Obama überholt Clinton
Komfortable Mehrheiten in allen drei Potomac-Primaries
Der Senator aus Illinois hatte am Samstag in allen demokratischen Vorwahlen gewonnen und am Sonntag sehr überraschend auch eine deutliche Mehrheit von 15 der 24 Delegierten aus Maine erreicht. Nun siegte er in der Hauptstadt mit deutlich über 70 und in den benachbarten Bundesstaaten Maryland und Virginia mit über 60 %. Bei den Republikanern konnte sich John McCain in der Geburtsregion der Christian Coalition gegen Mike Huckabee, den Favoriten der Evangelikalen durchzusetzen. Er siegte in Virginia und Maryland mit über 50 und in Washington DC mit über 60 %.
Damit führt Obama jetzt bei der Zahl der bisher erreichten Delegierten nach CNN-Zählung mit mindestens 1202 erstmals vor Hillary Clinton mit 1184. Erreicht einer der Kandidaten 2025 Delegierte, dann ist ihm die Nominierung auf der National Convention der Demokraten sicher. Bei den Republikanern scheint McCain mit 812 Delegierten der Vorsprung jetzt kaum mehr zu nehmen. Sein Verfolger Huckabee verfügt lediglich über 217 Delegierte. Für die Nominierung auf dem republikanischen Nominierungsparteitag werden lediglich 1191 Delegierte benötigt.
Mittlerweile scheint Obama auch bei Gruppen Mehrheiten zu erreichen, bei denen er bisher schlechter abschnitt als Clinton - unter anderem bei weniger gebildeten und bei spanischsprachigen Wählern. Dass er bei den demokratischen Vorwahlen und den Caucuses (wo sich häufig nur ein kleiner Teil der Bevölkerung eines Bundesstaates beteiligt) solch deutliche Mehrheiten erreicht, heißt allerdings noch lange nicht, dass er auch gegen McCain die besseren Chancen hätte – obwohl das Umfragen derzeit suggerieren.
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Die Chancen Obamas gegen McCain hängen unter anderem davon ab, wie sehr seine Autobiographie[1] noch ausgeschlachtet wird, die zum Teil für viele Amerikaner schwer verdauliche Kost enthält. Obama kann daraus entnommene Vorwürfe allerdings mit dem Argument kontern, dass er im Gegensatz zu Bill Clinton offen mit seiner Vergangenheit umging und sich im Laufe der Jahre veränderte. Jedoch vermittelt er in seiner Autobiographie manche der dort geschilderten Wandlungen nur bedingt glaubhaft – darunter auch seine plötzliche Hinwendung zur Religion
Potentiell von seinen Gegnern nutzbar ist auch sein zweiter Vorname "Hussein", dass er als kleiner Junge in Indonesien am Koranunterricht teilnahm und dass das Kirchenblatt seiner charismatischen Freikirche in Chicago im letzten Jahr lobende Worte für Louis Farrakhan fand, den Führer der Nation of Islam, der "Black Muslims". Obama selbst griff Farrakhan wegen dessen Antisemitismus scharf an, verweigerte aber eine Distanzierung vom umstrittenen Kirchenvorsteher Jerermiah A. Wright.
Die New York Times trat bereits Bedenken entgegen, dass Obama ein "Manchurian Candidate" des Islamismus sein könnte. Allerdings könnte sich diese Befürchtung möglicherweise in indirekterer und weniger bewusster Weise verwirklichen, als Obamas Gegner dies derzeit suggerieren: In seinem Außenpolitik-Team findet sich nämlich auch Zbigniew Brzezinski - der Mann, der Ende der 1970er die Instrumentalisierung radikaler Islamisten gegen die Sowjetunion mit einfädelte. Eine Maßnahme, die Brzezinski noch heute für gerechtfertigt hält.
Auf Seiten der Republikaner reichte die Kombination aus evangelikalen Wählern und McCain-Gegnern in den beiden Südstaaten und der Hauptstadt nicht aus, um Mike Huckabee dort Mehrheiten zu bescheren. McCain profitierte davon, dass in Virginia auch unabhängige Wähler mit abstimmen konnten, bei denen er bisher deutlich besser abschnitt als Huckabee.
Am nächsten Dienstag wird im Milch- und Bierstaat Wisconsin gewählt; in Hawaii, wo Obama aufwuchs, stehen Caucuses an. Hillary Clinton konzentriert ihren Wahlkampf allerdings bereits auf Texas und Ohio, wo ihre Chancen den Umfragen zufolge noch gut stehen. Sollte sie diese beiden Staaten, in denen erst am 4. März gewählt wird, und zusätzlich in Pennsylvania gewinnen, hätte sie noch eine Chance, auf dem Nominierungsparteitag mit mehr Delegierten vertreten zu sein als Obama. Voraussetzung dafür ist allerdings auch, dass sie in den anderen Staaten nicht zu hoch gegen ihn verliert.
http://www.heise.de/tp/artikel/27/27271/1.html- Wachstum in einem geschlossenen System mit endlichen Ressourcen (15.2.2008 10:14)
- re (14.2.2008 19:30)
- Ronpol (14.2.2008 18:06)
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