Warnung vor Biopharming

Florian Rötzer 20.02.2008

Das US-Landwirtschaftsministerium hat schon einige Feldversuche mit genveränderten Pflanzen, die medizinische Wirkstoffe enthalten, zugelassen

Bislang werden nur gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, die als Nahrungsmittel für Menschen oder Tiere dienen. Die Bt-Sorten sollen Schädlinge abhalten, andere Sorten sollen eine höhere Herbizidtoleranz haben. Ob sie tatsächlich Vorteile bringen, ist umstritten (Genveränderte Pflanzen: ein Flop?). Die nächste Generation von genveränderten Pflanzen soll nicht höhere Erträge oder den Anbau unter ungünstigen Bedingungen ermöglichen, sondern medizinische Wirkstoffe oder industrielle Materialien liefern. Das kann, wie die amerikanische Union of Conmcerned Scientists (UCS) warnt, zu unübersehbaren Folgen führen, wenn es zu Vermischungen von Sorten für unterschiedliche Zwecke kommt, die aber völlig ununterscheidbar aussehen.

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Die Probleme, die schon mit der Vermischung etwa von genverändertem Reis und anderen Reissorten auftraten, könnten dann tatsächlich problematisch werden. Bislang ist noch nicht klar, ob genveränderte Pflanzen negative Folgen für die menschliche Gesundheit haben können, auch wenn die Folgen des Anbaus und die mit Genmanipulation einhergehenden Versprechungen umstritten sind. Wenn aber beispielsweise im Reis, den man als Nahrungsmitteln kauft, auf einmal Sorten enthalten sind, die Hormone, Impfstoffe oder medizinische Wirkstoffe enthalten, dann wird dies sehr viel problematischer.

2007 hatte das Landwirtschafsministerium, genauer die dafür zuständige Animal and Plant Health Inspection, für den Anbau einer Reissorte mit den zwei Genen eine vorläufige Zulassung erteilt, die die zwei menschlichen Proteine Lactoferrin und Lysozym codieren. Diese Proteine kommen in der Muttermilch vor und wirken antiviral, antibakteriell und antifungizid. Mit dem Reis sollen Magen-Darm-Erkrankungen und tropische Infektionen behandelt werden (Freilandanbau von genverändertem Reis mit menschlichen Proteinen).

Am 15. Februar 2008 wurde einer genveränderten Tabakpflanze, die von Planet Biotechnology entwickelt wurde, ebenfalls Unbedenklichkeit für einen geplanten Feldversuch bescheinigt. Die Nicotiana-Sorte enthält einen antibakteriellen Antikörper, um das Bakterium Streptococcus mutans zu bekämpfen, das im Mund von Menschen für die Entstehung von Karies mit verantwortlich ist. Nach der Ernte soll aus den Pflanzen der Antikörper gewonnen. Zwar waren in der Zeit, als der Feldversuch bekannt gegeben wurde und Kommentare abgegeben werden konnten, nur insgesamt sechs Kommentare eingegangen, die sich aber alle für ein Verbot des Feldversuchs aussprachen, was das Landwirtschaftsministerium aber nicht beeindruckt zu haben scheint.

Wenn Pflanzen in großem Stil und ohne hinreichenden Schutzmaßnahmen auf Feldern gezüchtet werden, dann können sich Samen durch Wind oder Insekten verbreiten und so die gentechnisch modifizierten Eigenschaften etwa einer Reissorte auf eine andere übertragen bzw. andere Reisfelder kontaminieren. Mit der Ernte würden dann auch Menschen, die die Medikamente oder Hormone nicht benötigen oder für die sie gefährlich sein können, in Gefahr geraten, nicht gewöhnlichen Reis, sondern darunter vermischt veränderten Reise zu sich zu nehmen.

"Was wären die gesellschaftlichen Folgen, wenn beispielsweise Cornflakes mit einem Medikament oder einer Chemikalie kontaminiert wären?", fragt Karen Stillerman von der UCS. Sie wies auf der Jahrestagung der AAAS auf die vermutlich entstehenden wirtschaftlichen Kosten hin. Vorstellen kann man sich dies, welche Folgen 2006 die Kontamination von Reisexporten in die EU mit in den USA ungenehmigt angebauten genveränderten LL601-Reis hatte (Der Reis, den keiner wollte). Der herbizidtolerante Reis war nur zu Testzwecken angebaut worden, ist aber versehentlich in die normale Reisernte geraten. Die Bauern mussten teilweise erhebliche Verluste in Kauf nehmen (Schuld ist der liebe Gott ...).

Die UCS ruft zu einem Verbot für den Freilandanbau von genveränderten Pharma-Pflanzen an, wenn es sich um Arten handelt, die auch von Menschen oder Nutztieren verzehrt werden. Anfang dieses Jahres hatte das Landwirtschaftsministerium Milch und Fleisch von geklonten Rindern, Schweine und Ziegen für sicher erklärt, so dass sie nun ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen können (USA: Lebensmittelprodukte von geklonten Tieren zugelassen).

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27325/1.html
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