Taxitarife: Energievergeudung auf Kosten der Kunden

16.02.2008

Viele Taxifahrer rasen von einer Ampel zur nächsten - um dort möglichst lange zu stehen. Die behördlich festgelegten Taxitarife belohnen diese Treibstoffverschwendung

"Gleiten statt Hetzen" scheint im Repertoire vieler Taxi-Fahrer zu fehlen. Eine sanftere Fahrweise würde die Gesamtfahrzeit in der Regel nicht erhöhen. Bei höherem Fahrgastkomfort wären auch die Lärmentwicklung und der Treibstoffverbrauch geringer. Trotzdem zahlt es sich für den Taxibetreiber aus, zuerst zu hetzen und dann zu warten. Und das immer und immer wieder.

Der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. Im deutschsprachigen Raum sind behördlich verordnete Tarife üblich - nur bei Fahrten aus dem Stadtgebiet hinaus und eventuell bei reiner Güterbeförderung können die Fahrpreise frei verhandelt werden. Bei Personenbeförderung innerhalb der jeweiligen Stadt gibt es einen festgelegten Tarif. Oft ist zusätzlich die Zahl der zugelassenen Taxis begrenzt. (Über den Sinn dieser Wettbewerbseinschränkungen streiten sich die Geister. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Diese Taxitarife sehen einen Grundpreis, Entgelte für zurückgelegte Wegstrecken sowie diverse Zuschläge vor, etwa für die Anfahrt, die telefonische Bestellung, Gepäckbeförderung oder wenn mehr als eine bestimmte Anzahl Personen befördert wird. Außerdem wird eine Entlohnung für Wartezeiten vorgeschrieben. Eine Stunde Wartezeit kostet in den meisten Städten von 20 bis knapp 33 Euro.

Der Haken dabei: Auch so genannte "verkehrsbedingte Wartezeiten" werden vom Taxameter als Wartezeit erfasst. Sobald das Fahrzeug steht, läuft der Taxameter. Egal, ob es sich um eine vom Fahrgast gewünschte Stehzeit ("Bitte warten Sie hier, ich hole nur schnell etwas aus diesem Geschäft."), einen (Rück-)stau oder eine rote Ampel handelt.

Taxilenker kassiert doppelt

Würde der Taxilenker nun langsam auf eine rote Ampel zurollen, um treibstoffsparend möglichst ohne anzuhalten durchfahren zu können, würde er nur den Tarif für die Wegstrecke verdienen. Rast er jedoch dieselben Meter, um dann möglichst lange zu warten, kassiert er doppelt: einmal für die Strecke und dann noch einmal für das Warten. Die Gesamtreisezeit bleibt in den allermeisten Fällen dieselbe. Der Fahrgast hat also keinen Zeitgewinn, sondern eine ungemütliche Fahrt und eine höhere Rechnung.

Zusätzlich wird durch den unnötig hohen Treibstoffverbrauch die Umwelt belastet. Dem nicht genug, führen die starken Beschleunigungen auch noch zu zusätzlichem Lärm.

Krass ist die Regelung in Stuttgart ausgefallen. Dort werden Taxifahrer quasi bestraft, wenn sie langsamer als 16,67 km/h fahren. Unter dieser Geschwindigkeit wird nur der Zeittarif berechnet, darüber die Wegstrecke. Der Chauffeur wird durch die verordnete Preisgestaltung also dazu angehalten, über 16,67 km/h zu fahren, um bei nächster Gelegenheit (Stau, Rückstau, Ampel) möglichst lange warten zu können. Wiederum verrechnet der Taxameter zunächst die Wegstrecke und dann die Wartezeit. Die Kasse klingelt, die Umwelt leidet.

Es gibt jedoch auch Taxitarife, die das "Einsammeln" roter Ampelphasen nicht fördern. In einzelnen Städten fällt das Warteentgelt nur für längere Wartezeiten an. In Berlin und Hamburg tickt der Taxemeter erst ab einer vollen Minute, in Bremen sind sogar fünf Minuten frei.

Taxiverband: Lenker rasen nicht

Von der Sicht der Dinge überrascht zeigte sich im Gespräch mit Telepolis Frederik Wilhelmsmeyer, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes e.V. (BZP). Wilhelmsmeyer glaubt nicht, dass deutsche Taxifahrer im Allgemeinen absichtlich schnell fahren, um an den längeren Wartezeiten zu verdienen. Im Gegenteil, es gäbe für sie eigene Schulungen für möglichst treibstoffsparende Fahrweise. Die Interpretation der Taxitarife, der zufolge sie Kurzstrecken-Raserei förderten, sei ihm neu, so Wilhelmsmeyer.

Wenn Sie das nächste Mal in einem Taxi sitzen, können Sie selbst beurteilen, wie Ihr Fahrer seinen Tarif auslegt.

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