Die Frau, die in die Zukunft sehen konnte

20.02.2008

Ada Lovelace hat den ersten Programmcode geschrieben

Immer wieder stand die Welt an wichtigen Scheidepunkten, die den weiteren Verlauf der Geschichte bestimmt haben: sei es Columbus’ Entdeckung von Festland am 12. Oktober 1492, der Knopfdruck an Bord der "Enola Gay" am 6. August 1945 – oder Buzz Aldrins schwereloser Hüpfer auf den Erdtrabanten am 20. Juli 1969. All jene Ereignisse führten zu einer Veränderung in der Entwicklung der Menschheit, deren wahre Auswirkungen sich erst später zeigten.

Ein solches Datum hätte auch der 27. November 1852 werden können: der Todestag von Ada Lovelace, der ersten Computervisionärin und Programmiererin. Lovelace. Die Tochter des englischen Poeten Lord Byron, interessierte sich entgegen den Gepflogenheiten ihrer Zeit für Naturwissenschaften, insbesondere für Mathematik und Mechanik.

In diesem Zusammenhang freundete sie sich mit Charles Babbage an, einem Erfinder, der mit seinen beiden Rechenmaschinen difference engine und analytical engine die mechanischen Vorläufer der heutigen Computer entwickelt hatte. Es war aber seine Assistentin Ada, die im Gegensatz zu Babbage, der in seinen Maschinen allein Werkzeuge für Rechenarbeiten sah, das wahre Potential dieser Maschinen erkannte. Dies wurde ihr bewusst, als sie eine Anleitung zur Berechnung der Bernoulli-Zahlen schrieb – die im Nachhinein als der erste Programmcode der Geschichte betrachtet wird.

Inspiriert von dem Jacquard-Webstuhl, der mit Hilfe von Lochkarten verschiedene Muster in Teppiche webte, entwickelte Ada den Gedanken, dass man die Variablen des Programms eben nicht nur mit numerischen Zahlen, sondern auch mit anderen Informationen belegen könne. Ihre Ideen und Berechnungen, dass Rechenmschinen in der Lage sein könnten, Grafiken oder Musik zu generieren, zeugt von ihrem großen visionären Vorstellungsvermögen, das leider mit ihr verschwand, als sie im jungen Alter von 36 Jahren verstarb. Zuvor beschäftigte sie sich jedoch noch eingehend mit experimentellen Feldforschungen der Elektrizität und dem Aufbau des menschlichen Gehirns.

Ihr Traum, eines Tages die komplexen Denkprozesse in mathematische Formeln umzuwandeln, kann wohl mit Sicherheit als eine der frühen Theorien zur Schaffung einer künstlichen Intelligenz betrachtet werden. Erst jetzt, 150 Jahre später, wird erst richtig bewusst, wie sehr Ada mit ihren Visionen ihrer Zeit voraus gewesen ist – und dass sie schon Jahrzehnte früher unser Computerzeitalter hätte einleiten können, wäre sie nicht die einzig Sehende unter den Blinden gewesen.

Achim A. Berger

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