Wie die Reichen den Armen schaden

23.01.2008

Der vom Kohlendioxidausstoß der Industrieländer in der Dritten Welt verursachte Umweltschaden wiegt, monetarisiert, schwerer als die Summe aller Auslandsschulden der Dritte-Welt-Staaten. Eine Studie zeigt, wie ungleich Ursache und Wirkung verteilt sind

Dass Umweltzerstörung sich nicht für Grenzen interessiert, sollte spätestens seit dem Reaktorunfall von Tchernobyl klar sein. Die Schäden, die einzelne Länder verursachen, wirken sich grundsätzlich weltweit aus. Doch wer schadet da eigentlich wem? Dass Faktoren wie Klimawandel, Zerstörung der Ozonschicht und Entwaldung auch die Industrieländer Geld kosten, steht außer Frage.

Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, wie sich die ökologischen Auswirkungen auf die gesamte Welt verteilen - und zwar getrennt auf Länder mit hohem, mittlerem und niedrigem Pro-Kopf-Einkommen. Dazu haben die Wissenschaftler Daten aus den Jahren 1961 bis 2000 analysiert und zwar für sechs verschiedene Bereiche: den Klimawandel durch Treibhausgas-Emissionen, die Verarmung der Ozonschicht, die Intensivierung der Landwirtschaft, die Zerstörung der Wälder, die Überfischung und den Verlust von Mangrovenwäldern.

Für jeden dieser Bereiche schlüsselt die in den aktuellen Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) enthaltene Arbeit auf, welche Schäden eine bestimmte Einkommensgruppe in der betrachteten Zeit verursachte und wie sich die Auswirkungen davon auf die anderen Einkommensgruppen verteilen. Dabei rechnen die Forscher in "internationalen Dollar", einer an die lokale Kaufkraft angepassten Währung.

Insgesamt haben die unerfreulichen Veränderungen - und zwar nur in den sechs betrachteten Kategorien - Verluste von 47 Billionen Dollar verursacht. Den Löwenanteil, nämlich 60 Prozent, daran mussten die Länder mit mittlerem Pro-Kopf-Einkommen schultern, zu denen etwa China und Indien zählen. Auf die Länder mit niedrigem und hohem Einkommen entfielen demnach je 20 Prozent.

Wir müssen den größeren Teil der Folgen gar nicht selbst aushalten

Nun ist es allerdings so, dass einen Großverdiener derselbe Betrag weniger stört als einen Geringverdiener. Wenn man deshalb berücksichtigt, dass der gleiche Pro-Kopf-Schaden bei Menschen mit niedrigerem Einkommen natürlich weit höhere Auswirkungen zeigt als beim mittleren Bewohner eines Industriestaates, dann verzerrt sich das 20-60-20-Verhältnis sehr stark: Nur noch drei Prozent der so gewichteten Schäden entfallen auf die Industriestaaten, während die unterentwickelten Länder 45 Prozent verkraften müssen.

Auf den einzelnen Menschen übertragen, lässt sich das auch so ausdrücken: Während ein durchschnittlicher Bewohner eines Industriestaats für 5,7 mal mehr CO2-Ausstoß als sein Mitmensch in einem armen Land verantwortlich war, musste letzterer dafür doppelt so viel an Schaden tragen, wie er selbst verursacht hat. Dass es so schwer fällt, Klimaschutz in den Industrieländern zu propagieren, hat sicher auch damit zu tun, dass wir den größeren Teil der Folgen gar nicht selbst aushalten müssen. Bei den die Ozonschicht zerstörenden Substanzen sind die Verhältnisse sogar noch extremer - 70 Prozent der Emissionen entstanden in den reichen Ländern, doch der Rest der Welt trug und trägt 59 Prozent der Schäden.

Weitere interessante Zahlen, die das Wissenschaftlerteam berechnet hat: Die Kosten der Klimaveränderung seit 1961 betragen ungefähr ein Drittel des weltweiten Bruttosozialprodukts im Jahr 2000. Die reduzierte Ozonschicht kostet die Menschheit weltweit bis zu 220 Millionen Jahre Lebenszeit - ungefähr so viel wie Krebs- und Atemwegserkrankungen im Jahre 2002 zusammen gekostet haben.

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