"Diese Voraussetzung dient zur Gewährleistung der Qualität der Rezension"

Peter Riedlberger 10.02.2008

Amazon.de und Ebay.de ändern die Bewertungsmechanismen

Vor rund zwei Wochen berichtete Telepolis ausführlich über gefälschte Rezensionen bei Amazon.de. Es gibt gute Nachrichten: Vor wenigen Tagen hat Amazon.de sein Rezensionswesen weitgehend fälschungssicher umgestaltet.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Die Veränderung ist klein, aber effektiv. Um eine Produktrezension verfassen zu können, muss der prospektive Rezensent 1. ein Benutzerkonto haben, 2. eine Bestellung aufgegeben haben und 3. einen Tag nach dieser ersten Bestellung warten.

Effiziente Verbesserung: Erst kaufen, dann schreiben. Vollansicht

Noch effizienter wäre es natürlich, wenn man abwarten würde, bis der Artikel wirklich ausgeliefert und bezahlt wurde (denn bekanntlich lassen sich Bestellungen bei Amazon sehr schmerzfrei stornieren), aber man will sich (vorerst) nicht beklagen. Denn allein diese Einschränkung dürfte die Zahl der Junk-Rezensionen bei Amazon ganz erheblich reduzieren, und sollte auch dies nicht ausreichen, besteht ja weiterhin die Möglichkeit, die Voraussetzungen weiter zu verschärfen.

Nicht nur Amazon hat sein Bewertungswesen auf neue Grundlagen gestellt. Auch bei Ebay ändern sich die Dinge: Bereits seit fast einem Jahr gibt der Käufer Zusatzbewertungen über den Verkäufer ab, und zwar in den Kategorien Beschreibung, Kommunikation, Versandzeit und Zusatzkosten. Diese Bewertungen scheinen erst auf, wenn ein Verkäufer mindestens zehn solcher Zusatzbewertungen hat, sodass er mögliche schlechte Bewertungen nicht einzelnen Kunden zuordnen und diese ggf. durch Negativbewertung abstrafen kann.

So soll’s sein: Mit diesem Händler sind die Kunden auch dann zufrieden, wenn er sich die guten Bewertungen nicht erpressen kann. Vollansicht

Dies ermöglichte es dem Ebay-Kunden, einen schlechten Händler miese Einzelbewertungen zu geben, trotzdem aber insgesamt fünf Sterne "alles super, jederzeit wieder" zu schreiben, um sich im Gegenzug vom Händler eine Fünf-Sterne-Wertung zu sichern.

Jetzt wird Ebay noch einen Schritt weiter gehen und die Möglichkeit der negativen Bewertung des Kunden durch den Händler komplett abschaffen. Und Ebay hat Recht.

Denn die einzige Leistung des Kunden besteht im Bezahlen, und dies geschieht bei Ebay praktisch ausschließlich per Vorkasse. Dennoch ist es im Regelfall so, dass der Händler die Bewertung durch den Kunden abwartet, ehe er diesen bewertet. Dadurch bewahrt er sich in der Hinterhand ein Drohpotential, falls der Kunde tatsächlich seine Unzufriedenheit per Bewertung zeigen sollte.

Für den Kunden ist die neue Lösung also in jedem Fall vorzuziehen, denn er kann wirklich gemäß seiner Zufriedenheit bewerten, ohne um sein eigenes Profil Angst haben zu müssen.

Und was ist mit dem Händler? Nun, wenn der Händler anständig ist, wird er froh sein, dass er sich künftig bewertungsmäßig von den weniger zuverlässigen Kollegen absetzt; Kunden werden fraglos bereit sein, auf seine Waren mehr zu bieten als auf die eines fragwürdig bewerteten Konkurrenten. (Dieses Verfahren ist aus Amazon vertraut, wo es gewisse Versender englischer Bücher gibt, die zwar extrem billig anbieten, aber mit deutlich schwächeren Bewertungen. Hier gibt es also eine echte Abwägung zwischen "teuer, schnell und zuverlässig" oder "billig, lange Lieferzeit und miese Kommunikation im Problemfall".)

Falls ein Kunde in angemessener Zeit nicht zahlt, wird der Händler ohnehin das Ebay-Meldeverfahren verwenden. Dies führt zur Rückerstattung der Verkaufsgebühren und ist für den Käufer schlimmer als eine simple negative Bewertung. Denn die Auszahlung der Verkaufsgebühren dürfte Ebay zu mehr Sanktionen veranlassen als ein Eintrag im Benutzerprofil.

So ist denn die einzige vorstellbare "Härte" für den Händler, dass es künftig eher zu ungerechten negativen Bewertungen durch böswillige oder verantwortungslose Käufer kommt. Aber hier gilt: Dafür ist Ebay zuständig (ungerechtfertigte negative Bewertungen können entfernt werden, und werden tatsächlich entfernt), und nicht man selbst, indem man Repressalien durch die Gegenbewertung vornimmt. Denn mit den Bewertungen soll ja schließlich des Geschäft bewertet werden, und nicht das Bewertungsverhalten.

Und außerdem dürften größere Verkäufer damit ohnehin wenig Probleme haben, denn je mehr Transaktionen man durchführt, desto eher verschwinden einzelne statistische Ausreißer (wie ungerechtfertigte negative Bewertungen in einem ansonsten sauberen Profil). Wir werden also bald ein bunteres Ebay sehen können, wo nicht 99% der Teilnehmer 99% positive Bewertungen haben.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27250/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS