Der letzte Superheld – die USA

14.02.2008

Die großen Ereignisse der jüngeren Geschichte hat die amerikanische Wirtschaft gut verwunden. Dennoch liegt das Außenhandelsvolumen auf einem Tiefstand.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mit 13,86 Billionen Dollar im Jahre 2007 das höchste Inlandsbruttosozialprodukt der Welt. Und auch das Pro-Kopf-Einkommen der Amerikaner ist Spitzenreiter im globalen Vergleich.

Die letzte Supermacht scheint auf einem festen Sockel zu stehen. So kann man dann auch aus dem ersten Satz des CIA-World-Factbook zur US-Wirtschaft den Stolz, die Nummer eins zu sein, nicht überhören:

The US has the largest and most technologically powerful economy in the world, with a per capita GDP of $46.000.

Und trotzdem kränkelt der Superhero. Die Handelsbilanz fällt seit Jahren defizitär aus. Natürlich sind da die drei großen Einschnitte in der jüngeren Geschichte, welche die Supermacht erschüttert hatten. Erstens der 11. September 2001, zweitens der Krieg im Irak und die damit einhergehende Umstrukturierung des Haushalts und drittens Hurricane Katrina. Letztendlich konnten die drei Ereignisse die USA nicht nachhaltig in ihrer Führungsrolle gefährden. Weshalb also lag 2007 das Außenhandelsvolumen mit 847 Milliarden Dollar bei einem Tiefststand seit vielen Jahren?

Jemand, der diese Frage ins Zentrum einer Untersuchung gestellt hat, ist Danny Quah, Professor für Volkswirtschaft an der LSE (London School of Economics). Und Quah zeichnet ein nicht ganz so rosa Bild wie seine Kollegen bei der CIA. Er zieht dafür zum einen die häufig debattierten Auswirkungen der Globalisierung und die ungleiche Einkommensverteilung und zum anderen den weltweiten Einfluss wirtschaftspolitischer Marschrichtungen einzelner Länder zu Rate.

Wie so oft spielen die neuen "Großen", nämlich die Volksrepublik China und Indien, die wichtigsten Nebenrollen. Mit jeweils mehr als einer Milliarde Einwohnern stellen sie die stärksten Binnenmärkte der Erde. Indiens Bruttoinlandsprodukt hat die Außenhandelsbilanz Amerikas bei Weitem überrundet. Und das Bruttoinlandsprodukt Chinas ist ein Vielfaches davon. Indien hatte, laut Weltbank, zuletzt einen Konjunkturaufschwung von 8,4 %. Der Chinas liegt bei 11,4 %. Die geographische Nähe beider Länder und die wirtschaftliche Öffnung der Volksrepublik zum Westen lässt neue Synergien entstehen. Das Handelsvolumen zwischen ihnen wächst konstant. Zudem gibt es ja auch noch andere prosperierende Binnenmärkte in Asien, Arabien und Vorderasien. Und sie alle treiben regen Handel untereinander. Ihre Märkte greifen zunehmend ineinander, erstarken, dehnen sich aus. Amerika rückt ein wenig an den Rand des globalisierten Welthandels. Der führende Superkapitalist muss einstecken.

Ein anderer Faktor ist das gute alte Öl. Die CIA, wie auch Danny Quah, bewerten die hohe Abhängigkeit bei der Öleinfuhr als eine der dicksten Bremsen für die US-Wirtschaft. Der Riese muss immerhin zwei Drittel seines Verbrauchs importieren, und bei den steigenden Ölpreisen der letzten Jahre sind es doch wieder die OPEC Länder, die Bush und Konsorten auf dem Geldbeutel liegen.

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Es bleibt somit spannend, wie es dann aussieht, wenn der Riese fällt. Quah rechnet damit, dass die positiven Rückkopplungseffekte bei einer immer schwächer werdenden amerikanischen Ökonomie locker von den neu aufstrebenden Märkten in Asien aufgefangen werden könnten.

Wie immer leiden die Armen der Amerikaner unter der schwächelnden Wirtschaft am meisten. Davon ist natürlich keine Rede im World-Factbook der Agency. Ein Volkswirt, der von der CIA beauftragt wird, eine Statistik zu schreiben, achtet eben nicht so sehr auf diese Schicht. Sie schlägt sich ja nur mit einem Prozent im gesamten US-Konsumverhalten nieder. Also werden einfach mal zehn Prozent der Menschen unter den Tisch fallen gelassen. Und auch weltweit hat sich an der Zahl der in Armut lebenden Menschen nicht viel getan, obwohl in vielen Schwellenländern eine globalisierte Goldgräberstimmung herrscht. Da geistert immer wieder eine Zahl von fünfhundert Millionen Menschen durch die Presseerklärungen der so genannten Geberländer. Fünfhundert Millionen Menschen haben es in den letzten 25 Jahren aus einem Leben mit einem Dollar pro Tag herausgeschafft. Danny Quah fragt, wie viele von den fünfhundert Millionen Menschen wohl Chinesen sind?

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