Zahlreiche Seen auf dem Saturnmond Titan

14.02.2008

Nach neuen Radardaten gibt es riesige Mengen an flüssigen Kohlewasserstoffen und dem präbiotischen organischen Molekül Tholin auf dem Mond mit einer dichten Atmosphäre

Mit dem Radar der Saturnsonde Cassini konnten nun die Vermutungen bestätigen werden, dass aus der Atmosphäre des Mondes Titan große Mengen Kohlenwasserstoffe auf dessen Oberfläche regnen und dort große Seen und Flüsse bilden (Bürger zweier Welten. Der Titan ist doppelt so groß wie unser Mond und hat eine dichte Atmosphäre.

So könnte es auf dem Saturnmond Titan aussehen, für das Entstehen von Leben wäre es aber wohl zu kalt. Bild: Steven Hobbs/Nasa

Nach den neuen Daten gibt es auf dem Saturnmond sehr viel mehr flüssige Kohlenwasserstoffe als die gesamten Öl- und Gasreserven auf der Erde. Die Wissenschaftlergruppe unter der Leitung von Ralph Lorenz von der Johns Hopkins University berichtet in den Geophysical Research Letters, dass die Oberfläche des Mondes von kohlenstoffhaltigem Material bedeckt sei. "Es ist", so sagt Ralph Lorenzen, "eine gigantische Fabrik für organische Chemikalien." Allerdings wurden bislang nur die Seen in der nördlichen Polarregion erfasst. Die Wissenschaftler nehmen an, dass es auf der Südhalbkugel ähnlich sein muss. Die Tiefe der Seen wurde in Analogie mit irdischen Seen abgeschätzt. Wenn die Titanseen allerdings ganz schwarz auf dem Radar aussehen, dann müssen sie tiefer als 10 m sein.

Bislang wurden mit dem Radar der Cassini-Sonde 20 Prozent der Oberfläche des Saturnmondes vermessen. Dabei wurden Hunderte von Seen erfasst. Auf dem mit -179 Grad Celsius für alles bekannte Leben zu kaltem Titan gibt es kein Wasser, sondern flüssige Kohlewasserstoffe in Form von Methan und Ethan. Überdies vermuten die Wissenschaftler, dass die am Äquator beobachteten Dünen aus Tholin gebildet sind, das durch ultraviolette Bestrahlung von Methan und Ethan entsteht. Die komplexen organischen Moleküle gelten als wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung des Lebens. Die Dünen sind viele hundert Mal größer als die Kohlevorräte der Erde. Die Sandmengen der Dünen seien zu groß, um allein durch Erosion entstanden zu sein.

Vom Cassini-Radar aufgenommene Seen auf dem Nordpol des Titan. Bild: NASA/JPL

Zwar gibt es nach Ansicht der Wissenschaftler im Augenblick so viel Flüssigkeiten in den Seen, um das Methan in der Atmosphäre vor der Fotolyse zu schützen, aber es sei nicht genug, um dies dauerhaft zu garantieren. Methan ist ein starkes Treibhausgas. Wenn es ganz zerfällt, dann würde der Titan noch weitaus kälter werden. Möglicherweise gelangt Methan durch Vulkanausbrüche in die Atmosphäre. Wenn diese These zutrifft, dann könnte die Temperatur in der Vergangenheit stark geschwankt haben und wären große Klimaveränderungen auch in der Zukunft möglich. Weil das Leben auf der Erde auf Kohlenstoff basiert, sei es höchst interessant, meint Lorenz, zu verstehen, wie weit die chemischen Substanzen im Hinblick auf Komplexität sich unter Bedingungen wie denen auf dem Titan entwickeln können, um so nachvollziehen zu können, wie das Leben im Universum entstanden ist.

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