht, dann sei dies wahrscheinlich. Kinder und Jugendliche würden auch viel länger als frühere Generationen der Strahlung ausgesetzt sein. Da manche Krankheiten wie Krebs manchmal eine Inkubationszeit von 10 oder 20 Jahren besitzen, müssten die langfristigen Folgen stärker berücksichtigt werden. Überdies wird empfohlen, auch die neuen Geräte genauer zu untersuchen, bei denen sich die Antennen nicht am Kopf wie etwa bei den herkömmlichen befinden, sondern beispielsweise an der Hüfte.

Barnes betont jedoch, dass das Thema möglicher gesundheitliche Folgen von Radiostrahlung ein höchst umstritten sei. Viele Studien hatten keine Folgen feststellen können, bei manchen aber wurden beispielsweise Einflüsse auf Zellen beobachtet.

Eine solche Studie von Wissenschaftlern des Karolinska Instituts und der Uppsala Universität sowie von der Wayne State University in Michigan wurde in der Publikation des Progress in Electromagnetics Research Symposium vom MIT veröffentlicht. Danach können bei Menschen, die vor dem Schlafen mit dem Handy telefoniert haben, Kopfschmerzen und Schlafstörungen auftreten. Die vom Mobile Manufacturers Forum (MMF) finanzierte Studie berichtet auch davon, dass bei vorheriger Handybenutzung der Eintritt in den Tiefschlaf später erfolge. Die Versuchspersonen benutzten ihre Handys normalerweise zwischen 5 Minuten und drei Stunden täglich.

Versuchsperson während der Aussetzung an Handy-Strahlung. Bild: Karolinska Institut

Die Studie untersuchte die möglichen Effekte einer dreistündigen Aussetzung an GSM-Handysignale (884 MHz) an die linke Gehirnhälfte anhand von Berichten der Versuchspersonen über Symptome, von Tests zur Leistung kognitiver Funktionen, von EEG-Abnahme während des Schlafs und der Erfassung weiterer Daten. Von den 36 weiblichen und 35 männlichen Versuchspersonen, die zuvor medizinisch überprüft worden waren, berichteten 22 Frauen und 16 Männern von Symptomen, die mit der Handybenutzung zusammenhängen können. Insgesamt wurden die Versuchspersonen an drei Abenden jeweils 3 Stunden der Strahlung ausgesetzt, wobei bei jeweils einer Sitzung zur Kontrolle die Aussetzung nur zum Schein erfolgte. Nur durch Zufall konnten die Versuchspersonen raten, ob sie einer Strahlung ausgesetzt waren oder nicht. Auch die Personen, die sich selbst als elektrosensitiv bezeichneten, konnten nicht sagen, bei welcher Sitzung sie der Strahlung ausgesetzt waren und bei welcher nicht.

Wenn die Versuchspersonen der Strahlung ausgesetzt waren, war der Schlaf im Unterschied zur Kontrollsitzung nach einer Stunde gestört. Es dauerte länger, bis die Versuchspersonen den ersten Zyklus des Tiefschlafstadiums 3 erreichten, das Tiefenschlafstadium 4 war verkürzt. Die Versuchspersonen, die den Handysignalen ausgesetzt waren, berichteten vermehrt von Kopfschmerzen, auch wenn sie sonst bei der Handy-Benutzung keine Kopfschmerzen bekommen. Weiteren Daten aus psychologischen Tests und biochemischen sowie physiologischen Messungen müssen noch ausgewertet werden.

Nach dem britischen Independent versuchte das Mobile Manufacturers Forum die Ergebnisse der Studie abzuschwächen, indem man erklärte, dass die sie nicht abschließend seien und die Wissenschaftler nicht behaupten würden, "dass die Aussetzung Schlafstörungen verursacht". Der Leiter der Studie, Bengt Arnetz, meint hingegen: "Wir haben aus Aussetzungsszenarien eine realistische Auswirkung von Handys festgestellt. Sie legt nahe, dass Handybenutzung das Gehirn messbar beeinflusst." Arnetz vermutet, dass die Strahlung das Stresssystem des Gehirns aktivieren könnte, wodurch die Menschen wacher werden, aber deswegen auch größere Schwierigkeiten haben, abzuschalten und einzuschlafen.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27108/1.html
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